EIN MANN WIRD ZUM KILLER

Ein Mann wird zum Killer
Death Force | Philippinen/USA | 1978
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Das philippinische Exploitation-Kino: Begründet von Gerry de Leon mit Werken wie BLOOD CREATURE (1959) und DER HÖLLE AUSGELIEFERT (1964), dann unter Beteiligung von Eddie Romero mittels BRIDES OF BLOOD (1968), MAD DOCTOR OF BLOOD ISLAND (1968) und DRAKAPA, DAS MONSTER MIT DER KRALLENHAND (1971) weitergeführt. Roger Corman mischte ab Anfang der 70er Jahre mit und produzierte Klopper wie THE BIG DOLL HOUSE (1971) oder THE BIG BIRD CAGE (1971) und im Anschluss etablierte sich auch Cirio H. Santiago mit SAVAGE! (1973) und TNT JACKSON (1974). Selbiger sollte 1978 mit EIN MANN WIRD ZUM KILLER nach einem Drehbuch von Howard R. Cohen, der später noch die Bücher zu DER TODESJÄGER (1983) und BARBARIAN QUEEN (1985) schreiben sollte, dann einen klassischen Rache-Actioner runterkurbeln, der auch heute noch – ziemlich unerwartet – einiges an Kurzweil bietet.

Denn eigentlich ist die Storyline rund um den von seinen Kumpanen betrogenen und dem Tode überlassenen Doug Russell (James Iglehart) wahrlich nichts Besonderes. Sie folgt der typischen Rache-Dramaturgie und kredenzt somit eine ellenlange Trainingssequenz, in der Doug die nötigen Skills erwirbt, um dann über die selbstverständlich grundbösen Schurken hereinzubrechen. Es folgt eiskalte Rache, die durch die Einbindung von Dougs Frau Maria (Jayne Kennedy) zusätzlich legitimiert wird. Aber auch so haben sich die beiden Antagonisten Morelli (Carmen Argenziano) und McGee (Leon Isaac Kennedy) mit ihren zahllosen Brutalitäten im Milieu von L.A. um Strafe beworben. Leon Isaac Kennedy ist übrigens der Gatte von Jayne Kennedy und Hauptdarsteller in den Jamaa Fanaka-Streifen PENITENTIARY – HÖLLE HINTER GITTERN (1979), BLUTIGE LORBEEREN (1982) und KNAST FIGHTER (1987). Abwechslung entsteht durch die Idee, Dougs Training auf eine Südseeinsel und in die Hände japanischer Kriegsveteranen, die vom Kriegsende nicht mitbekommen haben, zu (ver-)legen – Onoda Hirō, DER SECHS-MILLIONEN-DOLLAR-MANN und ARCHER lassen grüßen.

Dieses Insel-Setting ist dann Teil von Santiagos inszenatorischem Kniff. Er schneidet die Szenen, in denen Doug Schwerttechniken und Lebensweisheiten seiner japanischen Retter erlernt, einfach brutal gegen den Aufstieg von Morelli und McGee in Los Angeles. Teilweise dauern die jeweiligen Szenen nur wenige Sekunden, ständig wirft der Film einen hin und her. Was anderen Streifen jeglichen Rhythmus rauben würde, entwickelt hier ein seltsames Eigenleben; es entsteht mehr Abwechslung als es aufgrund der zwei begrenzten Räume eigentlich geben dürfte. Das nennt sich dann wohl Synergie. Jedenfalls kommt so keine Langeweile auf und wenn Dougs Flieger endlich am LAX landet, sind tatsächlich schon 65 Minuten rum. Unglaublich.

Danach kann Santiago auf derlei Tricks verzichten, denn in Los Angeles wird mittels Katana aufgeräumt. Doug schnappt sie sich alle, die Bösen rennen meist nur weg. Einzig unterbrochen wird das recht blutige Massaker von einer Reunion-Liebesmontage, bei der Kinder und Frisbees umherfliegen. Das Finale ist erstaunlich unspektakulär und wirft die Frage auf, wie die bösen Buben die ganze Westküsten-Unterwelt überrollen konnten, wenn sie doch solche Hasenfüße sind. Ist aber auch egal, da es ein bitterböses Finish gibt und der Streifen so oder so zu den unterhaltsameren der philippinischen Exploiter-Geschichte zählt.

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