FRANKENSTEIN

Frankenstein
Frankenstein | USA | 1931
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Zurückgezogen in einem alten Wachturm plant der von seiner Universität verstoßene Wissenschaftler Dr. Henry Frankenstein (Colin Clive) Unglaubliches: aus diversen Leichenteilen und einem menschlichen Gehirn erschafft er eine Kreatur (Boris Karloff) und schenkt ihr in einem unheiligen Experiment das Leben. Sein alter Lehrmeister Professor Waldmann (Edward Van Sloan) und seine Braut Elisabeth (Mae Clarke) versuchen den wahnsinnigen Frankenstein von seinem Tun abzuhalten.

Tod Brownings DRACULA (1931) war für Universal bekanntlich einer der wichtigsten Filme seiner Zeit – auch weil er zeigte, dass man mit der Kinoadaption bereits bekannter Horrorstoffe einiges an Erfolg verbuchen konnte. Also brachte Produzent Carl Laemmle jr. sofort nach dem erfolgreichen Abschneiden der Stoker’schen Mär an den Boxoffices das nächste Horror-Vehikel an den Start. Vorlage sollte dieses Mal der 1818 veröffentlichte Roman von Mary W. Shelley sein, die Regie – von Browning abgelehnt – ging an James Whale, der mit HÖLLENFLIEGER (1930) und JOURNEY’S END (1930) bereits große Erfolg verbucht hatte. Und Whale war es dann auch, der – nachdem DRACULA-Ikone Bela Lugosi die Kreaturen-Rollen mit der Begründung, das geplante Make-up würde ihn in seinem Spiel zu sehr einengen, abgelehnt hatte – den bis dato nur in Nebenrollen vor sich hinwurschtelnden Boris Karloff, geboren als William Henry Pratt, ins Boot holte.

Henry Frankenstein: Er lebt! Er lebt! Er lebt!

Und dessen Darbietung als Frankensteins Monster ist dann auch der Grund dafür, dass FRANKENSTEIN ebenso durch die Decke ging wie DRACULA und Universal in den folgenden Jahren zahllose weitere Horrorstreifen anfertigte. Denn Karloff sieht prächtig aus: böse, verwirrt, irritiert und vor allem traurig. Mit seinen hängenden Lidern und dem klagenden Gestöhne wird von Anfang an deutlich, dass Colin Clive als Henry Frankenstein hier nicht einfach ein emotionsloses Monstrum geschaffen hat, sondern ein empfindsames Wesen. Schon wenn der sadistische Gehilfe Fritz dieses quält, ist man als Rezipient verpflichtet, mit diesem zu fühlen. Wenn das Wesen dann aber ein kleines Mädchen, in der Hoffnung es würde wie eine Blume auf dem Wasser tanzen, in den See wirft, nur um dann bestürzt feststellen zu müssen, dass das Kind ertrinkt, zerreißt es einem das Herz (das diese Szene in der Uraufführung noch fehlte, muss des Films Wirkung damals ungemein eingeschränkt haben). Hier begleitet man nicht nur den Weg eines künstlichen Wesen, man begleitet den Leidensweg einer Kreatur, die nicht nur nicht darum gebeten hat, zu sein wie sie ist, sondern den Weg einer Kreatur, die in keiner Weise versteht, was und sie überhaupt ist und wie ihr geschieht.

Aber auch abseits des nach dieser Leistung zum Superstar avancierenden Karloff gibt es viel zu sehen. Edward Van Sloan, kurz zuvor schon als Van Helsing in DRACULA dabei, versucht als Professor Waldmann beherzt einzugreifen, Mae Clarke gibt als Elisabeth eine prototypische Jungfrau in Nöten. Viel schöner ist aber, dass sich all diese Figuren durch wahnsinnig stimmige Kulissen bewegen. Frankensteins Gemäuer sieht blendend aus, das Treppenhaus wirkt in seiner verqueren schwarz-weiß Darstellung geradezu expressionistisch. Beim tobenden Sturm möchte man als Zuschauer sogleich seinen Kragen hochschlagen und wenn die Meute mit Fackeln aus der Stadt stürzt, läuft es einem kalt den Rücken runter. Das Finale in der Mühle ist bahnbrechend und ein würdiger emotionaler Höhepunkt des Films.

Baron Frankenstein: Es ist erstaunlich, wie zufrieden man die Leute machen kann, wenn man sie ein Fässchen Bier trinken lässt.

Das alles wird von Kameramann Arthur Edeson erstaunlich flexibel und innovativ eingefangen. Er nutzt die tollen Kulissen großräumig aus und filmt sie nicht nur theatergleich ab. Kamerafahrten und -zooms bestimmen das Bild und lassen die Geschehnisse so noch unmittelbarer wirken. Sie sind vermutlich einer der Gründe dafür, warum der Film die Zuschauer seiner Zeit derart in Angst und Schrecken versetzte. Dazu kommen Karloffs Spiel, die packende Geschichte, die knackige Inszenierung und das Design der Kreatur. Letzteres kann als epochemachend bezeichnet werden, wurde es doch in unzähligen Werken unterschiedlichster Fächer rezipiert oder reproduziert. Und noch heute ist es kaum denkbar, dass ein Wesen, welches von Herr Frankenstein erschaffen wurde, anders aussehen könnte, als Boris Karloff 1931.

Seine grandiose Ausstattung, die dynamische Inszenierung und der haarsträubende Horror machen den Streifen schon zu einem Hit. Die herzzerreißende Darstellung des Leidenswegs der Kreatur macht ihn allerdings zu einem uneingeschränkten Klassiker.

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