DER TODESJÄGER

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Der Todesjäger
Deathstalker | Argentinien/USA | 1983
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der finstere Magier Munkar (Bernhard Erhard) hat das Reich von König Tulak an sich gerissen. Dieser bittet daraufhin den Todesjäger (Rick Hill), einen hünenhaften Barbaren, das Königreich zurückzuerobern. Als Geschenk erwartet den Todesjäger neben Reichtum und Macht auch die Sex-Prinzessin Codille (Barbi Benton). Doch die Reise ist gefahrenvoll und voller Überraschungen.

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Die Italiener sind bekanntlich die Könige der Rip-Offs, und haben das unzählige Male in den verschiedensten Genres bewiesen. Als 1982 CONAN – DER BARBAR an den Kinokassen abräumte folgten teils nur wenige Monate später Klopper wie ATOR – HERR DES FEUERS (1982), ER – STÄRKER ALS FEUER UND EISEN (1983) oder der äußerst grenzwertige THOR – DER UNBESIEGBARE BARBAR (1983). Doch nicht nur in Italien gibt es Herrschaften, die die Zeichen der Zeit zu deuten und dementsprechende Produktionen in Auftrag zu geben verstehen, sondern auch in den USA. In diesem Zusammenhang muss natürlich der Name Roger Corman fallen, der ebenfalls nur wenige Monate nach dem Release von Milius‘ Meisterwerk daran ging, einen Barbaren-Trasher zu produzieren.
Also hat Corman schnell ein paar Groschen aufgetrieben und ist mit der Crew nach Argentinien geflogen. Dort ließen sich die Produktionenkosten sehr gering halten und ein paar schöne Naturaufnahmen waren gleich mit drin. Die Aufnahmeleitung vor Ort fiel dann an James Sbardellati, der zwar nur zwei Regiearbeiten in seinem Leben ablieferte, dafür aber als Regieassistent an Klassikern wie DAS GRAUEN AUS DER TIEFE (1980), SADOR – HERRSCHER IM WELTRAUM (1980) oder BEASTMASTER – DER BEFREIER (1982) mitwirkte. Das Drehbuch steuerte Howard R. Cohen bei, der mit ROLLERFIEBER (1972) und SAMSTAG, der 14. (1981) bereits bewiesen hatte, dass er mit skurril-lustigen Stoffen umzugehen vermag.

Oghris: Geister!
Der Todesjäger: Geister machen keinen Lärm …

Sehr viel Eigeninitiative brauchte Cohen bei dieser Produktion allerdings nicht zu zeigen, denn inhaltlich orientiert sich der Streifen natürlich sehr eng an CONAN – DER BARBAR. Egal ob Bösewichte mit ungewöhnlichen Haustieren, Orgien in Tempeln oder ermordete Eltern, der Streifen spult einfach das Standardrepertoire eines jeden Barbarenfilmchens herunter. Etwas Abwechslung entsteht allein durch einen kleinen Schuss Fantasy-Elemente. So gibt es neben leuchtenden Schwertern auch magische Kelche und Amulette, die das Ganze etwas auflockern und den Effektspezialisten erlauben, ein paar Lichtblitze auf das Zelluloid zu pinseln.
Viel wichtiger als die paar Blitze sind allerdings die Kostüme und Kulissen, denn diese schaffen es, den Streifen aus dem Gros der Genrekollegen an die Spitze zu katapultieren. Spätestens wenn nach rund 15 Minuten der Palast von Munkar geentert wird, bleibt jedem Pappmaché- und Latexfreund der Mund offen stehen. Herrliche Kulissen und abgedrehte Kostüme wohin das Auge schaut. Die Krönung ist natürlich das Schweinewesen (das ganz nebenbei schulterzuckend seine Artgenossen verspeist), aber auch der augenfressender Wurm in der Kiste oder der verfluchte Troll aus der Höhle sind eine wahre Augenweide. Über die gesamte Spielzeit gibt es immer wieder derlei Schauwerte zu sehen und wenn das erwähnte Schwein dann noch einem dahergelaufenen Typen den Arm abreißt, um damit einen anderen Kollegen zu verprügeln, bleiben wahrlich keine Wünsche mehr offen.
Als wäre das nicht schon genug, packt der Streifen noch eine Unmenge an nackten Mädels oben drauf. Ständig rennt irgendwo eine entblößte Schönheit durchs Bild, die dann sogleich von einem der männlichen Darsteller gepackt und begattet wird. Zwar kommt es zu keinerlei übermäßig expliziten Erotikszenen, aber das ständige Vorhandensein nackter Haut ist ein zentrales Element des Films.

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Da kommt es sehr gelegen, dass der Hauptdarsteller Rick Hill äußerst dämlich zu grinsen vermag und das auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit tut. Hill – der zuvor nur als TV-Recke bekannt war und es auch im späteren Verlauf seiner Karriere selbst in Filmchen wie CYBORG 2 (1993) und CLASS OF 1999 PART II (1994) nur auf Nebenrollen brachte – bietet ansonsten eine durchschnittliche Leistung. Würde er nicht ständig unpassend grinsen, wäre er wohl einer der blassesten Barbarendarsteller überhaupt. Immerhin ist er gewandt mit dem Schwert und so könnenden die Kampfsequenzen im Film meist überzeugen. Und das ist etwas, was – wie der Barbarenkenner weiß – bei weitem nicht auf jeden Film des Genres zutrifft. Der Rest des Casts besteht aus mehr oder minder fähigen Darstellern, von denen sich kaum jemand hervortun kann. Einzig Lana Clarkson muss hier aufgrund ihrer Hauptrolle in BARBARIAN QUEEN (1985) und BARBARIAN QUEEN II (1990) Erwähnung finden.

Der Todesjäger: Ihr sucht einen Idioten!
Tulak: Nein, einen Helden!
Der Todesjäger: Helden und Idioten sind das Gleiche!

Aber diese schauspielerische Durchschnittskost ist – ebenso wie die arg konventionelle Handlung – vollkommend zu vernachlässigen, denn dieser Streifen punktet mit ganz anderen Werten. Und das nicht zu knapp. Die großartige Vielfalt an Monstern und Kostümen, die gelungenen Kulissen, die dummen Sprüche und die Unmenge an nackten Mädels, all das verbindet sich zu einer unfassbaren Reise durch das Land des Unsinns. Die flotte Inszenierung tut ihr Übriges und verhindert jeden Anflug von Langeweile; und wirft darüber hinaus die Frage auf, warum Sbardellati nur unter dem Pseudonym John Watson Erwähnung findet).
So steht dem Streifen ohne Frage ein Platz ganz oben in der Hierarchie der Barbaren-Rip-Offs zu, denn unterhaltsamer und kurzweiliger hat sich diese altbackene Geschichte nur sehr selten präsentiert. Da scheint es nur logisch, dass der Streifen mit MYSTOR – DER TODESJÄGER II (1987), DEATHSTALKER III (1989) und schließlich DEATHSTALKER IV (1990) noch drei Fortsetzungen verpasst bekam.

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Eine irre Reise voller Monster und Mädels. Dazu massig Effekte und dumme Sprüche, Herz was willst du mehr. In Anbetracht solcher Werte kann man die konventionelle Geschichte getrost übersehen, und sich ohne Bedenken ins Abenteuer stürzen.

Eine Antwort zu “DER TODESJÄGER

  1. Pingback: EIN MANN WIRD ZUM KILLER | SPLATTERTRASH·

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