CONAN – DER BARBAR

Conan – Der Barbar
Conan the Barbarian | USA | 1982 | IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der finstere Schlangenbeschwörer Thulsa Doom (James Earl Jones) bringt Angst und Schrecken über das Land Hyborien. Ein Opfer seiner Raubzüge ist ein kleines Dorf, in dem die letzten Cimmerier leben. Alle bis auf einen kleinen Jungen namens Conan werden alle Bewohner abgeschlachtet. Dieser begibt sich Jahrzehnte später – inzwischen zu einem stattlichen Hünen (Arnold Schwarzenegger) gereift – daran, Rache zu nehmen. Denn neben seiner Familie und seinem Volk hat Thulsa Doom nun auch noch seine Geliebte Valeria (Sandahl Bergman) auf dem Gewissen.

1932 wurde in dem amerikanischen Pulp-Magazin Weird Tales eine Geschichte namens The Phoenix on the Sword abgedruckt. Ein Charakter in dieser Geschichte war ein hünenhafter Barbar namens Conan. Der Autor der Geschichte war Robert E. Howard. Dieser setzte die Geschichte dann 1955 mit den Romanen Tales of Conan und 1967 mit Conan fort. Ab den frühen 70’er Jahren begaben sich dann mehr als ein Dutzend anderer Autoren daran, zusammen mit Howard über 50 verschiedene Romane und unzählige Comics zu veröffentlichen. So mauserte sich Conan dann auch recht schnell zu dem Fantasy-Barbaren schlechthin.
Dies blieb natürlich auch der Filmwelt nicht verborgen, so dass irgendwann in der Mitte der 70’er Jahre ein gewisser Oliver Stone daran ging, ein Script über den Stoff zu schreiben. Stone war zu jener Zeit noch weitestgehend unbekannt, was es umso verwunderlicher machte, dass er das Conan-Drehbuch als wahren Epochalfilm anlegte. Er veranschlagte ein Budget, dass meilenweit über dem lag, was zu jener Zeit üblich war und schuf ein Konzept für nicht weniger als zwölf Filme. Diese sollten den Weg Conans vom Kind bis zum König in allerlei kleinen Schritten zeigen. Unzählige (und vor allem riesige) Schlachten waren darin ebenso geplant wie allerlei Nebenplots. Doch sowohl Kosten als auch Umfang schreckten alle interessierten Studios und Produzenten ab und so wurde das Projekt vorerst auf Eis gelegt.
Doch dann fiel eben dieses Drehbuch dem italienischen Produzenten Dino De Laurentiis in die Hände, der das Potential der Geschichte sofort erkannte. Zwar wurde das Projekt auf zunächst einen Film gestutzt, doch De Laurentiis schaffte es, die mehr als stolze Summe von 20 Mio. US$ zusammenzubringen. Als Regisseur konnte man John Milius gewinnen. Dieser hatte gerade erst als Drehbuchautor bei Coppolas APOCALYPSE NOW mitgearbeitet, und hatte damit das Vertrauen der Verantwortlichen gewonnen.

Auch ein Drehort war schnell gefunden. Die Produktion sollte im ehemaligen Jugoslawien stattfinden, doch kurz vor Drehbeginn wurde das Vorhaben verworfen. Der offizielle Grund ist bis heute der Mangel an Material und Ausstattung sowie eine unzureichende Infrastruktur, doch in Wirklichkeit hat wohl die sich zuspitzende politische Situation diesen Schritt nötig gemacht. Um nicht allzu sehr umdisponieren zu müssen blieb man aber gleich in Europa und begab sich nur ein paar tausend Kilometer nach Westen ins sonnige Spanien. Dort fand man ebenfalls viele unberührte karge Landschaften, in denen Milius seine Vorstellung von Hyborien umsetzten konnte. Diese unterschied sich nämlich maßgeblich von der, die Howard in seinen Roman zeichnete. Während es sich in der Literaturvorlage eher um eine Fantasywelt handelt, verortet der Film die Handlung in einer sehr realistisch anmutenden Welt. Hier wurde aus der Not eine Tugend gemacht. Das „zu geringe“ Budget ermöglichte es schlicht nicht, alle Ideen Stones‘ oder gar Howards umzusetzen. Also schuf der Production Designer William Stout eine Hyborien, das karg und menschenleer daherkommt. Das unwirsche spanische Hinterland konnte somit fast unmodifiziert genutzt werden, was die Dreharbeiten sehr erleichterte. Um im Stil zu bleiben, orientieren sich auch die diversen Bauten und Städte an dieser Idee und schaffen so eine sehr lebendig und glaubwürdige Welt. Nichts wirkt konstruiert oder unecht; das meiste wirkt nicht einmal wie eine Fantasywelt, sondern viel mehr wie eine frühe Epoche der Menschheitsgeschichte. Dieser einmalige Stil trägt dann auch maßgeblich zum sehr gelungenen Stil des Films bei, und macht ihn auch über die Grenzen des Genrefilms hinweg zu einem klassischen Abenteuerfilm. Das dabei Howards ursprüngliche Idee teils stark verfremdet wurde, ist nur legitim, wenn auch für Kenner und Fans der Vorlage unerfreulich.

Neben der starken Anpassung der Umgebung ist wohl der Charakter Thulsa Doom die zweite große Freiheit, die sich Drehbuchautor Oliver Stone nahm. Der finstere Schlagenkultist stammt nämlich ursprünglich aus einer anderen – ebenfalls von Howard erdachten – Welt, in der ein Charakter namens Kull zu Hause ist. Was für Fans der Originale wiederum ein Sakrileg darstellen dürften, stellt sich als genialer Schachzug im Sinne des Films heraus, denn Thulsa Doon, verkörpert von James Earl Jones, trägt den Film trotz seiner geringen Screentime zu einem guten Teil mit. Er verkörpert die pure Boshaftigkeit und stellt so einen würdigen Antagonisten dar. Diesem gegenüber steht natürlich der Barbar der Barbaren. Auch wenn er in Howards Romanen ein wenig gewitzter ist als in Schwarzeneggers Interpretation, schafft der Österreicher es doch, die Rolle in nur einem Film zur Ikone zu machen. Conan wird quasi sofort mit der Veröffentlichung des Films zu einer Kultfigur und Schwarzenegger über Nacht zum weltbekannten Superstar. Dass das Muskelpaket für seine Darbietung im Jahre 1983 für die Goldene Himbeere nominiert wurde, darf man getrost als Witz verstehen, das Komitee scheint dort mehr nach persönlicher Vorliebe gehandelt zu haben. Auch der Rest des Casts funktioniert mit dem Schauspiellaien Gerry Lopez als Subotai, Sandahl Bergman als Valeria und dem Charaktermimen Max von Sydow als König Osric beeindruckend gut.

Lehrer: Was ist das Schönste im Leben eines Mannes?
Typ: Die weite Steppe, ein schnelles Pferd, der Falke auf seiner Faust und der Wind in seinem Haar!
Lehrer: Falsch! Conan, sag’ du es mir!
Conan: Zu kämpfen mit dem Feind, ihn zu verfolgen und zu vernichten und sich zu erfreuen am Geschrei der Weiber!

Gleiches kann man über das Drehbuch selbst sagen, dass diese Rollen gekonnt in eine epische Abenteuergeschichte einbettet. Vor allem die teils erheblichen Zeitsprünge zu Beginn des Films (inklusive der kongenialen Mühlrad-Szene) machen dem Zuschauer die Tragweite der Ereignisse klar und prägen die Verbindung zur Hauptfigur. Dass diesem gleich zweimal das Wichtigste auf Erden von ein und demselben Bösewicht geraubt wird, einmal im Knaben- und einmal im Erwachsenenalter, macht Thulsa Doom – unabhängig von seinen übrigen Taten – zum vollendeten Bösen. Die Richtigkeit von Conans Rache steht am Ende gar nicht mehr zu Disposition, sondern stellt die einzig mögliche Gerechtigkeit dar. Glücklicherweise schafft es Stone dann trotzdem, das Ende des Script nicht in Richtung Law-and-Order-Moral kippen zu lassen, sondern ein klassisches Ende für diese epochale Fantasy-Abenteuer-Geschichte zu schaffen.

Neben Milius‘ zu jedem Zeitpunkt brillanter Inszenierung ist es dann aber vor allem die Filmmusik von Basil Poledouris, die hervorsticht. Da der Film einen absoluten Musikanteil von 91% aufweist, also im Umkehrschluss nur 9% der Spielzeit mit Dialogen gefüllt sind, stellt die musikalische Untermalung einen noch zentraleren Teil als in anderen Produktionen dar. Tatsächlich verschmelzen Optik und Akustik zu einer einzigen narrativen Einheit. Sie Stimmungen der einzelnen Situation finden sich so deutlich in der Musik wieder, wie in fast keinem anderen Film. Fast scheinen die Charaktere durch die Klänge zu sprechen, Unheil wie Glück werden durch die akustischen Eindrücke meist deutlich, bevor sie tatsächlich geschehen. Wenn man über die Nominierung Schwarzeneggers für die Goldene Himbeere schon nur schmunzeln kann, dann darf man bei der ausgebliebenen Nominierung Poledouris‘ für einen Oscar laut auflachen. Die Missachtung einer derartigen Meisterleistung, ist schlicht nicht erklären.

Akiro: Warum weinst du?
Subotai: Es ist Conan. Er weint nicht. Er kann nicht weinen. Darum weine ich für ihn.

Immerhin erkannte das Publikum die Qualitäten des Films und strömte ins Kino, so dass sich der Film mit einem Einspielergebnis von rund 70 Mio. US$ auch zu einem finanziellen Erfolg entwickelte. Das führte dann natürlich dazu, dass zwei Jahre später die Fortsetzung CONAN – DER ZERSTÖRER veröffentlicht wurde, die dem Erstling zwar in keiner Weise das Wasser reichen kann, aber dennoch zu den besseren Filmen des Genres zählt. Denn das Gros der übrigen Barbarenfilme entsprang europäischen Exploitation-Produktionen, die in den Folgejahren auf Conans Erfolgswelle mitzureiten versuchten. Ein nur allzu bekanntes Phänomen, das dann Filme unterschiedlichster Güte hervorbrachte. Doch das tut diesem großartigen Streifen keinen Abbruch, der bis heute der Barbarenfilm schlechthin ist. Nie wieder erreichte irgendwer oder irgendetwas das, das nur das deutsche Kinoplakat würdig in Worte fassen kann: „Ein Film wie ein Erdbeben – Ein Mann wie ein Vulkan“!

Die Begründung und der Höhepunkt des Barbarenfilms. Nie wieder konnte erreicht werden, was dieser Streifen vermag: Einfach alles greift perfekt ineinander und macht diesem Film zu einem wahren Meisterwerk.

26 Antworten zu “CONAN – DER BARBAR

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