Footloose
Footloose | USA | 1984
IMDb, OFDb, Schnittberichte
Während NUR SAMSTAG NACHT (1977) und GREASE – SCHMIERE (1978) ihre Tanzdarbietungen noch in klassischen Tanzsettings wie Diskotheken sowie Tanzschulen und -wettbewerben stattfinden ließen, bedienten sich FLASHDANCE (1983) und STAYING ALIVE (1983) bereits einer neu aufkommenden Ästhetik: der des Musikvideos. Die Gründung des Musiksender MTV im Jahre 1981 färbte spürbar auf die Tanzfilmwelt ab und drängte Storylines und Figuren (noch weiter) in den Hintergrund. Zu dieser Strömung zählt auch FOOTLOOSE von Herbert Ross, der mit AM WENDEPUNKT (1977), einem Ballett-Drama, bereits grundlegende Erfahrung in diesem Genre gesammelt hatte.
Das von Autor Dean Pitchford formulierte Skript bedient sich dabei eines (teilweise dem realen Vorbild der US-amerikanischen Kleinstadt Elmore City folgenden) Konflikt zwischen Kirchen- und Stadtoberen, die Tanz und Musik verbieten und deren Kindern, die dagegen aufbegehren. Geführt werden letztere von Ren McCormack, in dessen Rolle Kevin Bacon nach Nebenrollen in FREITAG DER 13. (1980) und AMERICAN DINER (1982) seine erste große Darbietung abliefern darf. Und auch wenn man ihm die Rolle des begehrten Schönlings irgendwie nicht so ganz abnehmen mag, macht er seinen Job als aufmüpfiger Großstädter doch recht ordentlich. Und so entwickelt der Film in der ersten halben Stunde tatsächlich einen zwar altbekannten und recht stereotypen Konflikt, der den Film aber trotzdem ordentlich vorwärtstreibt. Maßgeblichen Anteil daran hat neben Bacon auch Lori Singers Figur Ariel, die als Tochter des erzkonservativen Priesters Shaw Moore (John Lithgow) gegen die gesellschaftlichen Konventionen kämpft. Dabei geht sie unnötige Risiken ein, hört verbotene Musik, schläft mit verschiedenen Dorfburschen und prügelt sich gar mit einem davon. Ihr Zusammentreffen mit Ren entfaltet ungeahnte Energie – bis das Skript sich dann plötzlich dazu entscheidet, sich doch dem inhaltsbefreiten Weg der oben erwähnten Musikvideos zu verschreiben.
Denn im Augenblick des größten Konflikts knickt der Film ein. Ren zitiert aus der Bibel einige Pro-Tanz-Passagen und besänftigt somit die Altvorderen. Moores folgende Selbsterkenntnis wird durch eine aberwitzige Szene dargestellt, in der er seine Schäfchen von einer völlig grundlosen Bücherverbrennung abhält. Warum die Bürger das tun? Was sie damit bezwecken? Egal, Hauptsache Moore darf zeigen, dass er geläutert ist. Das alles passiert eine halbe Stunde vor Schluss und ab diesem Moment eiert der Film einfach mit einem debilen Grinsen seinem Finale entgegen. Es gibt keine Probleme mehr, keinen Konflikt (von Chucks albernem Kurzauftritt abgesehen), alles sind happy, es muss nur noch getanzt werden.
Doch dann packt Herbert Ross ein weiteres Mal jenen Joker aus, mit dem schon so mancher Tanzfilm seine Schwächen kaschiert hat: die Musik und ihre Inszenierung. Durch den ganzen Film hinweg liefert Ross grandiose Sequenzen ab. Das Intro zu Kenny Loggins Footloose ist ein Klassiker und die Szene, in der Chuck und Ren mit Baggern aufeinander zu rasen und dabei Bonnie Tylers Holding Out for a Hero dröhnt, würde sich wohl auch nicht jeder andere Regisseur so trauen. Und das Finale, in dem auch der in diesem Film durchweg supercoole Chris Penn als Willard endlich seine erworbenen Tanzkünste zeigen kann, toppt dann noch mal alles. Letztlich ist FOOTLOOSE einer dieser Film, denen man ihre 75 mäßigen Minuten locker verzeiht, wenn das Intro und das Finale über die Mattscheibe scheppern – muss es eben auch geben.