MIKE MURPHY 077 GEGEN YPOTRON

Mike Murphy 077 gegen Ypotron
Agente Logan – missione Ypotron | Frankreich/Italien/Spanien | 1966
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Mike Murphy (Luis Dávila), Geheimagent im Auftrag der NASA, soll herausfinden, warum die mysteriöse europäische Raumfahrtorganisation INDRA sich des Wissenschaftlers Professor Morrow (Alfredo Mayo) bemächtigt hat. Dabei hilft ihm Jeanne (Gaia Germani), die findige Tochter desselben. Und das ist auch bitter nötig, denn in Spanien stellt sich schnell heraus, dass das Gemini-Raumfahrtprogramm der USA von den Machenschaften INDRAs in höchstem Maße bedroht wird.

1965 startete Giorgio Stegani seine Regiekarriere mit dem Italowestern ADIOS GRINGO, bevor er nach einem kurzen Ausflug in Richtung Agentenfilm per DIE LETZTE RECHNUNG ZAHLST DU SELBST (1967) und SHAMANGO (1967) wieder in den Staub zurückkehren sollte. Der Exkurs wurde ihm von der spanischen Atlántida Films und der italienischen Dorica Film ermöglicht, die zuvor mit dem von Gregg C. Tallas inszenierten AGENT 077 – HEIßES PFLASTER TANGER (1965) ein paar Groschen einheimsen konnten. Der Stimmungslage des Kalten Krieges entsprechend schrieben die Herren Remigio Del Grosso und José Luis Martínez Mollá dann ein Skript, welches sich mit Raketen- und Raumfahrttechnik beschäftigt, den Protagonisten durch ein paar Länder schickt und obendrein heillos sexistisch rumpöbelt und fertig war ein weiteres Filmchen, welches einige Krümel vom großen JAMES BOND-Kuchen würde einsammeln können.

Carol: Wenn Dummheit wehtäte, müsstest du andauernd schreien.

Die Storyline fällt dabei erwartungsgemäß übersichtlich aus. Agent Mike Murphy – im Originalton den noch wohlklingenderen Namen Lemmy Logan tragend – wird mit dem Sammeln von Informationen beauftragt, er trifft hübsche Mädels (derer drei er bereits im Vorspann abknutschen darf) und muss letztlich die Welt vor der Zerstörung retten. Diese droht durch einen verrückten Wissenschaftler herbeigeführt zu werden, der sich einige europäische Raketen unter den Nagel gerissen hat. Stegani trägt diese Geschichte recht routiniert vor, spart sich dabei allerdings auch fast gänzlich Ausreißer nach oben oder unten. Eine atmosphärische Verfolgungsjagd im Schatten einer Stierkampfarena (deren Vorkommen leider auch dafür verantwortlich ist, dass der Rezipient ein paar grauenhafte Aufnahmen der Malträtierung eines Stiers durch einen Idioten überstehen muss) wechselt sich mit ein paar netten Sets und Kulissen ab, welche mal Geheimbasis, mal Altstadt darstellen. Einige nette Gadgets und etwas retrofuturistischer Klimbim verleihen dem Film das nötige Agentenfeeling. Insgesamt hätte man von Produktionsdesigner Arrigo Equini, der immerhin Werke wie Giorgio Ferronis Gothic-Horror DIE MÜHLE DER VERSTEINERTEN FRAUEN (1960) oder Marco Vicarios Heist-Klassiker SIEBEN GOLDENE MÄNNER (1965) in seinem Portfolio führt, aber doch etwas mehr erwarten können.

Dagegen liegt die Leistung des argentinischen Hauptdarstellers Luis Dávila, der kurz darauf auch in PERRY RHODAN – SOS AUS DEM WELTALL (1967) mitmischen sollte, voll im zu erwartenden Bereich. Sein Mike Murphy ist ein sexistischer Protz, der sich mit dummen Sprüchen und allerlei Körperlichkeit durch den Film bewegt. Das bekommt vor allem Gaia Germani zu spüren, die hier als Jeanne Morrow eine ansonsten unterhaltsame Darbietung abliefert. In einer durchaus überraschenden Doppelrolle gibt es dann noch den renommierten spanischen Darsteller Alfredo Mayo zu sehen und auch Janine Reynaud, später noch in Jess Francos Doppelschlag KÜSS MICH, MONSTER (1969) und ROTE LIPPEN, SADISTEROTICA (1969) oder auch Sergio Martinos Knaller-Giallo DER SCHWANZ DES SKORPIONS (1971) zu sehen, bleibt als Carol angenehm lange im Zwielicht. Der ebenfalls aus Argentinien stammende Alberto Dalbés rundet den Cast als schmieriger Revel gelungen ab.

Mike: Du bist die attraktivste Blondie, die ich seit 1928 gesehen habe.
Mädel: Und warum erst seit 1928?
Mike: Weil ich vorher noch nicht geboren war.

All diese Damen- und Herrschaften werden über weite Strecken von äußerst fröhlichen Klängen aus der Feder von Nice Fidenco begleitet, der vor allem durch seine ebenfalls launige Untermalung der BLACK EMANUELLE-Reihe Bekanntheit erlangte. Das steht einer allzu ernsten Atmosphäre zwar einerseits im Wege, verleiht dem Film aber andererseits eine Beschwingtheit, die der reinen Fotografie manchmal abgeht. Dazu gibt es noch ein, zwei komödiantische Momente sowie eine wirklich gelungene Striptease-Szene mit klasse getimtem Ende und so bewegt sich der Streifen ohne große Längen einem Finale entgegen, das den Zuschauern dann noch mal die volle Breitseite an psychedelischem Hippie-Sound um die Ohren haut, während sich eine Rakete im azurblauen Schleier verliert. Alles klar.

Keineswegs herausragende, aber auch keineswegs langweilige Agentennummer, die die üblichen Versatzstücke souverän vorträgt. Fröhliche Musik und interessante Charaktere machen dabei das ein oder andere Logikloch locker wett.

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Eine Antwort zu “MIKE MURPHY 077 GEGEN YPOTRON

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