DJANGO – EIN SARG VOLL BLUT

Django – Ein Sarg voll Blut
Il Momento di uccidere | Deutschland/Italien | 1968
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Django (George Hilton) und sein Kumpel Bull (Walter Barnes) werden von Richter Warren (Rudolf Schündler) engagiert, um 500.000 US-Dollar wiederzufinden, die ein alter Konföderierter, der Großvater der gelähmten Regina (Loni von Friedl), vor den anrückenden Nordstaatlern versteckt hat. Doch auch der grausame Forrester (Carlo Alighiero) sucht mit seinem sadistischen Sohn Jason (Horst Frank) nach dem Schatz.

Giuliano Carnimeo lieferte nach einigen Jahren als Co-Regisseur und Laufbursche 1968 sein Regiedebut ab und suchte sich dazu logischerweise das in diesen Jahren mehr als nur florierende Genre des Italowestern aus. Dazu stattete ihn der Produzent Pier Ludovico Pavoni, der in den 50er und 60er Jahren vornehmlich als Kameramann tätig gewesen ist, mit dem nötigen Zaumzeug aus und die Herren Fabio Piccioni, Tito Carpi, Francesco Scardamaglia sowie Enzo G. Castallari steuerten ein Skript bei, welches eine recht stereotype Geschichte zwischen Gier und Rache zeichnet.

Django: Ich hab so das Gefühl, das hier auf dem Friedhof bald die Bodenpreise steigen werden.
Bull: Wenn du so ein Gefühl hast, dann ist das Ei ja schon gelegt.

George Hilton, der in Fulcis DJANGO – SEIN GESANGBUCH WAR DER COLT (1966) oder Lucidis EIN HALLELUJA FÜR DJANGO (1968) bereits sein Können bewiesen hatte, gibt dann den (freilich nur in der deutschen Synchronisation so genannten, im Original jedoch auf den Namen Lord hörenden) Hauptcharakter Django und leistet als solcher grundsätzlich ordentliche, wenn auch letztlich unspektakuläre Arbeit. Walter Barnes, seit Sollimas DER GEHETZTE DER SIERRA MADRE (1966) ebenfalls wüstenerprobt, darf als dümmlicher Sidekick Bull für einige Lacher (oder auch nicht) sorgen und das österreichische TV-Sternchen Loni von Friedl gibt eine ganz possierliche Regina ab (die zudem im Finale für staunende Blicke sorgt). Auf Seiten der Antagonisten darf Carlo Alighiero, der später noch in einigen bekannten Gialli zu sehen sein sollte, seinen einzigen Auftritt im Genre ableisten und Horst Frank bietet als dessen sadistischer Sohn Jason sein ganzes Können auf. Tatsächlich ist es so vor allem Frank, der mit seinem wieder einmal grandios finsteren Mienenspiel für Freude beim Zuschauer sorgt.

Gleiches gilt für Kameramann Stelvio Massi, der zwar keineswegs seine Miene einsetzt, dafür aber mittels seiner auffällig flexiblen und einfallsreichen Fotografie für Freude sorgt. Andauernd wird hinein- und hinausgezoomt, ständig fallen der Kamera schöne Winkel ein und ständig fährt sie auf Gleisen umher. Es gibt so immer was zu sehen und zusammen mit Carnimeos für ein Debut durchaus beachtlicher Inszenierung und vor allem Francesco De Masis unterhaltsamen Score, dessen Höhepunkt Ettore Lovecchios Walk by my Side darstellt, ergibt das einen formal durchaus ansprechenden Italowestern; der zudem nicht mit expliziten Brutalitäten geizt und somit auch auf dieser Ebene immer wieder Schauwerte zu generieren vermag.

Django: Scherze sind dazu da, gemacht zu werden!

Die Story hampelt hingegen eher belanglos vor sich hin und gipfelt schließlich in einem Finale, das zwischen Nonsens und Krimi umherschlingert. Bis dato verbringt der Streifen viel Zeit mit Kloppereien und vordergründiger Unterhaltung. All das wäre nun beileibe kein Grund zur Beanstandung, hätten sich die deutschen Verleiher nicht dazu entschieden, Rainer Brandt mit der Synchronisation dieses an sich düster-pessimistischen Italowestern zu beauftragen. Denn Brandt verpasst dem Streifen einen derart albernen Ausdruck, dass es eine wahre Pracht ist. Jede Atmosphäre wird im Nu durch die Blödeleien zerstört und obendrein sind zahlreiche Sprüche schon aus Konkurrenzwerken bekannt. Was anderorts (eventuell) funktioniert, sorgt in diesem Fall für einen völlig verdrehten Film, dessen Brutalitäten und Gemeinheiten zwischen dummen Sprüchen und Kalauern untergehen.
Carnimeo kann das dann egal sein, denn er konnte seine Karriere mit zahlreichen Italowestern(-Komödien) fortsetzten, doch deutschen Rezipienten wird der Filmgenuss bis heute durch die völlig unpassende Synchronisation vergällt. Neben zahlreichen durch ihre humorvolle Übersetzung durchaus aufgewerteten Streifen jener Tage ist Carnimeos Debut somit ein herausstechender Beweis dafür, dass eine Quatsch-Synchronisation wahrlich nicht immer für Heiterkeit sorgen muss.

Ein grundsätzlich ordentlicher Italowestern mit einer herausragenden Kameraarbeit erleidet durch Brandts Synchronisation Schiffbruch. Das dümmliche Gequatsche will so gar nicht zu dem düsteren Stil und den zahlreichen Brutalitäten passen und so stellt Carnimeos Regiedebut einen glasklaren Beweis dafür da, dass eine humorvolle Synchronisation die eigentliche Stimmung eines Films nur allzu torpediert.

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