DER UNSICHTBARE

Der Unsichtbare
The Invisible Man | USA | 1933
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Forscher Dr. Jack Griffin (Claude Rains) sucht in einem abgelegenen Gasthof Unterschlupf, um an einem bedeutsamen Problem zu arbeiten: er muss seine kürzlich erwirkte Unsichtbarkeit wieder rückgängig machen. Doch die Dorfbewohner werden von Peters skurriler Maskerade verschreckt, es kommt zuum Eklat. Gleichzeit gstellen Jacks Doktorvater Dr. Cranley (Henry Travers) und seine Verlobte Flora Cranley (Gloria Stuart) fest, dass das Serum, das ihn unsichtbare machte, auch zum Wahnsinn führt.

Mit FRANKENSTEIN (1931) hatte James Whale einen der maßgeblichsten, einflussreichsten und schlicht und einfach gruseligsten Streifen der bisherigen Filmgeschichte hingelegt. Logisch, dass Universal ihm weitere Projekte angedeihen ließ, darunter DAS HAUS DES GRAUENS (1932). Der nächste wirklich große Wurf sollte allerdings der nach dem 1897 veröffentlichten, gleichnamigen Roman von H.G. Wells geschaffene DER UNSICHTBARE werden. Der schon an DAS HAUS DES GRAUENS beteiligte Robert Cedric Sherriff formulierte das Drehbuch und legte dabei bereits die Grundlage für die grandios stimmige Mischung aus Komödie und Tragödie, die Whale schließlich daraus machen sollte.

Der Unsichtbare: Sogar der Mond dort oben erschrickt in Todesangst vor mir.

Denn im Gegensatz zu den zuvor etablierten Schreckensgestalten in DRACULA (1931), FRANKENSTEIN (1931) und DIE MUMIE (1932) bietet der Unsichtbare nicht nur Potenzial für Schrecken und Dramatik, sondern – aufgrund seiner zentralen Eigenschaft, nicht sichtbar zu sein – auch für Komik. Es ist nicht schwer zu ersinnen, welch köstlichen Unfug man anstellen kann, wenn man den Augen der Mitmenschen verborgen ist. Es ist allerdings umso mutiger, mit welcher Konsequenz Whale die Option nutzt. Nur wenige Minuten, nachdem Jack die Kneipe mit seiner bloßen Anwesenheit in Angst und Schrecken versetzt hat, enthüllt er sein Geheimnis und startet ein skurriles Katz-und-Maus-Spiel mit den Dorfbewohnern. Danach fliegt allerlei Tand durch die Gegend und Jack versetzt das ganze Dorf in Panik. Aber diese Komik erstreckt sich auch auf andere Figuren. Das Kneipiers-Paar besteht aus einer überzeichnet-krakeelenden Gattin und ihrem Pantoffelhelden, die später hinzutretenden Cops albern gleich in Truppenstärke herum und selbst Jacks Weltherrschaftspläne grenzen stellenweise ans Überzeichnete.

Dem Gegenüber gelingt es Whale aber mit einfachsten Mitteln, auch den Horror und das Unwohlsein der Protagonisten zu transportieren. Jacks bandagiertes Gesicht lässt das kommende Unheil erahnen, seine latente Aggressivität wirkt überaus bedrohlich. Des Weiteren entschied sich Whale durchaus bewusst gegen ein erneutes Engagement Boris Karloffs (der passenderweise ohnehin anderweitig beschäftigt war) und buchte für die Hauptrolle den britischen Schauspieler Claude Rains, der dank seiner Theatererfahrung über eine sehr variable Stimme verfügte. Diese ist nämlich – in Ermangelung sichtbarer Mimik – dessen einziges zur Verfügung stehende Ausdrucksmittel; eine Bedeutung, der Rolf Berger in der deutschen (TV-)Synchronisation (von 1984) erstaunlich gut gerecht zu werden vermag.

Chefkommissar: Fast 1.000 Zuschriften sind eingegangen, wie man den Unsichtbaren festnehmen könnte. Manche sind vernünftig, manche verrückt, aber alle unmöglich!

Aber mindestens genauso maßgeblich dafür, dass die Kinogäste damals begeistert und erstaunt auf die Leinwand starrten, sind die Spezialeffekte aus der Hand von John P. Fulton, der auch die drei obengenannten Universal-Klassiker mit seiner Kunst veredelte. Mittels einer frühen Variante der heutigen Green- oder Blue-Screen-Technik (Fulton verwendete schwarzen Samt) erschuf er brillante Effekte, die auch heute noch faszinieren. Jacks Wirken wird dann mithilfe simpler Kabelzüge realisiert, die Fußstapfen im Schnee mit einer eigens errichteten Bühne. Whales enorm flotte Inszenierung tut ein Übriges dazu, dass die Mixtur all dieser Elemente stets kurzweilig und abwechslungsreich bleibt.

Die brillanten Effekte – mal erschreckend, mal witzig – spiegeln die größte Qualität dieses zu Unrecht etwas weniger beachteten Klassikers wider: James Whale verbindet Grusel und Humor nahezu perfekt und zeigt dabei eine Selbstverständlichkeit, die man bis heute nur selten erneut gesehen hat. Das Ergebnis erstaunt außerordentlich.

2 Antworten zu “DER UNSICHTBARE

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