
Jin-Roh
Jin-Rô | Japan | 1999
IMDb, OFDb, Schnittberichte
PATLABOR 1 (1989), PATLABOR 2: THE MOVIE (1993) und natürlich GHOST IN THE SHELL (1995) verliehen Mamoru Oshii einen über die Grenzen Japans hinaus bekannten Namen bezüglich erwachsener Anime. Die Anime-Fassung seines Manga Kerberos Panzer Cop spielt in einer alternativen Realität der 50er Jahre und erzählt vom Kampf eines faschistischen Nachkriegsjapan gegen widerständige Gruppen. Unter Regie von Hiroyuki Okiura wird dabei eine wendungsreiche Geschichte um Kazuki Fuse erzählt, der als Mitglied der Spezialeinheit „Kerberos“ ein Mädchen erschießt, dass die Widerständler der „Sekte“ mit einer Bombe beliefern soll. Die Bereitschaft des Mädchens, Nanami Agawa, zu sterben, stellt schon früh die Frage nach Handeln von Menschen in totalitären System in den Raum. Fuse folgt seinen Anweisungen, Agawa ihren Überzeugungen. In der Folge zweifeln Fuses Vorgesetzte jedoch aufgrund eines kurzen Zögerns an seiner Eignung und unterziehen ihn einer erneuten Ausbildung. Die Machthaber können keine Abweichung dulden.
Fortan entspinnt sich ein Politthriller, der das Ringen zwischen regulärer Polizei und elitärer Hauptstadtpolizei mitsamt ihren jeweiligen Unterabteilungen „Spezialeinheit Kerberos“ und „Abteilung für Sicherheit“ darstellt. Im Sinnen nach mehr Macht spielen sich zahlreiche Intrigen innerhalb der Exekutive ab, die letztlich bis zur Erschießung Nanami Agawa zurückreichen. Die hochspannende Geschichte versinnbildlicht die amoralischen und brutalen Machtkämpfe innerhalb der Behörde am Ende, indem sich die „Spezialeinheit Kerberos“ und die „Abteilung für Sicherheit“ in der Kanalisation gegeneinander kämpfen lässt; ebenjenem düsteren Ort, an dem zu Beginn noch die Sekte operiert.
Inmitten des Thrillergeschehens gibt es immer wieder Einsprengsel einer Beziehungsgeschichte zwischen Fuse und Kei Amemiya, der angeblichen Schwester der getöteten Nanami Agawa. Mittels einer Abwandlung des Märchens „Rotkäppchen“ vorangetrieben, rückt aber auch dieser Handlungszweig alsbald in die Nähe der Machtkämpfe im Apparat. Das ist ebenso düster wie konsequent, macht aber vor allem eines deutlich: Wer nicht gewillt ist, komplexe (und teils nur angedeutete) Handlungsverläufe nachzuvollziehen, der ist hier falsch.
Es sei denn, derjenige betrachtet den Film ausschließlich aufgrund seiner ästhetischen Qualität. Schon die eröffnende Straßenschlacht ist sehr stimmungsvoll und die fliegenden Molotow-Cocktails lassen die großartige Qualität der Animation bereits erahnen. Danach gibt es viel Spiel mit Schatten und Licht, vor allem aber sehr realistische Darstellungen von Architektur. Die Baustellen, Höfe und Straßenschluchten Tokios sehen in ihrer entsättigten Farbe bezaubernd aus und hätten den Film eigentlich zu einem Anwärter für Stefan Riekeles‘ sehr empfehlenswertes Buch Anime Architecture: Imagined Worlds and Endless Megacities gemacht.








