DJANGO

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Django
Django | Italien/Spanien | 1966
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der einsame Wolf Django (Franco Nero) rettet die schöne Maria (Loredana Nusciak) aus den Händen von blutrüstigen Mexikanern und begibt sich mit ihr in das verlassene Nest Nogales. Kaum dort angekommen bekommt er Ärger mit Major Jackson (Eduardo Fajardo), der die Gegend mit seinem rassistischen Mob kontrolliert. Doch schnell stellt sich raus, dass genau das Absicht war, hat Jackson doch vor Jahren Djangos Frau ermordet.

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Bereits 1964 war Sergio Corbucci mit KEINEN CENT FÜR RINGOS KOPF und MINNESOTA CLAY auf ebenjenen Italowestern-Zug aufgesprungen, den Sergio Leone im selben Jahr mit FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR auf den Weg gebracht und mit FÜR EIN PAAR DOLLAR MEHR (1965) fortgesetzt hatte. Beide kannten sich seit spätestens 1959, als sie zusammen das Drehbuch zu Bonnards DIE LETZTEN TAGE VON POMPEJI (1959) schrieben und Mitte der 60er Jahre nun sollten die beiden Regisseure dafür sorgen, dass der Italowestern sich zu einem Siegeszug sondergleichen aufschwang. Neben Leones Dollar-Trilogie war es dann Corbuccis DJANGO, der ebenfalls unzählige – den (deutschen) Verleihtiteln nach sogar deutlich mehr – Nachahmer fand.

Nathaniel: Was hast du gesagt?
Django: Vollkommen unwichtig, wichtig ist nur, dass man sterben muss!

Wie sein Namensvetter ließ sich Corbucci übrigens auch vom Japaner Akira Kurosawa inspirieren, der in YOJIMBO – DER LEIBWÄCHTER (1961) jenen prototypischen Antihelden erfunden hatte, der das Genre Italowestern fortan prägen sollte. Weitere Einflüsse waren ein Comicheft, auf dessen Cover Corbucci den Helden einen Sarg hinter sich her ziehen sah, und der belgische Jazz-Musiker Django Reinhardt, der den markanten Namen beisteuerte.
Mit Hilfe dieser Elemente schrieb Corbucci dann zusammen mit seinem Bruder Bruno ein Script, das ebenso anprangernd wie pessimistisch daherkommt. Django ist nach der Ermordung seiner Frau bar jeden Lebensmutes und zieht mit seinem eigenen Sarg durchs Land, um nach der ersehnten Rache selber aus dem Leben zu scheiden. Er hat keine Angst, keinen Respekt, keine Höflichkeit, da all diese Eigenschaft obsolet für einen sind, der mit dem Leben längst abgeschlossen hat. Zynische Sprüche und kalte Morde unterstreichen den Auftritt dieser Rolle. Django ist schon im Leben so eiskalt, wie er es vom ersehnten Tode erwartet.

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Ansonsten finden sich in der Storyline viele gesellschaftkritische Elemente, die auch auf dem persönlichen Interesse Corbuccis beruhen. Django kämpft gegen eine dem Ku-Klux-Klan ähnelnde Bande von Rassisten, die ihre Befriedigung hauptsächlich aus Unterdrückung und Fremdenhass ziehen. Auch die Kirche bekommt ihr Fett weg, auch wenn das – insbesondere im Finale – den deutschen Zuschauern per geänderter Synchronisation vorenthalten wird.
Da der Produktion natürlich nur ein sehr überschaubares Budget zur Verfügung stand, musste Corbucci sich bei der Wahl seiner Hauptrolle viele mittelmäßige Darsteller ansehen, bis endlich Francesco Sparanero auf den Plan trat. Dieser hatte unter dem Pseudonym Frank Nero bisher nur ein paar Nebenrollen ergattern können, aber überzeugte trotzdem bei seinem Vorspiel. Da Nero aber erst 25 Jahre alt war, wurde er erst verpflichtet, als sicher war, dass man ihn mit Hilfe von Make-up um einige Jahren altern lassen konnte. Nachdem die Welt ihn als Django erlebt hatte, begann für Franco Nero, wie er sich fortan nannte, eine Bilderbuchkarriere, im Zuge derer er sich jedoch stets schwer tat, dass Image und vor allem den Namen des Revolverhelden abzulegen; aber dazu später mehr.

Django: Wenn ich den Sarg aufmache, dann stimmt die Kasse!

Anders als Sergio Leone inszeniert Corbucci seinen Film dann nicht langsam und tragend, mit einer Vielzahl von Totalen und Weitwinkeln, sondern nah gefilmt und zügig. Einstellungen der Umgebung dienen nur der Etablierung der Szenerie, Stimmung schafft Corbucci eher durch Dialoge und Action, als durch Ruhe und Weite. Das funktioniert dabei beeindruckend gut, die ohnehin kurze Spielzeit vergeht wie im Fluge. Ein Grund für diesen „flotten“ Stil sind sicherlich auch die sehr rudimentären Kulissen, die der Produktion zur Verfügung standen. Außer dem Saloon und der Hauptstraße gibt es fast nichts zu sehen, und selbst diese sind – wie erwähnte – nur für Augenblicke zu erkennen. Trotzdem etabliert vor allem die schlammige, äußerst graue Hauptstraße eine Stimmung, wie sie sich andere Italowestern nur wünschen können. Wenn Django dann noch einen Sarg durch ebendiesen grauen Schlamm zieht, entsteht eine Atmosphäre, die nachzuahmen unmöglich scheint.
Ein weiteres markantes Merkmal des Films ist seine sehr harsche Gewaltdarstellung. Marias Auspeitschung gleich zu Beginn macht gibt einen guten Eindruck von dem, was noch kommen soll. Blutige Wunden und Einschüsse gipfeln schließlich in der legendären Ohren-Szene, die Quentin Tarantino noch 26 Jahre später in RESERVOIR DOGS – WILDE HUNDE (1992) rezipieren sollte. Bis zum Schluss steigert sich dieses Gewaltpotential, bis Django schließlich mit zerschlagenen Händen am Kreuze lehnt. Auch hier fungiert der Film als Vorreiter, scheuten sich doch im Folgenden die meisten italienischen Western nicht, sich an dieserlei Gewalttaten zu messen.

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Nicht unerwähnt bleiben darf übrigens der Score von Luis Bacalov, der von der ersten Minute an wunderbar ins Gesamtbild passt. Anders als Ennio Morricone bei FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR setzt Bacalov weniger auf sphärische Klänge und raumgreifend Stücke, sondern ist sich viel mehr der unmittelbaren Wirkung seiner Musikwahl bewusst. Da wird eine Flucht schon mal mit einem freudvollen Saloon-Hit unterlegt und auch sonst gibt es mehr Musik als bloße Klänge zu hören. Das korreliert wunderbar mit Corbuccis Inszenierung und unterstreicht dessen comichafte Einstellungen.

Django: Ich habe gefragt, wie viele Leute du noch hast, du Schwein!
Jackson: Vierzig.
Django: Na, ist doch schön. Dann bring‘ beim nächsten Mal alle vierzig mit. Dann ist’s ein Abmachen!

Der Film wurde dann vor allem in Europa ein Erfolg sondergleichen und sorgte (mit) dafür, dass in den nächsten Jahren unzählige Italowestern gedreht wurden. Immer wieder finden sich dabei verschiedenste Versatzstücke aus diesem Film, der selber nur eine Fortsetzung erhalten sollte. Erst 1987 inszenierte Nello Rossati den Film DJANGO’S RÜCKKEHR, bei dem Franco Nero wiederum die Hauptrolle übernahm. In der Zwischenzeit hatte es allerdings unzählige Produktionen gegeben, die in Deutschland einfach mit dem Titel Django sowie einem Zusatz veröffentlicht wurden; dabei handelt es sich freilich nie um Filme, die inhaltlich etwas mit dem Original gemein hätten. Immerhin spielte Franco Nero in manchen dieser Filme mit, was zumindest einige der deutschen Titelkreationen erklärt; auch war es für Nero nicht immer einfach, bei jedem veröffentlichten Western auf diese Rolle reduziert zu werden.
Aber das ist wohl zu verkraften, wenn man dafür die Hauptrolle in einem der maßgeblichsten Italowestern aller Zeiten gespielt hat. Corbuccis Film ebnete dem ganzen Genre den Weg und konstituierte die Eckpfeiler dieser Western-Spielart. Noch heute unterhält dieser Streifen vor allem dank seiner zügigen Inszenierung, dem tollen Score und seiner äußersten Kompromisslosigkeit. Der arg pessimistische Grundton rundet dieses Bild ab und räumt DJANGO einen Platz an der absoluten Genrespitze ein.

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Einer der Genre-Klassiker schlechthin. Noch deutlich pessimistischer und kompromissloser als seine Kollegen begeistert der Film restlos.

18 Antworten zu “DJANGO

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