DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK

Das Imperium schlägt zurück
The Empire Strikes Back | USA | 1980
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Todesstern ist zerstört doch das Imperium ist nicht besiegt. Nachdem Luke (Mark Hamill), Han (Harrison Ford) und Leia (Carrie Fisher) von dem Rebellenstützpunkt auf Hoth fliehen mussten, werden die Freunde getrennt. Während Luke auf Dagoba bei Jedi-Meister Yoda Erleuchtung zu erlangen versucht, müssen Han und Leia bei dem zwielichtigen Lando Calrissian (Billy Dee Williams) auf Bespin um Hilfe bitten. Der finstere Darth Vader (David Prowse) ist ihnen indes ständig auf den Fersen.

Schon in den ersten Tagen nach der Veröffentlichung von KRIEG DER STERNE (1977) stellte sich heraus, dass der Film ein ungeahnter Erfolg werden würde. Er sprengte alle Rekorde und spülte ungefähr 500 Millionen US-Dollar in die Kassen von 20th Century Fox und Lucasfilm und begründete ganz nebenbei eine Marketingmaschine von bis dato unbekannter Größe. Der Grundstein des STAR WARS-Universums räumte also allenthalten ab und gleichzeitig saß der Regisseur, Autor und Produzent dieses Meilensteins, George Lucas, schon wieder am Schreibtisch und dachte über die Fortsetzung der Reihe nach. Denn schon Mitte der 70er Jahren hatte er einen derart umfangreichen Drehbuchentwurf für KRIEG DER STERNE geschaffen, dass er massive Kürzungen vornehmen musste, um das Skript umsetzbar zu machen. So endete der Film dann bekanntlich auch mit zahllosen ungeklärten Handlungsfäden: Was passiert mit Vader? Wie geht es mit Han und Jabba weiter? Wie entwickelt sich die Situation zwischen Rebellen und Imperium? Wird Luke ein Jedi-Ritter?

Leia: Ich liebe dich.
Han: Ich weiß.

Der (zumindest teilweisen) Beantwortung dieser Fragen stand dann zunächst Lucas‘ Geschäftsgebaren im Wege. Lucas wollte mit seiner Lucasfilm ständig mehrere Filme in der Produktion haben. Zu jener Zeit waren das THE PARTY IS OVER … DIE FORTSETZUNG VON AMERICAN GRAFFITI (1979) und JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES (1981). Derart belastet brauchte Lucas Unterstützung bei der Drehbucharbeit und die fand er in Person von Leigh Brackett, die zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits die 60 überschritten hatte. Als Co-Autorin der Howard Hawks-Klassiker TOTE SCHLAFEN FEST (1946) und RIO BRAVO (1959) stand ihre Expertise außer Frage und nur ein großes Unglück konnte dafür sorgen, dass Brackett ihre Arbeit am Drehbuch vorzeitig beenden musste: Im März 1978, noch während der Vorproduktion, verstarb sie an einem Krebsleiden, dass sie Lucas vorenthalten hatte. DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK ist Leigh Brackett gewidmet. Lucas arbeitete in der Folge zunächst selbst am Drehbuch weiter, doch schnell wurde deutlich, dass hier weitere Hilfe von Nöten war. Glücklicherweise hatte Lucas gerade Lawrence Kasdan für die Arbeit an JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES engagiert, nachdem dieser mit seinem frühen Entwurf zu ZWEI WIE KATZ UND MAUS (1981) auf sich aufmerksam gemacht hatte. In blindem Vertrauen übertrug Lucas Kasdan dann die Aufgabe, auch das Drehbuch für DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK fertigzustellen.

Bezüglich der Produktion wollte Lucas dieses Mal ebenfalls alles in seiner eigenen Hand halten und so kam 20th Century Fox nur noch der Job des Verleihers zu. Um trotzdem das geplante Kapital von rund 18 Millionen US-Dollar aufbringen zu können (das sich im Verlaufe der Produktion noch auf rund 33 Millionen US-Dollar steigern sollte), musste Lucas dann die gesamten eigenen Einnahmen von KRIEG DER STERNE sowie weitere Kredite und Anleihen investieren. Er begab sich somit auf ein sehr dünnes finanzielles Eis, was mit einer engeren Kooperation mit 20th Century Fox zu vermeiden gewesen wäre. Doch seine künstlerische Freiheit war ihm wichtiger.
Da er diese Freiheit aber vor allem in der Produktion und Lenkung des Projekts sah, war zunächst auch der Posten des Regisseurs vakant. Doch relativ schnell konnte diesbezüglich Abhilfe geschaffen werden, als Lucas Irvin Kershner engagierte, den er noch von der University of Southern California kannte. Kershner hatte mit Filmen wie DER TOLLE MR. FLIM-FLAM (1966) oder DER MANN, DEN SIE PFERD NANNTEN – 2. TEIL (1976) Bekanntheit errungen und war Lucas ohnehin seit Jahrzehnten ideell verbunden. Darin liegt wohl auch der Grund, warum ihm (zusammen mit den Editoren Paul Hirsch und Marcia Lucas, Georges damaliger Ehefrau, die beide schon am Erstling beteiligt waren) eine Inszenierung gelingt, die sehr eng am Stil des Vorgängers arbeitet, jedoch trotzdem eine eigenständige Handschrift aufweist. So bleibt der zügige und ständig die Schauplätze wechselnde Rhythmus von KRIEG DER STERNE erhalten, während die einzelnen Szenen durchaus an Düster- und Eindringlichkeit gewinnen. Tatsächlich wird DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK unter Kershner zum dunkelsten Teil der Reihe, was etwa zu gleichen Teilen der Regie und dem Drehbuch zuzuschreiben ist.

Yoda: Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen!

Denn auch das Skript stürzt sich nach der relativ fröhlichen Abenteuer-Atmosphäre des Vorgängers nun in nachdenklichere, ja depressivere Töne. Vor allem die Entwicklung von Luke lässt dabei nur wenig Platz für Sonnenschein. Sein Weg nach Dagoba und die äußerst konfliktbehaftete Ausbildung bei Yoda machen aus dem fröhlichen Jungspund einen düsteren Charakter. Dass er seine Ausbildung nicht beendet und stattdessen mit den Warnungen von Yoda und Obi-Wan im Gepäck zur Rettung seiner Freunde aufbricht, macht diese Ausrichtung überdeutlich und verleiht dem Film einiges an Schwermut – erzeugt jedoch gleichzeitig eine ungeahnte Tiefe und Bedeutung. Die Szenen auf Dagoba sind es, die die in KRIEG DER STERNE nur angeschnittene Welt und Haltung der Jedi-Ritter vollends ausformen und die aus Luke Skywalker jenen überlegten und in sich gekehrten Charakter machen, als der er in allen Bereichen der Popkultur bekannt werden sollte.

Aber auch auf anderen inhaltlichen Ebenen ist der Film zu großen Taten befähigt. Die Beziehung von Han und Leia erfährt eine humorvoll-feinfühlige Fortführung, während im Hintergrund das Imperium ebenfalls weitere Details offenbart; vor allem die tückische Zusammenarbeit mit dem zwielichtigen Lando Calrissian steht hier im Vordergrund. Am bedeutendsten aber ist wohl die Entwicklung von Darth Vader, der in diesem Film vom unantastbaren Bösewicht zum Charakter, ja zum Vater wird. Mit dem Auftauchen des Imperators wird deutlich, dass auch Vader nicht an der Spitze der Nahrungskette steht und mit der Vermenschlichung mittels Vaterschaft erfährt er eine ungeheure Personalisierung. Die berühmte Szene, in der Vader Luke in Kenntnis setzt, wurde übrigens mit einer Fake-Drehbuchseite gedreht, damit keiner der Darsteller vor der Premiere um dieses ungeheure Geheimnis wusste. Nur Lucas, Kershner und wenige weitere waren eingeweiht und als bei der Premiere dann die heute bekannte (und zahllos oft zitierte) Fassung gezeigt wurde, war nicht nur die Weltöffentlichkeit, sondern ebenso die Darstellerschaft erstaunt.

Leia: Ich hoffe, Sie wissen was Sie tun.
Han: Ich hoffe es auch.

Diese setzte sich naturgemäß aus zahlreichen alten Bekannten zusammen und umfasst so wiederum Mark Hamill, Harrison Ford, Carrie Fisher und David Prowse. Anthony Daniels und Kenny Baker durften wieder in die Droidenrüstungen schlüpfen und Peter Mayhew stülpte sich erneut das Zottelfell von Chewbacca über. Für die Rolle von Imperator Palpatine steckte sich Elaine Baker (Gattin des an diesem Streifen nicht beteiligten Effekt-Gurus Rick Baker) angeblich Schimpansenaugen ins Gesicht; nur um dann in der 2004 veröffentlichten DVD Special Edition durch einen hübsch geschminkten Ian McDiarmid ersetzt zu werden. Trotz intensiver Tests fand man übrigens keine Möglichkeit, Yoda per menschlichem Darsteller zum Leben zu erwecken und so fiel die Vitalisierung des kleinen Knaben in die Hände der Abteilung Tricktechnik.

Diese hatte auch dieses Mal wieder alle Hände voll zu tun und sorgte so maßgeblich mit für die oben bereits erwähnte Erhöhung der Produktionskosten. Die Dreharbeiten in Norwegen, wo man den Eisplaneten Hoth nachstellte, die Dschungelwelt von Dagoba und vor allem zahlreiche Trickeffekte für die wiederum ausufernden Raumschlachten und Planeten wie Bespin sorgten für rauchende Köpfe und zahllose durchwachte Nächte in den Hallen von Industrial Light & Magic. Wiederum schien das Projekt zwischenzeitlich unumsetz- und/oder unbezahlbar und wiederum schafften es die unbezifferten Horden an Tricktechnikern, trotzdem all die Wunderwelten und –figuren auf die Leinwand zu zaubern. DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK fällt dabei – auch dank des deutlich größeren Budgets – noch einmal um einiges beeindruckender aus als der Vorgänger und stellte bei der Veröffentlichung 1980 so das Maß aller Dinge im Science-Fiction-Genre dar.
Natürlich verpflichtete Lucas auch wieder den Komponisten John Williams und der bewies ein weiteres Mal, dass er keiner ist, der sich auf errungenen Lorbeeren auszuruhen pflegt. So schuf Williams zwei neue Themen für die Charaktere Yoda und Vader von denen vor allem letzteres zu unfassbarer Bekanntheit gelangte. Der Imperial March ist heute ein absolut zentrales Element der Reihe und hat sich einen eigenständigen Platz in der Popkultur gesichert. Aber auch das Arrangement der bereits bekannten Stücke funktioniert wieder prächtig und fällt erneut äußerst flexibel und variabel aus. Ständig werden die bekannten Melodien abgewandelt um der aktuellen Szene zu entsprechen, was den Score sehr lebendig wirken lässt.

Imperator: Der Sohn des Skywalker darf nie zu einem Jedi werden!

Selbiger dröhnte dann wieder voller Kraft durch die Boxen, als der Film im Mai 1980 seine Veröffentlichung erfuhr. Zwar konnte er den finanziellen Erfolg des Vorgängers nicht einstellen, aber er wurde (wenn auch nur für kurze Zeit) zur finanziell erfolgreichsten Fortsetzung der Filmgeschichte. Wiederum knappe 500 Millionen US-Dollar an weltweitem Einspielergebnis ließen die Kassen laut klingeln und diverse Wideraufführungen (vor allem im Rahmen der Überarbeitungen 1997, 2004 und 2011) sollten diese Summe nochmal deutlich nach oben korrigieren. Des Weiteren schlug auch DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK auf dem Merchandise-Markt ein wie eine Bombe und führte die Erfolgsgeschichte des Vorgängers so nahtlos fort.
Aber auch abseits derart monetärer Belanglosigkeiten stellt der zweite Teil der alten STAR WARS-Trilogie einen Meilenstein dar. In Fan- und Kritikerkreisen gilt er heute gemeinhin als bester Teil der Reihe, was vor allem seiner konsequenten Weiterentwicklung der bekannten Elemente und der gelungen-düsteren Stimmung zu verdanken ist. Hier wird das in KRIEG DER STERNE etablierte Universum vollends zu dem Wunderwerk, das es bis heute ist. Danke dafür!

Der zweite Teil der berühmten Trilogie führt das 1977 begonnene sinnvoll und konsequent fort und wird so zum besten Teil der Reihe. Vor allem die neue Ernsthaftigkeit des Films hebt ihn von Vorgänger und Nachfolger ab und macht ihn zu einem Science-Fiction-Erlebnis der Extraklasse. Darüber hinaus prägte der Film das popkulturelle Phänomen Star Wars wie kaum ein anderer Teil der Serie.

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