IRON SKY – WIR KOMMEN IN FRIEDEN!

Iron Sky – Wir kommen in Frieden
Iron Sky | Australien/Deutschland/Finnland | 2012
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Hype war seinerzeit groß. Schon Jahre vor der Veröffentlichung von IRON SKY – WIR KOMMEN IN FRIEDEN! veröffentlichte das Team um den finnischen Regisseur Timo Vuorensola Infoschnipsel, die die weltweite Fangemeinde in Euphorie versetzten. Zu jener Zeit war der Begriff „Thrashfilm“ (leider) in aller Munde und dieses Projekt schickte sich an, mit großen Mitteln (rund 7,5 Millionen US-Dollar standen zur Verfügung) und großen Plänen den Thron dieses „Genres“ zu erobern. Die hohen Erwartungen wurden bekanntlich nicht erfüllt – und trotzdem eröffnet IRON SKY uns heute einige interessante Einblicke, wie gedankenlos-naiv die (politische) Welt doch vor knapp einem Jahrzehnt noch gewesen ist.

Zunächst zur Enttäuschung: Der Film bietet liebevolle, aber letztlich ziellose Unterhaltung an der Grenze zwischen Amateurfilm und Direct-to-DVD-Heuler. Die ohne Frage vorhandenen Produktionswerte werden teilweise in öden Raumschlachten verpulvert, dann aber auch wieder in die sehr liebevolle Darstellung der nationalsozialistischen Mondbasis investiert. Dort gibt es einiges an originellen Ideen zu entdecken und die Stimmung in dieser an den Steampunk angelehnten Was-wäre-wenn-Welt weiß einen durchaus einzufangen. Schwierig wird es, wenn der platte Humor die Düsternis brechen und erst recht wenn die wahnwitzig langweilige Handlung das Ganze zusammenhalten soll. Da hilft es auch nicht, dass mit Götz Otto und Udo Kier berühmte Darsteller und mit Julia Dietze und Christopher Kirby engagierte Zweitreiher um die Wette overacten. Vor allem der einkalkulierte Tabubruch bleibt fast vollständig aus, die Mondnazis sind entweder nicht fies genug oder zu dämlich. Beides hilft jedenfalls nicht dabei, sinistere Bösewichte zu skizzieren.

Warum aber lohnt es sich trotzdem, einen Blick auf diesen Film zu werfen? Es sei dazu der Monolog herangezogen, den Renate bei der Ankunft auf der Erde hält. Minutenlang schwadroniert sie da vom glücklichen (Erden-)Volk, das durch ihre Ideologie endlich wieder zum natürlichen, glücklichen und vorbestimmten Leben zurückfinden würde. Sie ist überzeugt, dass eine Gemeinschaft und ein Gedanke den Schlüssel zum großen Glück darstellen. Mit zehn Jahren Abstand ist diese selbstverständlich grotesk-parodisch gemeinte Szene jedoch eine, die einem Schauer über den Rücken zu jagen vermag; gibt es doch heute Parteien, die genau mit diesen Sprüchen Politik betreiben. Was vor einer Dekade noch übertriebenes Geplapper von Mondnazis war, ist jetzt plötzlich ein erschreckend ernstgemeintes politisches Angebot. Gleiches gilt für die Präsidentin und ihre Wahlkampfleiterin Vivian Wagner. Ungehaltenheit, Populismus, Intrigen und Selbstverliebtheit? Jedes noch so skurrile Werbeformat für den eigenen Wahlkampf nutzen? Nur fünf Jahre später sollten das Präsidentenamt der USA und das des Wahlkampfleiters tatsächlich von derlei Attributen geprägt werden. Was vor fünf bis zehn Jahren noch bloße Überzeichnung schien, ist heute Realität – und diesen Gedanken wiederum zehn Jahre weiterzudenken, ist sicherlich der sowohl spannendste als auch gruseligste Ansatz, den IRON SKY – WIR KOMMEN IN FRIEDEN! zu bieten hat.

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