PENINSULA

Peninsula
Bando | Südkorea | 2020
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Sowohl Yeon Sang-hos SEOUL STATION (2016) als auch sein TRAIN TO BUSAN (2016) zeichneten sich durch eine Herangehensweise aus, die sowohl den Handlungsort Südkorea als auch den romero’schen kritischen Blick auf eine Gesellschaft in einer Krisenlage berücksichtigte. So wurden beide Filme zu interessanten Vertretern ihrer Zunft. Umso erstaunlicher ist es nun, dass Yeon diese Ansätze beim Nachfolger PENINSULA vollkommen fahren lässt und sich stattdessen generischer Zombie-Action verschreibt.

Das zeigt sich schon in der unmotivierten Konstellation der Figuren. Jung-seok (Gang Dong-won) und sein Schwager Cheol-min (Kim Do-yun) werden mit einer Taxifahrerin und einem beliebigen vierten Typen zusammengewürfelt und von einem Hongkonger Gangster in das seit vier Jahren von Zombies überrannte Südkorea geschickt. Warum der Typ es genau diesen vier Beliebigen zutraut, die 20 Mio. US-Dollar zu bergen, bleibt unbekannt. Entsprechend fern bleiben einem die Vier auch und entsprechend willkürlich erscheint es, dass Jung-seok ausgerechnet Min-jung (Lee Jung-hyun), der er bei seiner Flucht nicht geholfen hat, im Zombie-Chaos wiedertrifft. Und was passiert: Nichts. Das in der Exposition Gezeigte ist völlig unerheblich und wird nicht mehr thematisiert.

Und Yeon verschenkt auch die zentrale Idee seines Skripts: die Entstehung einer neuen Gesellschaft. Während Endzeitfilme wie MAD MAX II – DER VOLLSTRECKER (1982) oder Zombiefilm-Fortsetzungen wie LAND OF THE DEAD (2005) sich damit auseinandersetzen, wie Überlebende nach einer Katastrophe neue Gesellschaften bilden, die dann von archaischen Riten, brutalen Auseinandersetzungen oder alternativen Gesellschaftsmodell dominiert werden, macht die Einheit 631 in diesem Film einfach nichts. Ihre einzige Beschäftigung scheint es zu sein, ihre Opfer gegen die Zombies antreten zu lassen und auf den Ausgang des Events zu wetten. Ansonsten gibt es kein Leben, keinen Antrieb, keine Themen. So wirkt dann Chef Seo (Koo Kyo-hwan) auch völlig beliebig und austauschbar.

Und wenn ein Film weder eine glaubwürdige Welt noch einen interessanten Konflikt installiert, dann fehlt es eben auch dem Finale an Gewicht. So langweilt die augenscheinlich von MAD MAX: FURY ROAD (2015) inspirierte ellenlange Verfolgungsjagd – die dank billigen CGI auch noch gruselig aussieht – dann vornehmlich und im Finale weiß sich Yeon erneut nur mit Zeitlupen und unsinnigen Entscheidungen der Protagonisten über die Zeit zu retten. Dramatik entfaltet sich nie, der zwanghafte Versuch tut eher weh. Die Moral von der Geschichte, dass die Bösen und die Gierigen sterben während die Guten überleben, untermauert dann noch mal die Erkenntnis, dass es sich bei PENINSULA um absolut uninspirierte, ja geradezu belanglose Zombie-Standardkost handelt.

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