PREDATOR

Predator
Predator | USA | 1987
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Gedanke ist so logisch wie reizvoll: Arnold Schwarzenegger, der nach CONAN – DER BARBAR (1982), TERMINATOR (1984) und PHANTOM KOMMANDO (1985) auf dem Thron des Actionkinos saß, zum Opfer eines Raubtiers machen. Gemeinsam mit einer ganzen Bande hochqualifizierter Elitesoldaten wird der geborene Heroe hier zum über weite Strecken des Films hilflosen Gejagten. Muskeln und Knarren helfen nicht gegen die technische Überlegenheit des außerirdischen Jägers. Attribute wie Stärke, Coolness oder Unempfindlichkeit gegenüber Schmerzen, in den Jahren zuvor noch sichere Garanten für einen unbesiegbaren Action-Helden, sind hier nutzlos. Es fällt nicht schwer, John McTiernans PREDATOR als eine jener Auseinandersetzungen mit der Genrearchitektur zu lesen, die grundsätzlich den überschrittenen Zenit eines Genres anzeigt. Ebenfalls logisch: nur ein Jahr später sollte McTiernan mit STIRB LANGSAM (1988) an der Seite von Richard Donners ZWEI STAHLHARTE PROFIS – LETHAL WEAPON (1987) eine epochale Wende im Actionkino einleiten.

Die Geschichte ist dabei denkbar einfach: Dutch (Arnold Schwarzenegger), Elitesoldat und coole Socke, wird von seinem Kumpel Dillon (Carl Weathers) für einen undurchsichtigen Einsatz nach Mittelamerika beordert. Schnell stellt sich heraus, dass Dillon Dutch nur ausnutzen will, doch als der mit sein fünf Gefolgsleuten das Weite suchen will, beginne die Übergriffe eines unsichtbaren Feindes – der sich schließlich als außerirdischer Jäger hausstellt.

McTiernan etabliert Schwarzenegger selbstredend als harten Hund, der alles schon erlebt hat und der auch mit dem Guerilla-Lager im Regenwald kurzen Prozess macht. Zwar wird er dabei von weiteren Muskelpaketen wie Bill Duke als Mac oder natürlich Debütant Jesse Ventura als Blain begleitet, doch es steht jederzeit außer Frage, dass Dutch die Kiste auch alleine schaukeln könnte (schön visualisiert durch Arnies Einfall mit dem LKW). Hier sind Arnold und Konsorten noch die Jäger, die sich an die unterlegenen Guerilleros heranpirschen und diese dann mit überlegener Feuerkraft dahinraffen. 20 Minuten später ist es dann aber die in ihrer Zahl abnehmende Soldatengruppe, die angsterfüllt und waffentechnisch unterlegen durch den Urwald gehetzt wird. Ein einzelner Widersacher ist dank Tarnvorrichtung und besserer Feuerwaffe deutlich überlegen.

Die Zuschauenden ahnen das schon, da McTiernan sehr früh damit beginnt, sie durch die Augen des Jägers blicken zu lassen. Dementsprechend wenig erstaunt sind sie dann beim ersten Übergriff, aber dementsprechend fasziniert können sie das Schauspiel betrachten. Diesen Herren die Angst ins Gesicht geschrieben zu sehen, ist eine seltene Freude, ebenso wie die sich ausbreitende Hilf- und Ratlosigkeit. Plötzlich treffen auch die geübten Strategen dumme Entscheidung und als Rezipient weiß man kaum noch, was man von den Helden halten soll. Es ist diese Verkehrung der etablierten Rollen, die dem Film einen ganzen eigenen Charme verleiht. Das McTiernan nebenbei auch noch gewohnt treffsicher inszeniert und gleich ein ganzes Dutzend an Szenen darbietet, bei denen man gebannt auf den Knall wartet, unterstreicht diese Qualität nur. Auch im Finale ist es wieder eine Verkehrung, die Arnies Sieg ermöglicht: nicht etwas eine noch bessere Waffe übertrumpft den außerirdischen Jäger, sondern Schlamm und ein Baumstamm besorgen dies. Hälftig Glück und hälftig Zufall versetzen Dutch in die Lage, sich des Predatoren zu erwehren und ermöglichen es McTiernan einen visuell gelungenen, in seiner zeitlichen Ausdehnung eventuell etwas zu ausführlichen Abschluss zu formulieren.

Es darf dabei getrost als Ironie angesehen werden, dass sich diese Verkehrung der Genrekonventionen unter einer überaus dicken Schicht an Genrestandards verbirgt. Ab der ersten Minute haut einem der Streifen nämlich die testosterongeschwängerten Oneliner nur so um die Ohren und geizt nicht mit stereotypen Aufnahmen seiner muskelbepackten Hauptdarsteller. Diese eiern zunehmend leichtbekleideter durch den Wald und pöbeln und fluchen in einer Tour. Als einzige Frau darf/muss sich Elpidia Carrillo unter diesen Herren bewegen, doch sowohl inhaltlich als auch bezüglich der Präsenz bleibt ihr keine Chance. Letztendlich bietet PREDATOR so nicht nur für den Anhänger der 80er-Action beste Unterhaltung, sondern auch für filmhistorisch interessierte Zeitgenossen – und erfüllt somit völlig die eingangs erwähnte Rolle als einer der Gradmesser des Wandels des Actiongenres am Ende der 80er Jahre.

7 Antworten zu “PREDATOR

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