FREITAG DER 13.

Freitag der 13.
Friday the 13. | USA | 1980
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Alice (Adrienne King) will mit einigen Freunden und Bekannten im Sommercamp von Steve (Peter Brouwer) arbeiten, um ein bisschen Geld zu verdienen. Doch noch bevor die Saison beginnt, kommt es zu mysteriösen Todesfällen und schnell stellt sich heraus, dass das Camp eine dunkle Vergangenheit hat.

Bereits 1972 war Sean S. Cunningham als Produzent an Wes Cravens Terror-Klassiker DAS LETZTE HAUS LINKS beteiligt. Sechs Jahre später verfolgte er dann den überraschenden Erfolg von John Carpenters HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS und erkannte in dessen Wirkung die Möglichkeit, mit einem ähnlichen Konzept eine Stange Geld zu verdienen, um damit wiederum andere Projekte finanzieren zu können. Zusammen mit Alvin Geiler und Steve Miner erwirkte Cunningham dann ein Budget von rund 550.000 US-Dollar und erst nachdem die Finanzen sichergestellt waren, ging er zusammen mit Ron Kurz und Victor Miller daran, ein Skript anzufertigen.
Dieses orientiert sich klar an Carpenters großen Vorbild, verquickt diese Grundkonzept aber mit der ländlichen Idylle, die bereits in dem erwähnten DAS LETZTE HAUS LINKS oder Meir Zarchis Rape-and-Revenge-Grundstein ICH SPUCK AUF DEIN GRAB (1978) zu sehen war. So wird Carpenters modernes Vorgehen, das Grauen in die Vorstadt und somit in die räumliche Nähe des Rezipienten zu holen, konterkariert und stattdessen dient wieder eine abgelegene Fremde als Schauplatz. Diese Entscheidung ist wahrscheinlich auch dem Budget geschuldet, denn erklärtes Ziel des Films war es nun einmal, bei möglichst geringem Aufwand einen möglichst großen Gewinn zu erzielen.

Jack: Wenn du ein Eis wärst, wie würdest du dann schmecken?
Alice: Hm, nach Sauerampfer!

So nutzt der Streifen dann auch fast ausschließlich ein abgelegenes Camp in New Jersey als Schauplatz und fällt optisch so höchst spartanisch aus. Wo Carpenter die Vorstadt selbst zum Leben erweckt und die weitläufigen Straßenzüge mit Schrecken auflädt, nutzt Cunningham die dunklen Wälder und einsamen Hütten des Sommerlagers. Dabei ist er zusammen mit Kameramann Barry Abrams aber durchaus geschickt und sorgt so durchweg für Abwechslung und Kurzweil.
Und obwohl das Drehbuch überwiegend überraschungsarm und belanglos daherkommt, schafft es der Film so, einen funktionierenden Spannungsbogen zu errichten. Lediglich der etwas zu langwierige Finalkampf bremst den Streifen dann nochmal spür aus, aber davon abgesehen erzeugt Cunningham eine erstaunlich hohe Geschwindigkeit der Geschehnisse.

Mit dafür verantwortlich sind sicherlich die zahlreichen blutigen Spezialeffekt, für die Make-Up-Spezialist Tom Savini verantwortlich zeichnet. Dieser genoss spätestens seit seiner Arbeit für Romeros ZOMBIE (1978) höchstes Ansehen, was er zwei Jahre später dann auch wieder unter Beweis stellen sollte. Denn trotz des begrenzten Budgets und der teilweise unzureichenden Arbeitsbedingungen vor Ort, gelingen Savini durchweg überzeugende Effekte. Da diese im Gegensatz zum weitestgehend blutfreien HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS auch explizit gezeigt werden kann man dem Film übrigens ohne Weiteres bescheinigen, dass er an dieser Stelle eine Vorreiterrolle innerhalb des Slasher-Genres einnimmt; vorausgesetzt man klammert Mario Bavas ebenfalls sehr brutalen, aber eben nicht klassisch-amerikanischen IM BLUTRAUSCH DES SATANS (1971) aus). Das Bavas Werk nicht spurlos an Cunningham vorbeigegangen sein dürfte, ist hingegen auch klar ersichtlich.
Aber auch einige andere Elemente finden hier Eingang in die Genre-Statuten. Der Besuch einer einheimischen Lokalität, im Zuge derer Warnungen und Andeutungen ausgesprochen werden (Inspiration war hier augenscheinlich Cravens HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN (1977)) ist in den nächsten Jahren ebenso Standard, wie der verwirrte Einzelgänger oder natürlich die grundsätzliche Dümmlichkeit der Protagonisten, die den Zuschauer per aktiver Rezeption der begangenen Fehler zur Empathie anregt. Die geistige Verwirrung von Pamela Voorhees letztlich verweist deutlich auf Alfred Hitchcocks PSYCHO (1960).

Annie: Hey, ich weiß, was wir tun. Wir spielen Monopoly.
Alice: Ich hasse Monopoly.
Annie: Nicht, wenn du es so spielst, wie ich es spiele.
Bill: Und wie?
Annie: Wir spielen Strip-Monopoly, das macht Laune!

In Anbetracht dieser engen Verknüpfungen mit anderen Werken sieht sich der Film bis heute einer zwiespältigen Rezeption ausgesetzt. Während ihn die einen als billigen Abklatsch von Carpenters Klassiker ansehen, der frei von Inhalt und Anspruch ein wenig Gewinn zu generieren versucht, sehen andere genau in dieser Simplifizierung sowie der Beimengung anderer bereits bekannter Strukturen den entscheidenden Startschuss des in den 80er Jahren florierenden (Teenie-)Slasherfilms. Was davon stimmt, hängt sicherlich stark von der Perspektive und der persönlichen Erfahrung ab, es lassen sich für beide Positionen durchaus nachvollziehbare Argumente anführen. Eine ebenso exponierte Position innerhalb des Genres als auch ein durchaus vorhandener Blaupausen-Charakter des Films lassen sich jedoch nicht in Abrede stellen.

Dass der Streifen vor allem als den Zuschauer schockierende Aneinanderreihung von blutigen Morden konzipiert war, zeigt sich dann auch in der Besetzung. Denn Cunningham besetzt fast ausschließlich Laiendarsteller oder Einsteiger. Hauptrolle Adrienne King kann da mit ihren ungenannten Nebenrollen in NUR SAMSTAG NACHT (1977) und HAIR (1979) schon die massivste Erfahrung vorweisen, die übrigen Mimen geben ihr Bestes, sind jedoch in ihrem Können arg limitiert. Das gilt auch für Kevin Bacon, für den dieses Engagement jedoch nicht das letzte darstellen sollte; von einem denkwürdigen Früh-Auftritt ist er trotzdem weit entfernt.
Eine Ausnahme stellt da die US-amerikanische TV-Berühmtheit Betsy Palmer dar, die hier die Antagonistin gibt. Obwohl auch ihre Rolle nicht allzu viel schauspielerisches Talent einfordert, merkt man ihr doch an, dass sie die mit Abstand erfahrenste Darstellerin im Cast ist. Palmer wollte nach einer ersten Lesung des Drehbuchs eigentlich gar nicht mitspielen, da sie den ganzen Film für unsäglich schlecht hielt, war allerdings durch finanzielle Nöte zur Mitarbeit gezwungen.

Marcy: Er ist ein Tier … aber mehr ein Haustier …

Auf deutlich höherem Niveau bewegt sich Harry Manfredinis Musik, die des Films Atmosphäre trefflich unterstützt. Schon die Begleitung des Vorspanns fällt durch ihre passende Atonie auf und im Film nutzt Manfredini Ton und Klang immer wieder geschickt um Spannung auf- und abzubauen. Die generelle Abwesenheit von Musik zugunsten der Geräuschkulisse stellt dabei einen geschickten Kniff dar, der Abgeschiedenheit und Bedrohung hörbar werden lässt.
Nach seiner Veröffentlichung erzielte der Film dann ungeahnten finanziellen Erfolg und übertraf die Erwartungen aller Beteiligten bei Weitem. Allein in den USA spielte der Streifen knapp 40 Millionen US-Dollar ein und löste somit eine unüberblickbare Welle an ähnlich gelagerten Werken aus. Im Gegensatz zu Carpenters Films zeigte Cunninghams Werk nämlich ungeschönt, dass es auch ohne großes Konzept und mit geringsten Mitteln möglich war, einen Teil vom großen Slasher-Kuchen zu ergattern. Und neben zahlreichen Epigonen sollte in den nächsten Jahren zuerst Produzent Steve Miner für weitere FREITAG DER 13.-Filme sorgen bevor dann zahlreiche andere Filmschaffende dieses Feld beackerten. So entstand über Jahre hinweg die quantitativ umfangreichste Horror-Serie, die bis heute zu den unumwundenen Aushängeschildern des Genres zählt. Und ihr 1980 veröffentlichter Startschuss gehört folglich ebenfalls zu den zentralen Werken desselben.

Trotz schauspielerischer Magerkost und einiger dramaturgischer Schwächen zählt der Film auch heute noch zu den besten seiner Zunft. Davon ab ist er von prototypischem Charakter für das folgende Jahrzehnt an Slasherfilmen.

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