RAMBO: LAST BLOOD

Rambo: Last Blood
Rambo: Last Blood | USA | 2019
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Vor nicht allzu langer Zeit fragte ich in meiner Kritik zu JOHN RAMBO (2008) noch, was nach solch einer enthemmten Gewaltorgie noch folgen solle – ein weiterer Teil der Reihe, der dem Topos des das Böse mit blanker Gewalt bezwingenden Heroen noch irgendwas hinzufügt, war nur schwer vorstellbar. Und bleibt es auch nach Adrian Grunbergs fünftem Serienteil RAMBO: LAST BLOOD. Erneut ist die Charakterisierung der Antagonisten höchst fragwürdig, Stallones Spiel bleiern und das letzte Viertel überbordender Schlachterei vorbehalten – und doch: Grunberg, der bis dahin nur GET THE GRINGO (2012) sowie ein recht umfangreiches Portfolio als Regieassistent vorweisen konnte, gelingt es, einen flotten Actioner zu inszenieren, der in seiner Simplizität zwar etwas aus der Zeit gefallen wirkt, dafür aber straight unterhält.

Die Story? John (Sylvester Stallone) lebt mittlerweile wieder in der USA und haust dort mit Maria (Adriana Barraza), der Haushälterin seiner Eltern, auf deren altem Hof. Marias Enkelin Gabrielle (Yvette Monreal) ist das Ziel von John Versuchen, menschliche Gefühle zu zeigen, und ihre Entführung in Mexiko ruft folglich seine zügellose Wut hervor. Denn die Brüder Hugo (Sergio Peris-Mencheta) und Victor Martinez (Óscar Jaenada) haben Gabrielle zwecks Ausbeutung in einem ihrer Bordelle in ihre Gewalt gebracht. Also muss Rambo zunächst in Mexiko aufräumen und sich auf seinem Hof eine Verteidigungsschlacht mit den anrückenden Mexikanern liefern.

Ja, diese Synopsis klingt fragwürdig; und sie ist es – ausgerollt auch 100 Minuten – auch. Das Bild Mexikos, das das Drehbuch von Stallone und Matthew Cirulnick zeichnet könnte so auch in einer Rede von Trump Platz finden. Schon bevor Gabrielle loszieht, warnt John sie vor den Gefahren, die sich dann auch prompt bestätigen. Sobald das Mädchen die Grenze überquert, sieht die ganze Welt aus, wie einem Gangsterrap-Video entsprungen: Neonlicht, zwielichtige Gesellen allerorten und an jeder Straßenecke stehen Typen mit Knarren. Dazu sind alle Menschen, die dort leben, böse: Gabrielles Freundin Gizelle verhökert ihre Freundin ans Kartell, ihre Vater Manuel tritt ihre Gefühle mit Füßen und die Gebrüder Martinez quälen und misshandeln mit Vorliebe junge Mädchen. Die kurze Sequenz, in der Grunberg den US-amerikanisch-mexikanischen Grenzzaun zeigt, lässt einen unwillkürlich an Kinobesucher denken, die – von den Filmbildern bestärkt – einen Ausbau desselben fordern. Dass dann am Ende auch noch schwerbewaffnete Mexikaner in die USA eindringen, um dort Rache zu üben, macht die unangenehme Gänsehaut perfekt.

Immerhin steht diesen Stereotypen ein ebenso stereotypes Arschloch gegenüber. Sly schreibt sich selber eine Rolle, die jegliches Gewissen vermissen lässt – und setzt so die Konzeption von 2008 fort. Scheinbar reichen ihm 20 Minuten friedfertiger Vaterliebe, um danach jedwede Rache zu legitimieren. Ein unbelegter Hinweis reicht ihm dann aus, um Victor das Schlüsselbein aus dem Körper zu brechen. Auch das Hammer-unterstützte Einschlagen von Freier-Schädeln wird nicht hinterfragt. Natürlich sind das miese Typen, die da Mädels missbrauchen, aber die Selbstverständlichkeit, mit der Rambo ihnen Schädel und Genitalien zerschlagen darf, schockiert trotzdem. Aber zu diesem Zeitpunkt weiß man als Betrachter ja schon, dass alle Mexikaner böse sind, also passt das schon. Im Finale überschreitet die Gewalt dann die Grenze ins Groteske und erinnert eher an einen Splatterfilm als an einen Sly-Actioner. Das ist deutlich angenehmer als das Gemetzel am Ende von JOHN RAMBO, wo es keine derartige ironische Überhöhung gab.

Und nun zum Guten: Trotz der Einseitigkeit, ja des latenten Rassismus, kann RAMBO: LAST BLOOD unterhalten. Das Skript ist so einfach, die Inszenierung so gradlinig, dass die Spielzeit wie im Flug vergeht. Rambo geht einfach auf die Feinde zu und besiegt sie oder wird (kurzzeitig) besiegt. Etwas Anderes gibt es nicht. In diesem Lichte wirkt es umso komplizierter und unnötiger, dass John zur Ermordung Victor noch mal nach Mexiko reist, um sich dann schnell wieder in seine vorbereiteten Tunnel zurückzuziehen. Diese sind eine skurrile Metapher auf seine Vietnam-Zeit und seinen durch die Serie hinweg gepflegten Guerilla-Charakter. Und den hauchdünnen Serienzusammenhang beschwört Grunberg am Ende auch noch mit einer während der Credits ablaufenden Montage aller fünf RAMBO-Teile. Klingt nach Ende, auch wenn es bereits Verlautbarungen gibt, die bei Erfolg einen sechs Teil in Aussicht stellen – wenn es wieder so ein günstiger (es wurden 50 Millionen US-Dollar in Spanien und Bulgarien ausgegeben) und gradliniger Nobrainer wird, dann kann ich damit leben; trotz der dümmlichen Untertöne.

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