STAR WARS: EPISODE I – DIE DUNKLE BEDROHUNG

Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung
Star Wars: Episode I – The Phantom Menace | USA | 1999
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Die Jedi-Ritter Qui-Gon Jinn (Liam Neeson) und Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) werden vom Senat der Republik entsandt, um die Blockade des abgelegenen Planten Naboo durch die Handelsföderation zu klären. Aufgrund einer übereilten Flucht, schließt sich den beiden Königin Amidala (Natalie Portman), die Herrscherin der Naboo, an und die Truppe muss auf dem Planten Tatooine zwischenlanden, wo sie auf den jungen Anakin Skywalker (Jake Lloyd) treffen, der alle nötigen Anlagen zu einem großen Jedi zeigt.

Nachdem DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER (1983) die erste STAR WARS-Trilogie beschlossen hatte, wurde es zunächst ruhig um die Franchise. Die beiden TV-Spin-offs DIE EWOKS – KARAWANE DER TAPFEREN (1984) und KAMPF UM ENDOR (1985) versorgten Fans mit reichlich kindgerechten Alternativen, aber eine wirkliche Fortsetzung war vorerst nicht in Sicht, da George Lucas sich anderen Projekten zu widmen gedachte. Aus diesem Grund wurde die eigentlich sehr viel umfangreicher angelegte Geschichte des Kampfs von Luke Skywalker gegen den Imperator auch in DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER äußerst zügig zu Ende gebracht und somit war die Geschichte grundsätzlich zu Ende erzählt. Der einzige Weg, den man jetzt noch gehen konnte, war also der in Richtung Vorgeschichte. Und auch hier hatte Lucas bereits seit geraumer Zeit Pläne in der Schublade, die den Aufstieg des Darth Vader genau unter die Lupe nehmen sollten.
Ab 1995 sah Lucas dann – auch technisch – die Zeit gekommen, sein Werk fortzusetzen. In den nächsten zwei Jahren schrieb er ein Drehbuch, an dem er, wie schon 1977 bei KRIEG DER STERNE, gänzlich allein arbeitete. Über verschiedene Entwicklungsphasen hinweg schuf er so ein Skript, welches von Anfang an in einen größeren Kontext eingebettet war, war doch von vorneherein klar, dass in den nächsten Jahren zwei weitere Filme erscheinen würden. Das sorgte dafür, dass die Handlung deutlich komplexer und reicher an Figuren ist, als in den Filmen der alten Trilogie. Es müssen nicht nur zahlreiche neue Figuren etabliert werden, sondern auch bereits bekannte Charaktere in die Szenerie eingebunden werden. Diese Komplexität sorgt dafür, dass unbedarfte Zuschauer schnell mal den Überblick verlieren können, während es für STAR WARS-erfahrene Betrachter angenehm viele Verbindungen und Parallelen zu entdecken gibt.

Darth Maul: Endlich werden wir uns den Jedi offenbaren. Endlich wird die Rache unser sein.

Entgegen aller Erwartung schwang sich Lucas dann nach einer Regieabstinenz von 22 Jahren, sein letztes Werk war KRIEG DER STERNE, wieder selber auf den Stuhl der Stühle. Das hängt vor allem damit zusammen, dass er erkannte, dass er schon bei den Produktionen DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK (1980) und DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER (1983) die ganze Zeit am Set war und alles mitgestalten wollte. Da erscheint es nur folgerichtig, selbst die Regie zu übernehmen, zumal auch überliefert ist, dass Lucas sich vor allem mit der sehr eigenständigen (und genau deshalb sehr grandiosen) Arbeitsweise von Irvin Kershner bei DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK nicht immer zufrieden zeigte. Als Produzent blieb, neben Lucas selbst, mit Rick McCallum immerhin ein alter Bekannter erhalten, war dieser doch bei allen bisherigen STAR WARS-Spielfilmen beteiligt gewesen.

Da die Handlung des Films 32 Jahre vor den Geschehnissen der ersten Trilogie angesiedelt ist, sollte die Besetzung zu einer der größten Aufgaben werden. Mit Liam Neeson, der 1993 in Steven Spielbergs SCHINDLERS LISTE brillierte und seitdem auf Lucas‘ Liste stand, fand sich dann ein toller Darsteller, der den weisen Jedi-Ritter Qui-Gon Jinn trefflich auf die Leinwand bringt. Sowohl Aussehen als auch Haltung entsprechen dabei weitestgehend dem Stereotyp eines Jedi und so wird Neesons Leistung zu einer der stilbildensten gleich nach Alec Guinness‘ Obi-Wan Kenobi von 1977. Dessen jüngere Version wird nun von Ewan McGregor dargestellt, der seit Danny Boyles Knaller TRAINSPOTTING – NEUE HELDEN (1996) ebenfalls einiges an Renommee genoss. Und auch mit Natalie Portman, die 1994 als Mathilda in LÉON – DER PROFI ihren Durchbruch feierte, als Amidala gibt es schauspielerische Qualität zu sehen. Mit Ian McDiarmid als Senator Palpatine darf wenigstes ein Darsteller der alten Trilogie erneut sein Gesicht zeigen, während Kenny Baker und Anthony Daniels, die wiederum die Droiden R2D2 und C-3PO zum Leben erwecken, das nachvollziehbarerweise nicht vergönnt ist.

Qui-Gon Jinn: Vorwiegend gibt es hier Feuchtfarmen. Ein paar eingeborene Stämme und Aasgeier. Die wenigen Raumhäfen wie dieser sind Zufluchtsstätten für diejenigen, die nicht gefunden werden wollen.
Padmé: Wie wir…

Die augenscheinlichste Neubesetzung ist aber sicherlich Lake Lloyd, der bereits 1996 in VERSPROCHEN IST VERSPROCHEN den Sohnemann von Arnold Schwarzenegger geben durfte. Lloyd, der schon 1997 im Alter von achte Jahren gecastet wurde und der bei der Premiere des Films gerade die erste Dekade seines Lebens beendet hatte, trägt dann die große Last, dass sämtliche Zuschauer sein Schicksal schon kennen, er die Figur aber trotzdem ernst und ergebnisoffen anlegen muss. Das gelingt dem jungen Mimen überwiegend gut und so ist seine Leistung bei weitem nicht so schlecht, wie manch voreingenommene Kritik es hinausposaunt.

Aber der Film bietet anderweitige Angriffsflächen, die es ihm nicht wohlgesonnenen Rezipienten leicht machen, über ihn herzuziehen. Die komplexe Grundkonstellation ist teilweise bemüßigt, den Film auszubremsen, die Wechsel der Szenerien vollziehen sich auffällig häufig und abrupt und letztlich ist ein (im Senat ausführlich besprochener) Handelsdisput als Grundlage eines weiteren epischen Sci-Fi-Abenteuers eine durchaus überdenkbare Idee. Lucas schafft es trotzdem über weite Strecken des Films, daraus ein konsistentes Erlebnis zu machen. Er greift dafür auf alte Inszenierungstechniken zurück und vermischt diese mit modernen Spezialeffekten.
Und diese sollten tatsächlich zu einer der zentralen Charaktereigenschaften des Films werden. Von Anfang an wollte Lucas mit Hilfe seiner Industrial Light & Magic sehr viel mit computergenerierten Effekten arbeiten. Zu Produktionsbeginn war es sogar geplant, den ganzen Film digital zu drehen, was nach dem damaligen Stand der Technik allerdings noch nicht möglich war (die Nachdrehs fanden dann allerdings schon gänzlich digital statt). Und so gibt es dann letztlich kaum eine Szene im Film, die nicht durch die Computer der Abteilung Spezialeffekte gewandert ist. Zum einen ist es so möglich, Lucas‘ Visionen sehr genau umzusetzen, zum anderen leidet der Film so natürlich an die üblichen Krankheiten, die diese Techniken so mit sich bringen. Allem voran altern derlei Effekte meist nicht sehr gut, sodass schon nach wenigen Jahren eine deutliche Überholtheit der CGI-Effekte zu erkennen ist. In Anbetracht der zeitlosen Optik der ersten Trilogie sicherlich ein erhebliches Manko.

Qui-Gon Jinn: Es gibt immer einen noch größeren Fisch.

Zum anderen verleitet diese Technik dazu, übermäßig von ihr Gebrauch zu machen. In diesem Falle bedeutet das vor allem die Erschaffung von digitalen Figuren. Jar Jar Binks, Boss Nass, Sebulba und Watto sind Beispiele dafür, dass der übermäßige Einsatz von CGI-Figuren auch sehr stimmungsabträglich sein kann. Die Interaktion dieser Figuren mit den menschlichen Darstellern krankt häufig an Ungenauigkeiten und auch die technische Alterung sorgt hier für deutliche Probleme. Im Gegensatz dazu wirkt Luke Skywalkers Aufeinandertreffen mit Yoda in DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK auch heute noch taufrisch. Das vor allem diese Charaktere (allen voran natürlich der von den Zuschauern so sehr gescholtene Jar Jar Binks, dass Lucas diesen entgegen anderer Planung in den folgenden beiden Episoden quasi nicht mehr auftreten ließ) dann auch noch für vermeintlich humorige Einlagen und platte Gags herhalten müssen, macht auch den Anspruch, hier vollwertige Figuren zu erschaffen, unglaubwürdig.

Nichts zu meckern gibt es indes an der musikalischen Komponente des Films, engagierte Lucas doch erneut John Williams. Dieser hatte sämtliche Vorgänger mit ihren epochemachenden Scores versehen und selbiger sorgt auch dieses Mal für tolle Töne. Die neuen Stücke funktionieren prächtig, Anakins Thema lässt einmal bereits das spätere Vader-Stück erahnen und die finalen Fanfaren sind ebenfalls dazu befähigt, den abschließenden Kampf trefflich zu unterlegen.

Nute Gunray: Sie sollten jetzt tot sein. Vernichtet das, was von Ihnen übrig ist.

Allein die große Erwartungshaltung bei Fans und Kritikern stellte dann schon sicher, dass Lucas sein aus eigener Tasche gestelltes Budget von rund 115 Millionen US-Dollar spielend wieder reinholen konnte. Mit über 900 Millionen US-Dollar an weltweiten Einnahmen stellte er auch die erneut als Verleiher fungierenden 20th Century Fox zufrieden, während bezüglich der Kritik jedoch eine herbere Brise aufzog. Die viele CGI-Technik, die teils alberne Ausrichtung und die unübersichtliche Figuren- und Handlungskonstellation (die es tatsächlich an einer klaren Hauptrolle vermissen lässt) boten genug Anlass dazu, den Film höchst durchschnittlich zu bewerten. Während die Kritikerjournalie sich dabei noch dezent zurückhielt, brach vor allem seitens der eingefleischten Fans ein Orkan der Entrüstung los. Vielfach war die Enttäuschung so groß, dass man den Auftakt der Prequel-Trilogie kaum zum Kanon des STAR WARS-Universums zählen wollte.
Dieser Auffassung muss allerdings entgegen gehalten werden, dass STAR WARS: EPISODE I – DIE DUNKLE BEDROHUNG einen Neustart darstellt, dem es auch erlaub sein muss, neue Wege zu gehen. Dass diese stellenweise etwas unglücklich ausfallen (erwähnt seien an dieser Stelle nur die unsäglichen Midi-Chlorianer), ist nicht abzustreiten, dass diese allerdings gleich derart auf die Waagschale gelegt werden, dass sie dazu dienen, den Film als Ganzes zu verteufeln, ist ebenfalls unangebracht. Der Auftakt der Prequel-Trilogie ist sicherlich kein perfekter Film und er ist auch meilenweit vom Charme und Stil der alten Trilogie entfernt, aber er bleibt doch ein schmissiges Sci-Fi-Abenteuer, das zudem einige nette Einfälle vorweisen kann und in adäquater Weise an die bekannten Motive anknüpft.

Der Auftakt der Prequel-Trilogie ist tatsächlich weit vom Stil und Charme der alten Filme entfernt, schafft es aber trotzdem, seinen Zuschauer mit auf eine unterhaltsame Science-Fiction-Reise zu nehmen. Und wenn man hinter die unschöne Fassade aus CGI-Effekten blickt und die albernen Ausreißer zu ignoriert, dann offenbart sich einem sogar deutlich mehr STAR WARS, als es auf den ersten Blick der Fall zu sein scheint.

2 Antworten zu “STAR WARS: EPISODE I – DIE DUNKLE BEDROHUNG

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