
Manta Manta – Zwoter Teil
Manta Manta – Zwoter Teil | Deutschland | 2023
IMDb, OFDb, Schnittberichte
Wolfgang Bülds MANTA MANTA (1991) traf zusammen mit Peter Timms MANTA – DER FILM (1991) seinerzeit einen Nerv; Zeit- und Lokalkolorit wurde in beiden Filmen mit sympathischen Figuren und viel Herz zu unterhaltsamen Klassikern verquirlt. Dass man dann Jahre später von diesem Potenzial zehren möchte, ist nachvollziehbar, aber was Til Schweiger auf dem Regiestuhl zum MANTA MANTA – ZWOTER TEIL (2023) tut, ist mitnichten das Erinnern an jene großen Filme, sondern ein unfassbar hohles Anbiedern an moderne Sehgewohnheiten.
Das wird vor allem an den Figuren selbst deutlich. Sie pendeln – jene nach Szene und Situation – zwischen alle möglichen Eigenschaften. So ist der stets omnipräsente Schweiger mal der die neue Welt nicht verstehende Bommer (wenn er Influencer als Influenza bezeichnet, ein Klapphandy benutzt, ihn der Wechsel des Geschlechts zum Lachen bringt oder er „Autos sind Freiheit“ raunt), mal der moderne Vater mit Verständnis, Rücksicht und viel Gefühl. Zwischendurch ist er auch noch der Raufbold, der Zyniker, der Draufgänger oder der Spaßvogel. Das ist aber keine Vielschichtigkeit, Regisseur und (einer von sieben) Drehbuchautor(en) Schweiger formt die Figuren einfach so, wie sie die jeweilige Szene benötigt. So ist Sohnemann Daniel (Tim Oliver Schultz) innerhalb von wenigen Minuten abgestoßen, erstaunt, beeindruckt und verwirrt von Papa Bertie (Til Schweiger) – ach und zwischendurch hat er ihn noch verstoßen. Der Einzige, der konsistent bleibt, dabei aber konsequent verachtet wird ist Klausi, erneut gegeben von Michael Kessler. War der 1991 noch der schusselige, aber liebenswerte Chaot, trifft ihn heute nur noch der triefende Hohn seiner Freunde. Und sollte das liebevoll gemeint sein, möchte man nicht mit Schweiger befreundet sein.
Aber die Anbiederung an moderne Sehgewohnheiten geht über diese Figurenzeichnung hinaus. Der Film verzichtet fast gänzlich auf einen übergreifenden Spannungsbogen, sondern hangelt sich von Szene zu Szene und versucht, diese jeweils für sich funktionieren zu lassen. Das sorgt aber vor allem für zügig aufkommende Langeweile, da zwischen den einzelnen Kalauern kein Zusammenhang besteht. Und da man diese „Short-Video“-Inszenierung immer noch mit einem Spielfilm verwechseln könnte, greift Schweiger noch tiefer in die Social-Media-Trickkiste und zieht eine Technik namens Slow-Motion heraus: Also gibt es ellenlange Slow-Motion-Sequenzen, die unbeschreiblich grotesk sind. Exemplarisch sei jenes Treffen in der Garage genannt, bei dem drei Minuten lang geschraubt, gelacht, gewunken, gestaunt und gewasweißicht wird – alles in Zeitlupe. Der blanke Wahnsinn. Dass diese Technik im Finale auch noch zur Werbeplatzierung genutzt wird, schließt den Kreis hin zur Social-Media-Ästhetik vollends.
Beiseitelassen möchte ich Beschwerden über den Inhalt und den Humor. Ja, die Storyline ist so flach wie ein ordentlicher Opel Manta B GT/E 400 (und obendrein zu guten Teilen ein Aufguss von 1991) und der Humor ist teils unfassbar kindisch (Schmirgelpapier?!), aber Filme können auch mit dünner Geschichte und flachen Witzen gelingen. Aber was bitteschön hat sämtliche Beteiligte geritten, in einem Film, der diesen Titel trägt, den Manta erst 20 Minuten vor Ende einrollen zu lassen? Und warum hat man einfach darauf verzichtet, den Film wieder an den Ruhrpott zu binden (ein HA-Kennzeichen reicht da nicht)? Wenn es irgendeines Beleges bedürfte, dass MANTA MANTA – ZWOTER TEIL nichts mit Wolfgang Bülds MANTA MANTA zu tun hat, dann wäre der schon mit diesen beiden Tatsachen erbracht.








