TERMINATOR

Terminator
The Terminator | Großbritannien/USA | 1984
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Im nächtlichen Los Angeles geht die Restaurantbedienung Sarah Connor (Linda Hamilton) wie immer ihrer Arbeit nach – nicht ahnend, dass gerade ein „Terminator“ genannter Android (Arnold Schwarzenegger) aus dem Jahre 2029 durch die Zeit auf dem Weg zu ihr ist. Dieser soll Sarah töten, da nur ihr noch ungeborener Sohn in der Zukunft eine mögliche absolute Herrschaft der Maschinen verhindern kann. Die einzige Rettung trägt den Namen Kyle Reese (Michael Biehn), ist Soldat und dem Terminator auf den Fersen.

Die grundsätzliche Herkunft der Idee zum Film ist an allen Ecken und Enden der Filmhistorie erzählt worden: Während der Dreharbeiten zu PIRANHA 2 – FLIEGENDE KILLER (1981) wurde der arme James Cameron in Rom gar so schwer von Fieberträumen geplagt, dass ihm in einer dieser delirierenden Fantasien ein metallisches Skelett mit glühendroten Augen erschien. Der unschönere Teil der Inspiration zu TERMINATOR, die mindestens ebenso starke Inspiration durch zwei Folgen der US-amerikanischen Sci-Fi-Serie THE OUTER LIMITS, wird hingegen oftmals außer Acht gelassen. So oder so knallte Cameron der Produzentin Gale Anne Hurd ein erstes Draft auf den Tisch, zusammen überarbeiteten die beiden das Werk und damit wurden dann John Daly und Derek Gibson mitsamt ihrer Orion Pictures überzeugt, 4 Millionen US-Dollar für die Produktion zur Verfügung zu stellen.

Sarah: Was hat er denn jetzt wieder gesagt?
Tankwart: Er sagt, dass großer Sturm wird kommen.
Sarah: Ich weiß.

Die Dreharbeiten verzögerten sich aber dann um einige Monate, da der fest eingeplante Schwarzenegger zunächst noch einen unterschriebenen Vertrag am Set von Richard Fleischers CONAN – DER ZERSTÖRER (1984) ableisten musste. Zuvor hatten sich Cameron und Schwarzenegger aber bereits getroffen und eine schwerwiegende Entscheidung getroffen: entgegen seines eigentlichen Willens sollte Arnie plötzlich nicht mehr den redlichen Kämpfer Kyle Reese spielen, sondern die Rolle der antagonistischen Maschine übernehmen. Auf die Idee kam der Regisseur allerdings erst, nachdem der österreichische Bodybuilder ihm bei einem Abendessen haarklein beschrieben hatte, wie der Android zu agieren habe und dass er seine Waffe ohne hinzusehen bedienen müsse – genau das hatte Arnold nämlich in seiner Zeit beim österreichischen Bundesheer gelernt. Lange Rede, kurzer Sinn: für Schwarzenegger war es bekanntlich genau die richtige Entscheidung, sollte die Rolle des Terminator doch seinen entscheidenden Durchbruch markieren.

Im Film trifft diese Maschine dann auf eine Los Angeles, welches – abgesehen vom ersten weiten Panorama – frappierend dem (Kino-)New York der späten 70er gleicht. Düstere, von Müll übersäte Gassen bilden hier den Rahmen für Armut und Kriminalität. Der Terminator und Reese treffen zunächst nur auf Punks, Obdachlose und Polizisten, erst das Auftreten von Sarah Connor lässt erahnen, dass es auch einen helle, eine lebendige Seite der Stadt gibt. Trotzdem bleiben weite Teil des Films dabei, die Handlungsorte bei Nacht, zumindest aber im Zwielicht zu präsentieren. Zusammen mit dem teils scheppernden Synthesizer-Score und Camerons treibender, bisweilen aber auch sehr ruhiger Inszenierung weist der Streifen so immer wieder Elemente des Horrorfilms auf.
Dazu trägt natürlich auch die Geschichte ihren Teil bei, die gleich mal im zerstörten Los Angeles einer dystopischen Zukunft startet, in der dem Menschen überlegene Maschinen die letzten Überbleibsel der Menschheit auszulöschen versuchen. Eine Verhinderung dieser Zukunft steht dabei zu keinem Zeitpunkt zur Debatte, das Kommende ist (entgegen den Worten Kyle Reese‘) unabwendbar. Ziel der menschlichen Zeitreise ist es lediglich, die Hoffnung auf ein eventuelles Bestehen der Menschheit gegen die Maschinen aufrechtzuerhalten. Diese Hoffnung heißt John Connor und ist noch nicht geboren. Sie wird erst gezeugt. Von Sarah und dem aus der Zukunft von John selbst geschickten Kyle. Ein Paradoxon.

Typ: Hey, schau mal unter A wie Arschloch nach, da steht sicher deine Nummer!

Ein Paradoxon, das lange Zeit als schlecht durchdachtes Skriptloch eines Lowbudget-Actioners (tatsächlich investierte Orion trotz einer Aufstockung des eingangs geplanten Budgets nur 6,4 Millionen US-Dollar) abgetan wurde und das erst langsam die Anerkennung erfährt, die es eigentlich verdient – stellt es doch den wahren Kern des Films dar. Um einen Fortbestehend der Menschheit zu ermöglichen, müssen sich Sarah und Kyle treffen – so unwahrscheinlich/unmöglich/undenkbar das auch scheint. Nur auf diesem Wege funktioniert die sich ewig wiederholende Geschichte, nur durch das Durchbrechen der Gesetze entwickelt sich der Mensch weiter. Erst durch die aus einem Blick auf das am Filmende gemachte Foto entstehende Liebe findet Kyle die Kraft, durch die Zeit zu Sarah zu reisen; erst durch Kyles Ankunft findet Sarah die Kraft, ein Leben auf der Flucht zu führen und John aufzuziehen. Alles bedingt sich gegenseitig, die Frage nach Anfang und Ende wird obsolet. Erst wenn man das akzeptieren kann, kann man TERMINATOR vollständig genießen und erfahren.

Aber auch ohne diesen Gedankengang kommt man bei dem Streifen natürlich vollends auf seine Kosten. Cameron inszeniert einen Film, der eine ständige Flucht darstellt. Kyle und Sarah fliehen immer vor der unzerstörbaren Maschine, jedes Aufeinandertreffen mit ihr belegt nur noch deutlicher, dass es scheinbar kein Mittel gegen sie gibt. Nirgends ist man sicher, ständig fliegen die Kugeln umher; und wenn gerade nicht geballert wird, dann rasen diverse Autos durch die Nacht. Es gibt keine Verschnaufpausen, denn auch Brad Fiedels genialer Score drängt immer und immer weiter vorwärts. Und zwar so sehr, dass dem Auge glatt einige der in wundervollen Neonfarben ausgeleuchteten Sets zu entgehen drohen. L.A. ist hier ein düsterer Noir-Sumpf, durch dessen Gassen sich die Protagonisten quetschen. Höhepunkt und Inkarnation dieser Konzeption ist sicherlich das TechNoir, welches die Essenz des Styles des Films darstellt.

Kyle: Kommen Sie mit mir, wenn Sie leben wollen!

Mindestens genauso brillant fällt die Arbeit von Effektspezialist Stan Winston aus, der mit diesem Film – ebenso wie Cameron und Schwarzenegger – seinen Durchbruch feierte und der danach bei Werken wie ALIENS – DIE RÜCKKEHR (1986), PREDATOR (1987), TERMINATOR 2 – TAG DER ABRECHNUNG (1991) oder JURASSIC PARK (1993) zaubern sollte. Winstons von jeglicher Computertechnik freie Schöpfung spielt wunderbar mit dem androiden Hintergrund der Figur. Da passen dann auch die Animatronics, denen man ihre Machart durchaus ansieht, klasse ins Bild. Die Auto-OP-Szenen und sonstigen Verwundungen, sowie die zunehmende Abnutzung des Terminators unterstützen trefflich den erwähnten Horror-Aspekt, das Stop-Motion-Finale weckt wohlige Erinnerungen an Ray Harryhausens beste Arbeiten.
Es ist aus all diesen Gründen schön zu sehen, dass der Film in den Jahren nach seiner Veröffentlichung eine immer größere Anerkennung erfahren hat. War er im Kino zunächst ein ordentlicher, aber keineswegs bahnbrechender Erfolg, sollten ihm diverse Heimkinoveröffentlichungen zu einer größeren Fanbase verhelfen. Mit dem Altern dieser Fans und nicht zuletzt auch durch die diversen Fortsetzungen und sonstigen Vermarktungen innerhalb des TERMINATOR-Franchise erfuhr der Film dann mit den Jahren schließlich jene ernsthafte und durchdachte Rezeption, die ihm schlussendlich gerecht wird: TERMINATOR ist und bleibt einer der wichtigsten und auch coolsten Actionfilme seiner Dekade, ja aller Zeiten.

Schwarzeneggers Durchbruch, Camerons Durchbruch, Winstons Durchbruch. Aber noch viel wichtiger: einer der durchdachtesten, coolsten und bahnbrechendsten Actionstreifen aller Zeiten!

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9 Antworten zu “TERMINATOR

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