PLANET DER AFFEN

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Planet der Affen
Planet of the Apes | USA | 1968 | IMDb, OFDb, Schnittbericht

Drei Astronauten landen im Jahre 3978 auf einem unbekannten Planeten. Sie haben die Erde im Jahre 1972 verlassen, doch da die Zeit im Raumschiff nur sehr langsam vergeht, sind die Raumfahrer kaum gealtert. Unendlich weit von der Erde entfernt, und 2000 Jahre nach ihrer Zeit, machen sich die Drei daran, unter Leitung von Kapitän George Taylor (Charlton Heston), den fremden Planeten zu erkunden.

Die späten 60’er Jahre waren für die USA keine einfache Zeit. Der Vietnamkrieg tobte, und sorgte für immense Unruhen im eigenen Land, der kalte Krieg bedrohte ohnehin alles und jeden und als ob das nicht schon genug wäre, wurden auch noch John F. Kennedy und Martin Luther King erschossen. Das alles sorgte dafür, dass man auch in der US-amerikanischen Unterhaltungsindustrie mit großer Vorsicht an gewisse Themen heranging. So stand der Drehbuchautor Michael Wilson aufgrund politischer Überzeugungen schon länger auf der Entertainment Industry Blacklist, was bedeutete, dass seine Drehbücher nicht veröffentlicht werden durften. So kam es dann auch, dass sein bis dato berühmtestes Buch zum Film DIE BRÜCKE AM KWAI zwar verfilmt wurde, er aber im Abspann keine Erwähnung fand. Und wie gehen Autoren (nicht nur in Sachen Film) mit solchen Zensuren um? Richtig, sie verlegen ihre Arbeiten in fantastische Gefilde. Also tat Wilson sich mit Rod Serling zusammen und die Beiden verarbeiten das Buch La Planète des singes des Franzosen Pierre Boulle (der auch schon Le pont de la rivière Kwai geschrieben hatte) zu einem Drehbuch, dass eine unglaubliche Vielzahl an gesellschaftlichen Thema in einer auf den ersten Blick albernen Welt zusammenführte.
Als Regisseur wurde Franklin J. Schaffner gewonnen und die Hauptrolle übernahm Charlton Heston. Diese Wahl ist dabei kein Zufall, machte sich Heston doch in den 60’er Jahren mehrfach für die Gleichberechtigung in den USA stark. Somit war schon zu Produktionsbeginn klar, dass dieser Film vor Gesellschaftskritik nur so strotzen würde. Doch wie kongenial das alles zusammengefügt werden würde, konnte da noch keiner erahnen.

Den meisten Kinobesuchern wird wohl die Spucke weggeblieben sein, als sie das erste Mal die Affen zu Gesicht bekamen. Der bis dahin ernste, nachdenkliche Film stürzt an dieser Stelle komplett um. Insbesondere die Szene mit den sich photographierenden Affen wirkt fast wie eine Komödie. Das das nicht einfach werden würde, war auch den Produzenten klar, und so ließen sie erst einmal Test-Szenen drehen, um sich zu stellen, dass die Affenmasken nicht unfreiwillig komisch wirkten. Doch die Masken wirkten derart überzeugend und konnten die Mimik der Darsteller so gut wiedergeben, dass man sie bedenkenlos einsetzen konnte. Nicht von ungefähr erhielt der Maskenbildner John Chambers für seine Arbeit einen Ehren-Oscar (die Kategorie Bestes Make-up war noch nicht eingeführt).
Wenn man sich also mit dem Auftreten der Affen arrangiert hat, dann prasseln die verschiedenen Formen der Gesellschaftskritik nur so auf einen ein. Von Evolutionstheorie und Rassentrennung, über Kastenwesen und Tierversuche bis hin zu Theokratie und schlichten Rassismus findet sich hier fast alles, was die damalige (wie die heutige) Welt bewegte. Es fällt schon fast schwer, alle Nuancen zu beachten und doch führt der Film dem Zuschauer damit auf seine ureigene Weise in jeder Szene etwas anderes vor Augen. Es wird wohl schwer sein, einen Film zu finden, der so leichtfüßig und unbekümmert eine solche Vielzahl an Fragen und Gedanken aufwirft.
Das alles passt unheimlich gut in die schlichte, ja fast steinzeitliche Welt der Affen, da diese Umgebung das schlichte Gemüt und die Leichtgläubigkeit plausibel erscheinen lässt. Leider geht an dieser Stelle jedoch ein sehr interessanter Aspekt der Vorlage von Boulle verloren. Dieser erdachte nämlich eine Affengesellschaft, die in einer modernen, beinahe futuristischen Welt lebt. Doch leider musste aus Budgetgründen – der Film wurde mit gerade einmal 5,8 Mio. US$ realisiert – hier sowohl inhaltlich als auch optisch umdesponiert werden. Das hat dem Film jedoch keineswegs geschadet, da auch das neue Setting sehr liebevoll und gekonnt umgesetzt wurde. Die kleine steinzeitliche Welt der Affen wirkt die ganze Zeit über stimmig und funktional, und bleibt dabei trotzdem fremd und mystisch. In Anbetracht der geringen Mittel wurde hier sowohl ideell (mit dem Schritt das Setting zu wechseln) als auch handwerklich großartige Arbeit geleistet.

Der Rest des Films ist Geschichte und bringt dann noch eines der wohl bahnbrechendsten Enden der Kinogeschichte mit sich. Ein Twist, wie nur wenige Filme ihn vorzuweisen vermögen; auch wenn die Wendung an gewissen Stellen zu erahnen ist. Der vor der Freiheitsstatue kniende Charlton Heston ging als Bild in die Popkultur ein und wurde bis heute hundertfach quer durch alle Medien- und Kunstformen zitiert. Und auch auf einer anderen Ebene der Popkultur nimmt der PLANET DER AFFEN eine Vorreiterrolle ein. Schon zehn Jahre vor KRIEG DER STERNE wurde um diesen Film nämlich eine riesige Merchandise-Welle gestartet; ein Phänomen, das danach üblich wurde. Doch erst mit Dr./Prof. Zaius, Taylor und Co. wurde es für die Kids der damaligen Zeit normal, mit den Heldenfiguren ihrer Lieblingsfilme zu spielen und lauter anderen Krempel rund um die damaligen Blockbuster zu kaufen. Das der Film dann eine Reihe Sequels, ein Remake, ein Prequel, eine Serie, Comics und noch vieles Anderes nach sich zog ist nur logisch und auch verdient. Denn der PLANET DER AFFEN ist (auch heute noch) ein Stück Sci-Fi-Fantasy wie er im Buche steht, und wird auch in den nächsten 45 Jahren nichts an Charme und Wichtigkeit verlieren.

Schlicht und einfach ein Meisterwerk in Sachen Science-Fiction und Fantasy.

5 Antworten zu “PLANET DER AFFEN

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