EIN HAUFEN VERWEGENER HUNDE

Ein Haufen verwegener Hunde
Quel maledetto treno blindato | Italien | 1978
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Ein Haufen Delinquenten unter der Führung von Lt. Robert Yeager (Bo Svenson) desertiert im Europa des Zweiten Weltkriegs und schlägt sich hinter den feindlichen Linien alleine durch. Doch durch einige Zufälle kommt es dazu, dass diese Gruppe für Col. Buckner (Ian Bannen) einen Geheimauftrag erledigen soll.

Enzo G. Castellari hatte gerade mit KEOMA – DAS LIED DES TODES (1976) sowie den zwei Polizieschi RACKET (1976) und DEALER CONNECTION – DIE STRAßE DES HEROINS (1977) gezeigt, was in ihm steckt, als er auch schon auf der Suche nach neuen Spielarten des Unterhaltungskinos war. Robert Aldrichs DAS DRECKIGE DUTZEND (1967) war für Castellari seit jeher ein Meilenstein der Filmgeschichte und gut eine Dekade später sollte der Regista dann seine Version dieser Story auf den Weg bringen. Dazu heuerte er eine Truppe von zeitweise bis zu fünf Autoren an, die ihm ein deutlich vom großen Vorbild inspiriertes Drehbuch zimmern sollten.
Neben Sergio Grieco, Laura Toscano und Franco Marotta waren auch Sandro Continenza, der schon am Skript zu Jorge Graus DAS LEICHENHAUS DER LEBENDEN TOTEN (1974) mitgearbeitet hatte, und Romano Migliorini, der für Mario Bavas DIE TOTEN AUGEN DES DR. DRACULA (1966) geschrieben hatte, mit an Bord. Diese Autorenphalanx nahm sich dann das Konzept der Spezialauftrags hinter feindlichen Linien und bastelte um dieses Grundgerüst herum einen Exploitation-Reißer feinster Machart.

Typ: Was sind das den für zwei?
Kerl: Zwei verdammte Hurensöhne …

Während Aldrich in seinem Film haarklein den Werdegang und die Motivationen seiner Recken skizziert, knallt einem Castellaris Film einfach die Tatsachen vor den Latz; Die Desserteure werden im Zujge dessen mal eben zu Heroen umfunktioniert. Dass sie – neben ihren vorherigen Vergehen, die sie erst zu Flüchtigen machten – dazu bereits mehrere Dutzend einiger Männer abgeknallt haben, ist ebenso unwichtig wie die Tatsache, dass den Typen die grundlegenden Fähigkeiten zur Ausführung des Auftrags fehlen. Col. Bruckner ist also entweder sehr freundlichen oder sehr dämlich; macht aber alles nichts, denn der Film lässt sich in seinem Tun nicht beirren.
Da werden dann auch gerne mal barbusige Damen eingebaut, die mit Maschinenpistolen um sich ballern oder allerlei andere humorvoll-abwegige Situationen. Andauernd begeben sich die Protagonisten bereitwillig in die Hände der Antagonisten, nur um ihnen dann Minuten später wieder lachend zu entfliehen. Gefahr besteht fast nie für die Heroen, die Nazis dienen nur als Staffage.

Und dieser Umstand verweist auch auf eine der zentralen Eigenschaften des Films, denn wie auch beispielsweise Andrew V. McLaglens DIE WILDGÄNSE KOMMEN (1978), markiert Castellaris Film einen Wandel innerhalb des Genres Kriegsfilm. Denn bevor Coppola ein Jahr später mit APOCALYPSE NOW (1979) ein Jahrzehnt des Antikriegsfilms initiieren sollte, beförderten Filme wie EIN HAUFEN VERWEGENER HUNDE eine unterhaltungsorientierte Mixtur aus Abenteuer- und Kriegsfilm. So rücken historischer Kontext und Ernsthaftigkeit zu Gunsten von Spaß und Abwechslung in den Hintergrund. Die Eroberung einer Nazi-Festung verkommt so zum spaßigen Herumalbern und viel zu oft agieren die Protagonisten allzu leichtmütig und fröhlich innerhalb der Kriegswirren. Die bereits erwähnten Damen treiben diesen Umstand auf die Spitze.

Nick: Tony, warst du wirklich bei Bob Costello?
Tony: Klar, ich war seine recht Hand.
Nick: Mit der rechten hat er sich doch den Arsch abgewischt, deswegen riechst du auch so komisch!

Natürlich schlägt sich diese exploitativ-unterhaltsame Ausrichtung auch in der Besetzung wieder. Bo Svenson darf hier seine spätere Action-Karriere begründen und überzeugt mit seiner weithin bekannten Mischung aus Grinsen und Ballern. Ihm zur Seite stehen dann verschiedene Comic Reliefs, die für zahlreiche Lacher sorgen. Allen voran muss Blaxploitation-Ikone Fred Williamson genannt werden, die hier im Minutentakt aus der Hüfte ballern um die Ecken stürmt. Michael Pergolani darf als Gadget-Fachmann und Sprücheklopfer Nick ebenfalls nicht unerwähnt bleiben und Peter Hooten bedient als intriganter Tony die ungemütliche Seite. Trotzdem bleibt auch seine Rolle letztlich immer positiv und so trägt der humorvoll überzeichnet Cast seinen Teil zum Stil des Films bei.
Komponisten-Legende Francesco De Masi unterlegt das alles dann mit einem schmissigen und tragenden Score und die Abteilung Spezialeffekte sorgt für einige nette Explosionen und Einschusslöcher. Castellari inszeniert gewohnt kompetent und sorgfältig und macht den Streifen so zu einem unfassbar abwechslungsreichen und flotten Spielfilmerlebnis. Denn wenn man erst mal den unkompliziert exploitativen Stil des Streifens verstanden hat, dann steht wahrlich unbekümmerter Unterhaltung nichts im Wege.

Großartige Kriegs-Exploitation, die Abenteuer, Action und Unfug perfekt miteinander verquickt. Dazu kommen Castellaris tolle Inszenierung und eine durch die Bank treffliche Besetzung; und so kann Krieg doch tatsächlich Spaß machen …

7 Antworten zu “EIN HAUFEN VERWEGENER HUNDE

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