DIE MUMIE

Die Mumie
The Mummy | USA | 1932
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Ralph Norton (Bramwell Fletcher), der Gehilfe des Archäologen Sir Joseph Whemple (Arthur Byron), belebt bei einer Expedition im Jahre 1921 zufällig eine Mumie wieder. Getarnt als Ardath Bey (Boris Karloff) taucht die Mumie er Jahre später wieder auf und trachtet danach, die ebenfalls mumifizierte Prinzessin Anck-es-en-Amon, die Ardath in der jungen Helen Grosvenor (Zita Johann) wiederzuerkennen glaubt, wiederzubeleben. Dumm nur, dass Helen dafür erst einmal sterben muss.

DRACULA (1931) und FRANKENSTEIN (1931) hatten innerhalb von nur elf Monaten dafür gesorgt, dass Universal die Topadresse für hollywood’schen Horror wurde. Unter der Ägide des schwäbischen Exilanten Carl Laemmle jr. sollte diese Entwicklung natürlich fortgeführt werden. Doch anstatt sich erneut eine Vorlage innerhalb der klassischen Horrorliteratur zu suchen, bediente man sich dieses Mal stärker eigener Ideen der Autoren Nina Wilcox Putnam, Richard Schayer und John L. Balderston. So ganz wollte man dann aber doch nicht auf eine Grundlage verzichten und nutzt Sir Arthur Conan Doyles Kurzgeschichte The Ring of Toth zur Inspiration. Wichtiger ist allerdings die Besetzung von Regisseur Karl Freund, der schon bei DRACULA (ungenannt) an der Regiearbeit beteiligt war. Wichtiger war bis dato allerdings Freunds außerordentliches Können als Kameramann, welches er bereits bei Werken wie DER GOLEM, WIE ER IN DIE WELT KAM (1920), METROPOLIS (1926), BERLIN – SYNFONIE EINER GROßSTADT (1927) oder eben DRACULA unter Beweis gestellt hatte.

Ardath Bey: Tod dem Manne, der sich mit Liebe in eurem Herzen eingenistet hat!

Denn Freund war seit einiger Zeit dafür bekannt, eine äußerst flexible und innovative Kameraarbeit an den Tag zu legen. So gibt es in DIE MUMIE erneut ungewöhnliche Kameraperspektiven und -bewegungen sowie zahlreiche Nahaufnahmen (vor allem von Gesichtern) zu sehen. Insbesondere der Blick in die Visage von Boris Karloff im Mumien-Make-up hat dabei – trotz seiner nur wenigen Sekunden Dauer – einiges an Berühmtheit erlangt. War Karloff ein Jahr zuvor in FRANKENSTEIN noch ein gefeierter Newcomer, musste er kaum ein Jahr später schon das gesamte Marketing von DIE MUMIE auf seinem Rücken tragen – eine Hollywoodkarriere par Excellence.

Karloff gegenüber blickt man häufig in Zita Johanns Gesicht, spielt sie doch als Helen Grosvenor die zentralste Figur. Denn diese ambivalente Frauenrolle ist es letztendlich, die dem Unhold das Handwerk legt. Zunächst ist sie Imhotep dabei gnadenlos verfallen und seinen Planungen ergeben. Schmachtend folgt die ihm, um dann eine stetige Wandlung durchzumachen und letztlich die Selbstbestimmung und das eigene Leben über die Zuneigung und die Abhängigkeit zu stellen. Dass sie es dann auch ist, die Imhotep (zugegeben: mit der Hilfe der Göttin Isis) umbringt, ist eine konsequente Beibehaltung dieser angenehm starken Frauendarstellung. Dagegen wirkt David Manners, anders als noch als John Harker in DRACULA, als Frank Whemple überaus eindimensional, gleiches gilt für den von Arthur Byron gegebenen Papa Joseph. Edward Van Sloan darf nach Van Helsing und Doktor Waldmann nun den Moralapostel Dr. Muller geben.

Helen: Müssen Sie Gräber öffnen, um Mädchen zu finden, in die Sie sich verlieben?

Neben schönen Kulissen, die das Kairoer Museum für Archäologie in die Universal Studios verlegten, gibt es stimmige Aufnahmen der Mojave Wüste zu sehen. Noch beeindruckender ist allerdings erneut die Arbeit von Maskenbildner Jack P. Pierce, der Karloff dieses Mal in einer ewiglangen Prozedur mit Mullbinden und Tinkturen versah und Imhotep so erstaunlich zerknittert aussehen lässt. Dass Karloff unter diese Maske kaum die Gesichtszüge zu regen vermochte, ist indes eine schöne Analogie auf die Konzeption des Films: nicht der explizite Horror steht hier im Vordergrund, sondern die kühle Betrachtung von Figur. Imhoteps menschenverachtender Plan und die von Helen zunächst gezeigte Ergebenheit sind es, die hier für erstaunliche Gänsehaut sorgen. Auch heute noch.

Im Gegensatz den beiden Universal-Horror-Vorgängern zieht DIE MUMIE ihren Schauer deutlich mehr aus der ruhigen und eindringlichen Darstellung ihrer Figuren und deren innerlichen Abgründen. Karloffs Darbietung des Bandagierten ist allerdings dabei nicht weniger eindringlich und erinnerungswürdig.

7 Antworten zu “DIE MUMIE

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