SHAMANGO

Shamango
Gentleman Jo… uccidi | Italien/Spanien | 1967
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Captain Clay Reese (Mariano Vidal Molina) ist der einzige Gesetzeshüter in dem an der amerikanisch-mexikanischen Grenze gelegenen Städtchen Douglas. Er kann gegen die Bande des mexikanischen Banditenführers Colonel Fernando Ferreras (Eduardo Fajardo) folglich nichts ausrichten und wird schon bald deren Opfer. Was die Halunken nicht wissen: der gestriegelte Gentleman Joe (Anthony Steffen), der seit einiger Zeit in dem Städtchen verweilt, ist Clays Bruder und kann mit seinem Colt gut umgehen …

Der italienische Filmschaffende Giorgio Stegani hat seine relativ überschaubare Karriere als Regisseur durchaus facettenreich gestaltet. Nachdem er die italienische Fassung des Fernost-Reißers WEIßE FRACHT FÜR HONGKONG (1964) zu seinem Debut machte, sollte er mit ADIOS GRINGO (1965) einen durchaus ordentlichen Früh-Italowestern abliefern, bevor er sich mit MIKE MURPHY 077 GEGEN YPOTRON (1966) dann dem klassischen Eurospy widmete. Danach wandte sich Stegani wieder dem Italowestern zum, dem er mit Hilfe der Drehbuchautoren Jamie Jesús Balcázar und Melchiade Coletti dann einen durchweg actionreichen und unkomplizierten Vertreter schenkte.
Diese Ausrichtung ist dabei zunächst nicht unbedingt zu erahnen. Das Skript zeichnet eine politisch heikle Situation an der Grenze zwischen den USA und Mexiko, bei der zunächst die Unsicherheit der Bevölkerung im Mittelpunkt steht. Des Weiteren erhalten die bald schon als Brüder enttarnten Hauptcharaktere einen Familienhintergrund inklusive in der Nähe stationiertem Vater. Das des Vaters Armee dabei in derselben Stadt wartet, in der auch die Entscheidung über die zukünftige nationale Zugehörigkeit den Nestes Douglas entschieden wird, lässt dabei vermuten, dass der Film sich einige Handlungsfäden für sein Finale aufhebt.

Vicky: Rasierst du dich deshalb vielleicht so gut, damit die Ohrfeigen besser knallen?

Doch weit gefehlt! Etwa in der Filmmitte werden all die offenen Handlungsstränge rigoros abgeschnitten und der Streifen widmet sich einer reinrassigen Rache-Story, die beinahe ausschließlich aus Verfolgungsjagden und Schießereien besteht. Es ist dabei Steganis abwechslungsreicher Inszenierung und Francisco Maríns gekonnter Kameraarbeit zu verdanken, dass der Film an dieser Entscheidung nicht scheitert. Völlig von Handlung befreit unterhält die zweite Filmhälfte somit vornehmlich durch gekonnte Action-Sequenzen und einige Absurditäten; unter denen der Versuch der Unholde, den Protagonisten mittels dreier Flaschen Whiskey auszuschalten, sicherlich einen exponierten Platz einnimmt.

Interessant ist Steganis Entscheidung, Genrefachmann Anthony Steffen hier völlig entgegen seiner üblichen Rollen zu besetzen. War Steffen zuvor mit Rollen in DJANGO KENNT KEIN ERBARMEN (1966) oder SARTANA (1966) als ebenso bärtiger wie abgerissener Typus in Erscheinung getreten (ein Äußeres, welches bei seinen Rollen auch in den nächsten Jahren Usus bleiben sollte), darf er hier als glattrasierter und gutgekleideter Gentleman um die Ecke kommen. Steffens Spiel kann diese Wandlung aber nichts anhaben und so überzeugt er auch als gnadenloser und wortkarger Rächer. Dem gegenüber bietet der Spanier Eduardo Fajardo eine deutlich wortreichere und extrovertiertere Darbietung. Sein Colonel Ferreras fällt wundervoll großmäulig und rücksichtslos aus und wird zudem mit einer wahnwitzigen Deutsch-Spanisch-Mixtur vertont, die Fajardos geniale Darbietung humorvoll abrundet. Daneben gibt es mit Silvia Solar als kleinem Love-Interest Vicky, Mariano Vidal Molina als Bruder Clay Reese oder dem Italo-Kino-Tausendsassa Benito Stefanelli als Schmierlapp Larry weitere tolle Besetzungen zu bestaunen.

Bruce: Sehr euch das an, das Geld! Das ganze Geld haben wir jetzt!
Typ: Aber das ist ja das von Morrison. Wo hast du das her?
Bruce: Es kam gerade durchs Fenster geflogen.

Der Score wird von Bruno Nicolai beigesteuert, der hier ausnahmsweise einmal nicht für Morricone dirigierte, sondern umgekehrt den großen Ennio für sich dirigieren ließ. Dabei kommt ein schmissiger Italowestern-Score heraus, der vor allem mit seinem choralen Titelstück überzeugt. Zusammen mit der flotten Inszenierung und der tollen Besetzung sorgt das dann für durchaus seichte, aber zu jedem Zeitpunkt unterhaltsame Italowestern-Kost.

Wenn der Film im Mittelteil plötzlich sämtliche Handlung über Bord wirft, kann man zwar kurzzeitig unruhig werden, doch am Ende stellt sich diese Maßnahme als völlig vertretbar heraus, ebnet sie doch den Weg für einen schmissigen Action-Western mit toller Besetzung.

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2 Antworten zu “SHAMANGO

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