PERRY RHODAN – SOS AUS DEM WELTALL

Perry Rhodan – SOS aus dem Weltall
…4 …3 …2 …1 …morte | Deutschland/Italien/Spanien | 1967
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Perry Rhodan (Lang Jeffries) fliegt mit seiner Crew zum Mond, um dort ein spezielles Element abzubauen. Kaum angekommen treffen die vier auf zwei Außerirdische, von denen einer an Leukämie erkrankt ist. In dem Willen zu helfen fliegt Perry mit der anderen Außerirdischen – der attraktiven Thora (Essy Persson) – zurück zur Erde, um in Afrika die Hilfe von Dr. Haggard (Stefano Sibbaldi) zu erbitten, der ein Mittel gegen Leukämie entwickelt hat. Doch dort warten schon finstere Schurken, die die Technologie der nicht-irdischen Besucher zu stehlen gedenken.

1965 produzierte Theo Maria Werner mit KOMMISSAR X – JAGD AUF UNBEKANNT den Auftakt einer erfolgreichen Filmreihe, die sich auf die gleichnamigen Romanveröffentlichungen des Pabel-Moewig-Verlags gründete. Und da Erfolg schließlich immer Nachahmer nach sich zieht, ging der Produzent Ernst R. von Theumer zwei Jahre später daran, eine weitere erfolgreiche Romanreihe in die Filmwelt zu transportieren: Perry Rhodan.
1967 hatte es die sechs Jahre zuvor begründete Reihe bereits auf über 300 Hefte gebracht und die Abenteuer des namensgebenden Helden stellten schon längst das Aushängschild der deutschen Science-Fiction-Gemeinde dar. Umso unverständlicher, dass man den weitestgehend unerfahrenen Kurt Vogelmann mit der Drehbuchumsetzung beauftragte. Dieser hatte zuvor lediglich am Abenteuer-Reißer SCHARFE SCHÜSSE AUF JAMAIKA (1965) mitgearbeitet. Immerhin war auch Karl-Herbert Scheer an der Drehbucharbeit beteiligt, der Autor der ersten Rhodan-Hefte und somit der Begründer dieses Universums.

General: Ich möchte sofort ihren kommandierenden Offizier sprechen!
Thora: Der steht vor Ihnen!
General: Eine Frau? Unmöglich, das kann nicht sein! Frauen sind in technischen Dingen unbegabt, das weiß doch jeder!

So stützte sich das finale Script dann auch auf den ersten Roman Unternehmen Stardust, änderte die Geschichte allerdings teils sehr stark ab. Sowohl aus Kostengründen, als auch um den damaligen Trends von Abenteuer- und Agentenfilmen zu entsprechen, wurde ein großer Teil der Handlung auf die Erde verlegt. Die Rolle des Bösewichts Mr. Arkin wurde erfunden, um den langen Aufenthalt auf der Erde zu erklären. So dauerte der Mondausflug schließlich nur wenige Minuten, und der Großteil des Films wurde kostengünstig in diversen Wüstenumgebungen abgedreht.

So fällt die Optik des Streifens dann erwartungsgemäß dürftig aus, viel zu viel Zeit wird im staubigen Nirgendwo vertrödelt, wo die Protagonisten in Jeeps umherkurven. Dabei kann der Streifen zunächst tatsächlich mit kunterbunten Raumschiffkulissen punkten, die 1965 zwar bereits etwas überholt wirken (man fühlt sich mehr als einmal in die große Zeit der ersten Sci-Fi-Welle zurückversetzt), die aber nichtsdestotrotz einiges an Charme zu transportieren vermögen. Für die weitestgehend unspektakulären Effekte zeichnet übrigens Antonio Margheriti verantwortlich, der gerade eine Schaffenspause zwischen seiner Sandalen- und seiner Science-Fiction-Phase einlegte. Bei allem Charme, den die naiv-kostengünstige Optik des Films dann stellenweise hat, muss man allerdings konstatieren, dass das Werk seiner Zeit eindeutig hinterherhinkte. Zehn Jahre zuvor wäre man mit derartigen Darbietungen wohl noch im Mittelfeld gelandet, aber wenn man bedenkt, dass nur drei Jahre später Kubricks 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM das Genre optisch wie inhaltlich revolutionierte, muss man hier doch von erheblicher Staubbildung sprechen.

Captain Burley: Der Computer spielt verrückt!
Captain Flipper: Da muss wohl einer ‘nen warmes Bier rein gegossen haben …

Gleiches gilt für die naive Darstellung des Mondes, der Raumschiffe und natürlich der Frauenwelt. Im besten US-amerikanischen Stil der 50er Jahre wird hier über die anwesende Damenwelt hergezogen, auch wenn man dem Film zu Gute halten muss, dass er die Schwedin Essy Persson trotzdem in einer Hauptrolle besetzt und diese sogar teilweise gekonnt auf die chauvinistischen Sprüche reagieren lässt. Platt bleibt das nichtsdestotrotz und zeigt so ein weiteres Mal auf, dass der Film seine eigentliche Dekade verpasst hat.
Neben Frau Persson mimt der Amerikaner Lang Jeffries die Rolle des Perry Rhodan dann relativ blass, geht er doch innerhalb seiner vierköpfigen Crew fast unter. Einzig seine amourösen Versuche bleiben im Gedächtnis, ansonsten fällt der Herr kaum weiter auf. Das ist natürlich ein deutliches Manko, wenn man eine neue Marke zu etablieren versucht. Auffälliger ist da schon Pinkas Braun als Bösewicht, der hier einen klassischen – von den Abenteuern des James Bond inspirierten – Antagonisten bietet. Nichts großes, aber allemal gangbar.

Nun wäre es aber vermessen, den Film vollends zu zerreißen, denn immer wieder blitzen Momente unterhaltsamen Trashvergnügens auf. Krankenschwestern, die Robotern mit Maschinenpistolen an den Kragen wollen, skurrile Miniaturen aller Couleur und dumme Sprüche en Masse machen den Film zumindest für Freunde seichter Nonsens-Unterhaltung zu einem durchaus sehenswerten Werk.

Typ: Sie wollen sich doch amüsieren, oder? Striptease, Bauchtanz, junge Mädchen, Haschisch; ich kann Ihnen alles besorgen!
Perry Rhodan: Auch einen Gebrauchtwagen?
Typ: Natürlich, ich kenne da genau den richtigen Mann!

Selbiges gilt jedoch mitnichten für die Freunde der Heftromane, denn diese strafen die Adaption seit jeher mit absoluter Verachtung. Die erwähnten inhaltlichen Änderungen, die kostengünstigen Produktionsumstände und die ganz allgemein deutlich zu komödiantische Ausrichtung des Sujets sorgten innerhalb der Fangemeinde für große Verärgerung und machten es dem Film dementsprechend sehr schwer, sich finanziell zu rentieren. Ein weiterer Beleg dafür ist der Umstand, dass es – trotz natürlich ausreichend vorhandenem Material – nie eine Fortsetzung gab.
So bleibt PERRY RHODAN – SOS AUS DEM WELTALL der Versuch, aus einer erfolgreichen Heftvorlage auch filmisches Kapital zu schlagen. Die flache und vor allem nicht mehr zeitgemäße Umsetzung ließen dieses Vorhaben jedoch genau scheitern, wie die billige Produktion und die in Kauf genommene Abschreckung der eigentlichen Zielgruppe. Und das ist schade, hätte die Vorlage doch genug Möglichkeiten für ein unterhaltsames Sci-Fi-Franchise geboten.

Platte Sci-Fi-Adaption, die ihrer Zeit schon zum Veröffentlichungszeitpunkt hinterherhinkte. Für Freunde trashiger 50er-Sci-Fi-Kost aber trotzdem ansehbar.

Advertisements

Eine Antwort zu “PERRY RHODAN – SOS AUS DEM WELTALL

  1. Pingback: MIKE MURPHY 077 GEGEN YPOTRON | SPLATTERTRASH·

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s