GREASE – SCHMIERE

Grease – Schmiere
Grease | USA | 1978
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Nach JESUS CHRIST SUPERSTAR (1973) oder natürlich THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW (1975) war es für den bis dahin als TV-Filmer tätigen Randal Kleiser natürlich eine recht sichere Bank, mit einem weiteren Musical-Film in Fach der Spielfilm-Regisseur überzuwechseln. Und obschon GREASE – SCHMIERE weder die religiöse noch die heteronormative Welt herausforderte, wurde er mit rund 400 Millionen US-Dollar Boxoffice zu einem nochmal ungleich größeren Erfolg als die beiden Genrekollegen. Oder vielleicht auch, weil er eben niemanden so offensichtlich herausforderte?

Die weit überwiegende Anzahl der Rezeptionen behandelt GREASE – SCHMIERE als Kultfilm, der qua seiner flotten Musikauswahl für gute Laune sorgt. Die Figuren sind liebgewonnene Jugendfreunde, die einzelnen Titel sind mit Erinnerungen verknüpft, die flotten Sprüche der Protagonisten ins eigene Vokabular übergegangen. Die quietschbunten Sets wecken Erinnerungen an eine Zeit, die zwar viele nicht selber erlebt haben, die hier aber eben prototypisch gezeichnet wird – bis hin zur Überbetonung der Pomade, der Kämme und der Lederjacken. Und natürlich gehören zu dieser Welt auch pöbelnde Jungspunde, die Verharmlosung von Mobbing, sexistischer Quatsch und der allgegenwärtige Zwang, seine Männlichkeit unter Beweis zu stellen. Zu Beginn wirkt der Film tatsächlich wie ein verträumter Rückblick …

… und wirft damit die Frage auf, was er im Jahr 1978 zu suchen hat. Am Ende eines Jahrzehnts, das vom Aufstieg des beißend-realistischen New Hollywood geprägt war, das eine Horror-Novellierung von Cravens DAS LETZTE HAUS LINKS (1972) bis Carpenters HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS (1978) erlebt und dessen Beginn Reagan als Gouverneur und dessen Ende ihn als Präsident durchgemacht hatte. Und dann tanzende Kids im 50ies-Wonderland? Doch mit Beginn der zweiten Filmhälfte legt der Film seine parodischen Karten – die er wohl von der Theatervorlage übernommen hat – dann auf den Tisch. Danny wankt völlig überzeichnet durch die Sets, Moderator Vince Fontaine parodiert im Alleingang das gesamte US-amerikanische TV-Wesen und die Direktorinnen der Highschool zappeln fröhlich mit. Überall wird nur noch gewippt und geschnipst; alles grinst, ein einziger Überschwang. Kleiser zeichnet hier das Bild einer naiv-fröhlichen Epoche, die für die US-Amerikaner*innen der ausgehenden 70er Jahre wie von einem anderen Stern gewirkt haben muss. Kaum vorstellbar, wie die Kinozuschauenden nach der Vorstellung wieder auf der 42nd Street hinausgetreten sind, um sich vorbei an Elend und Kriminalität in ihre Viertel zu begeben. In meinen Augen ermöglichte nur diese grenzenlos parodische Anlage den Erfolg des Films – wenn Kleiser die 50er als „gute alte Zeit“ gezeigt hätte, hätte das keiner sehen wollen – aber sich anzusehen, wie verballert die 50er Jahre waren, hat wohl auch in den 70er Jahre Spaß gemacht.

4 Antworten zu “GREASE – SCHMIERE

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