KARATO – SEIN HÄRTESTER SCHLAG

Karato – Sein härtester Schlag
Hong Quan Xiao Zi | Hongkong | 1975
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Kwan Feng (Alexander Fu Sheng) kommt in ein Dorf und trifft dort seinen alten Kumpel Hwang Han (Chi Kuan-Chun), der sich in einer Weberei verdingt. Kwan heuert ebenfalls in der Weberei des Unternehmers Ho (Lu Ti) an und arbeitet sich schnell nach oben. Doch dann wird er übermütig, was ihn zu einem leichten Ziel für Ko Hu Po (Chiang Tao), den Besitzer einer konkurrierenden Weberei, macht.

Seit seinem Debut im Alter von 18 Jahren in FOUR RIDERS (1972) in Form einer belanglosen Nebenrolle hatte der aufstrebende Kung Fu-Kämpfer Alexander Fu Sheng sämtliche seiner Auftritte für die Shaw Brothers stets unter der Regie von Ausnahmeregisseur Chang Cheh absolviert. Im Alter von 21 Jahren sollte KARATO – SEIN HÄRTESTER SCHLAG dann bereits Fu Shengs zwölfte Zusammenarbeit mit Cheh darstellen; und während es sich zuvor meist um ordentliche Eastern-Unterhaltung handelte, die Fu Sheng allerdings allzu häufig in etwas übermäßig alberner Darbietung präsentierte, sollte das von Cheh und Ni Kuang, der drei Jahre später auch am Skript zu DIE 36 KAMMERN DER SHAOLIN (1978) beteiligt sein sollte, stammende Drehbuch diesmal eine deutlich ernstere Handlung und Charakterzeichnung vorsehen.

Typ: Du hast noch nie die jungen Mädchen probiert, oder?
Kwan: Probiert? Soll ich die essen?!

Und tatsächlich tendierte Fu Sheng hier nur sehr selten zu albernen Minen und dümmlichen Scherzen. Stattdessen präsentiert Cheh hier erstaunlich viel Charaktertiefe und -entwicklung. Allem voran ist es der Werdegang von Fu Shengs Rolle Kwan Feng, die begeistert. Obgleich die korrumpierende Wirkung von Macht nun wahrlich nichts Innovatives ist, so ist es innerhalb eines Eastern doch ein selten gesehenes Schauspiel, dieser Entwicklung beizuwohnen. Und sowohl enge Freund Hwang Han als Ruhepol und Erdung des Ganzen als auch der menschenverachtende Webereiboss Ho, der ein Grillenleben dem eines Menschen eiskalt vorzieht, machen die Charaktere im Film zu unerwartet facettenreichen Beispielen ihrer Art.
Die durchaus spannende Geschichte wird von Chang Cheh unter Mitarbeit von Kameramann Kung Mu-To dann auch dementsprechend ruhig und überlegt dargebracht. Immer wieder lässt sich der Film Zeit, die Handlungssequenzen in Ruhe vorzubereiten und nicht übereilt zu verfackeln. So wirken die Martial Arts-Szenen dann auch umso kraftvoller, unterbrechen sie die Handlung doch in wohlgetimten Abständen.

Und weil Alexander Fu Sheng und Chi Kuan-Chun hier wirklich feine, ebenso schnelle wie trickreiche Kampfkunst präsentieren, sorgen die Action-Einstellungen auch für genügend Abwechslung zwischen den Story-Sequenzen. So entsteht ein gut funktionierendes Gleichgewicht, welches sowohl dem Inhalt als auch dem Gekloppe gerecht wird. Interessant ist auch zu sehen, dass Chang Cheh hier erneut das von ihm bereits zuvor eingesetzte Stilmittel der schwarz-weißen Kämpfe anwendete. Denn diejenigen Auseinandersetzungen, in denen Kunstblut fließt, werden monochrom dargeboten und somit deutlich entschärft. So macht der ansonsten für seine expliziten Darstellungen bekannte Cheh noch mal deutlich, welche Schwerpunkte er bei dieser Produktion setzte.

Kwan: Wunderschön, und sie geht sogar richtig, Ko Hu Po. Sie sagt mir auch, dass es Zeit für dich ist, Zeit zu sterben!

Wie erwähnte achtet auch Fu Sheng auf diese Ausrichtung und agiert hier im Gegensatz zu seinen frühen Werken überwiegend ernst. Natürlich bleibt er ein Schelm, dessen Grinsen trotzdem hier und da aufblitzt, aber im Großen und Ganzen spielt er erstaunlich bodenständig. Und da Chang Cheh stets auf Schauspieler-Teams setzt, ist auch Chi Kuan-Chun erneut mit von der Partie. Die beiden waren schon in DIE GNADENLOSEN FÜNF (1974) zusammen zu sehen und bildeten in MEN FROM THE MONASTERY (1974) und SHAOLIN MARTIAL ARTS (1974) bereits ein Duo. Hier gibt Kuan-Chun den stillen Part, der erst kurz vor Ende in Rage gerät. Als Antagonist hält der ebenfalls in den eben erwähnten drei Werken zu sehende Chiang Tao die Rübe hin, allerdings ist seine Rolle mehr auf Niedertracht und Hinterlist ausgelegt, denn auf brachiale Kampfaction.
Diese bleibt den beiden Protagonisten vorbehalten, die den geneigten Eastern-Freund dann auch mit einer ausreichenden Menge an gekonnter Keilerei versorgen; dargeboten übrigens in recht rudimentären aber nichtsdestotrotz hübschen Kulissen. Zusammen mit einem sehr gelungenen Soundtrack aus der Feder von Chen Yung-Yu, der sich ebenfalls seit dem Anfang des Jahrzehnts an allen möglichen ähnlich gelagerten Werken beteiligte, entsteht so äußerst schmissige Eastern-Unterhaltung, die zwar den ganz Großen nicht das Wasser reichen kann, sich aber auch wahrlich nicht zu verstecken braucht; und die Alex Fu Sheng und Chi Kuan-Chun nebenbei zu einem gefeierten und erfolgreichen Duo machte.

Manchmal reicht schon eine unscheinbare Änderung, um einen durchschnittlichen Genrefilm zu einem guten zu machen. In diesem Falle ist es die Entscheidung, den Charakteren sowohl etwas Hintergrund als auch etwas Entwicklung zuzugestehen, die die schmissigen Chang Cheh-Eastern zu einem tollen Vertreter seiner Art macht.

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