AN SEINEN STIEFELN KLEBTE BLUT

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An seinen Stiefeln klebte Blut
Navajo Joe | Italien/Spanien | 1966
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Bandit Duncan (Aldo Sambrell) ermordet mit seiner Bande auf der Suche nach Skalps einen ganzen Stamm von Indianern. Einzig Navajo Joe (Burt Reynolds) überlebt das Massaker und nimmt sofort die Verfolgung der Bande auf. Doch die sind schon wieder auf dem Weg, die Kleinstadt Esperanza zu überfallen, die auf einen Zug mit 500.000 US-Dollar an Bord wartet. Nun muss Joe neben seinen persönlichen Plänen auch noch auf das Wohl dieses kleinen Nests achten.

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1966 hatte Sergio Corbucci mit DJANGO gerade einen der maßgeblichsten Filme des noch jungen Italowestern gedreht, als er auch schon wieder hinter der Kamera stand, um den Fans dieses Genres weiteres Futter zu liefern. Dabei sollte es weiterhin finster zugehen, doch einige Vorzeichen sollten sich gewaltig ändern; vor allem die Perspektive sollte sich verschieben.
Für das Script zeichneten dann der Genreerfahrene Fernando Di Leo und der junge Piero Regnoli (der später mit Werken wie GROßANGRIFF DER ZOMBIES (1980) und DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES (1981) Bekanntheit erlangen sollte) verantwortlich und die beiden lieferten mit Sicherheit eines der ungewöhnlicheren Western-Drehbücher ab. Ist es schon ein Markenzeichen des italienischen Western, dass der Held nichts vom Strahlemann-Image der US-amerikanischen Vorlagen besitzt, gehen die beiden Herren noch einen Schritt weiter, und stecken kurzerhand einen Indianer in die Hauptrolle. Diesen ist in Übersee – ganz im Sinne des Western als Reinigung der eigenen Vergangenheit – stets die Rolle der mörderischen Wilden zugedacht. Diese Entscheidung gibt dem Film dann etwas höchst Eigenständiges und hebt ihn mit Leichtigkeit aus dem Gros der konkurrierenden Produktionen heraus.

Jeffrey: Das ist doch nicht möglich, der Sheriff muss sich geirrt haben …
Duncan: Wer sich irrt, muss zahlen!

Corbucci hätte die Rolle dieses Eingeborenen dann am liebsten Marlon Brando zu Teil werden lassen, doch der konnte aufgrund anderweitiger Verpflichtungen leider nicht zusagen. Das besagt zumindest die offizielle Variante, die aber bis heute stets bezweifelt wird. Wahrscheinlicher ist hingegen, dass Brando zu diesem Zeitpunkt schlicht nicht mehr daran interessiert war, für ein verhältnismäßig kleines Gehalt in einem europäischen Western mitzuspielen. So oder so sorgte das dafür, dass ein junger Mann namens Burt Reynolds besetzt wurde und dieser somit seine erste größere Rolle bekam. Ein Schritt, dem – wie wir heute wissen – noch viele weiteren folgen sollten, denn Reynolds machte in der Folge eine mustergültige Karriere.
Seine Rolle im Film stellt sich dann als relativ gelungen dar, lediglich Reynolds Äußeres möchte nicht ganz funktionieren. Obwohl er zwar indianische Wurzel hat, passen sein äußerst glattes Gesicht und die skurrile Perücke nur bedingt zu einem Indianer; was aber in der Praxis kaum Probleme bereitet. Sein Schauspiel zwischen kühler Eleganz und brennender Wut funktioniert dafür nämlich umso besser und kann zu jedem Zeitpunkt bestens unterhalten. Ihm Gegenüber steht dann Aldo Sambrell, der mit Nebenrollen in FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR (1964) und FÜR EIN PAAR DOLLAR MEHR (1965) bereits Erfahrung im Genre sammeln konnte. Dieser spielt einen stereotypen Bösewicht, ohne wirklich zu glänzen. Zu gewohnt, zu austauschbar wirkt Sambrell, insbesondere in Anbetracht der ungewöhnlichen Hauptrolle. Aber für einen funktionieren Antagonisten reicht das Gebotene allemal, so dass Unterhaltung stets garantiert ist. Erwähnung finden müssen darüber hinaus noch die bezaubernde Nicoletta Machiavelli als örtliche Schönheit und Fernando Rey, der hier einen zwischen Komik und Ernsthaftigkeit schwanken Priester spielt.

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Nun würde die ordentliche Story inklusive guter Mimen schon reichen, um diesem Werk einen gehobenen Mittelfeldplatz zu verschaffen, aber eine Besprechung dieses Films kann ohne die Erwähnung der grandiosen Filmmusik nicht als vollständig angesehen werden. Ennio Morricone zauberte für den Film nämlichen einen Soundtrack, der Seinesgleichen nur in den höchsten Gefilden suchen darf. Fast jedes Stück des Scores ist fesselnd und wunderbar passend. Das Hauptthema ist derart atemberaubend, dass Quentin Tarantino es für KILL BILL wiederverwertete. Ebenjener adelte den Film übrigen zusätzlich, indem er in einem Interview zu DJANGO UNCHAINED (2012) sagte, dass AN SEINEN STIEFELN KLEBTE BLUT der einzige Film sei, den man vor der Betrachtung seiner eigenen Italowestern-Hommage auf jeden Fall gesehen haben sollte.
Das unterstreicht noch einmal, dass dieser ebenso harte wie unterhaltsame Italowestern zu den großen Werken diesen Genres gehört. Nur knapp verfehlt er eine Position im Olymp der staubigen Mistkerle, aber mit der tollen Musik und der interessant-eigenständigen Hauptrolle ist ihm eine genrehistorische Relevanz nicht abzusprechen.

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Toller Italowestern mit grandiosem Morricone-Soundtrack und der Ungewöhnlichkeit eines Indianers in der Hauptrolle. Zweiteres macht ihn interessant und eigenständig, ersteres gibt ihm den nötigen Schliff. Beides zusammen macht ihn zu einem richtig guten Film!

4 Antworten zu “AN SEINEN STIEFELN KLEBTE BLUT

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