DIE TOTALE ERINNERUNG – TOTAL RECALL

Die totale Erinnerung– Total Recall
Total Recall | USA | 1990
IMDb, OFDb, Schnittberichte

1. Verhoeven schafft hier mit wenigen Pinselstrichen eine phantastische Welt. Die brutalistische Architektur der Anfangsszenen überführt einen sofort in eine nicht allzu ferne Zukunft, das Mars-Setting etabliert dann hinreichende Sci-Fi-Atmosphäre. Die Mutanten und die zwielichtigen Bezirke der Marsstation (inklusive der in die Popkultur eingegangenen Prostituierten) sind so detailliert ausgearbeitet, dass man den Film alle paar Sekunden unterbrechen möchte – was, wie oben geschildert, natürlich nicht passiert. Bis hin zum Finale wird diese Welt ständig einfallsreich ausgebaut und weiterverwendet. Ein Hochgenuss.

2. Der Film ist ein tricktechnisches Wunderwerk. Zum Ende jener Ära entstanden, in der Spezialeffekte noch eine Handwerkskunst waren, fährt der Streifen alles auf, was das Herz von FX-Freunden höherschlagen lässt. Wundervolle Miniaturbauten, epische Matte Paintings und zahllose liebevolle Kulissen. Dazu gibt es eine Menge an extrem aufwendigen und gelungenen Animatronics zu sehen; der Kopf der Zwei-Wochen-Frau und die Entfernung der Sonde sind auch heute noch absolute Kracher. Und natürlich gibt es in einem Verhoeven-Film auch überbordende Gewalt zu sehen. Häufig ins Absurde überzogen.

3. Verhoeven hält seine Unbestimmtheit, was denn nun Wirklichkeit und was Rekall-Erinnerung ist, konsequent durch. Der Clou: Die Zuschauenden wissen immer etwas mehr als Quaid/Hauser, aber das bringt ihnen nichts. Denn jede neue Information passt gleichermaßen zu den beiden großen Erklärungsansätzen. Solchermaßen gestrickt fällt es dem Film dann auch doppelt leicht, etwaige Logiklöcher bedeutungslos zu machen – entweder sind sie der allgemeinen Unklarheit zuzuschreiben oder sie einfach in der hohen Schlagzahl unter.

4. Auch bei der x-ten Sichtung ist DIE TOTALE ERINNERUNG – TOTAL RECALL einer der wenigen Filme, die mich weder ein neues Bier holen, noch die Toilette aufsuchen lassen. Ich gucke nicht auf’s Handy und gleite nicht ab. Der Film fängt mich ein und rast an mir vorbei. Einfach so. Immer wieder. Ich denke, dass liegt an der quasi perfekten Mischung aus rasanter Action und den Unterbrechungen derselben. Letztere werden nämlich von Paul Verhoeven und seinen Autoren (darunter Legende Dan O’Bannon und Gary Goldman, der an Carpenters Knaller BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA (1986) mitwirkte beteiligt war) dazu genutzt, innerhalb weniger Dialogzeilen die nächste Stufe der Verwirrung aufzubauen. Kaum hat Arnie die Knarre weggesteckt, erscheint ein doppelter Boden, nach dessen Enttarnung wieder geballert wird. Dieser Rhythmus ist wahnsinnig mitreißend – immer wieder.

7 Antworten zu “DIE TOTALE ERINNERUNG – TOTAL RECALL

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