FLASHDANCE

Flashdance
Flashdance | USA | 1983
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Alex Owens (Jennifer Beals) ist 18 Jahre alt, lebt in Pittsburgh und will Tänzerin werden. Doch ihr fehlt der Mut, sich an der städtischen Akademie zu bewerben und stattdessen jobbt sie als Schweißerin und Nachtclubtänzerin. Erst als sie ihren Arbeitgeber Nick Hurley (Michael Nouri) trifft und sich zwischen den beiden eine Romanze entwickelt, kommt wieder Bewegung in die Sache.

NUR SAMSTAG NACHT (1977) hatte die Kinosäle mit schwingenden Hüften beeindruckt, DIRTY DANCING (1987) sollte noch etwas auf sich warten lassen, da trat der Regisseur Adrian Lyne an, dem Tanzfilm einen weiteren – heute durchaus prominenten – Vertreter zu bescheren. Lyne hatte zuvor mit dem Drama JEANIES CLIQUE (1980) auf sich aufmerksam gemacht und sollte seinen Namen ab der zweiten Hälfte der 80er Jahre mit Titeln wie 9 1/2 WOCHEN (1986), EINE VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE (1987) oder JACOB’S LADDER – IN DER GEWALT DES JENSEITS (1990) fest im kollektiven Gedächtnis Hollywoods verankern. Zuvor ließ er sich aber von Joe Eszterhas, der bis dato lediglich den Stallone-Kracher F.I.S.T. – EIN MANN GEHT SEINEN WEG (1978) geschrieben hatte, und Thomas Hedley Jr., auf dessen Konto bis dahin einige mäßige Thriller gingen, ein Drehbuch schreiben, dass – produziert von den nicht gänzlich unbekannten Herren Don Simpson und Jerry Bruckheimer – den Weg einer Außenseiterin zur Tanzikone schildert.

Ritchie: Weißt du, irgendwann mal möchte ich sein wie Richard Pryor, Eddie Murphy, Steve Martin. Ja und bis es soweit ist, werde ich …
Alex: … wirst du ihnen weiter ihre Witze klauen, nicht wahr?

Und leider ist dieses Drehbuch auch sogleich des Films größtes Manko. Denn es bedarf kaum einer eingehenderen Betrachtung, um zu erkennen, dass die Storyline so dünn ist, wie die Kostüme, die Alex und ihre Mädels im Nachtclub zu tragen pflegen. Dass die Handlung dann auch noch mit der Aufnahme in die Tanzschule endet, Alex‘ Wirken dort also unbekannt (und belanglos) bleibt, schlägt dem Fass wahrlich den Boden aus. Aber auch bis dahin gelingt es dem Skript nie, Spannung oder Relevanz zu erzeugen. Es gibt keinen Konflikt, Alex ist nie wirklich in einer Problemlage, es passiert schlicht nichts. Die Großmutter, die auf dem Eis scheiternde Freundin, der entertainende Koch oder auch der väterliche Liebhaber, keine dieser Rollen wirkt in irgendeiner Weise auf die Protagonistin ein oder ändert etwas an ihr. So plätschert der Film einfach als belanglose Erzählung vor sich hin.

Noch ärgerlicher ist das, weil die Charaktere durchaus trefflich besetzt sind. Hauptrolle Jennifer Beals gibt hier ihr bildhübsches Debut, bei dem man ihr das äußerlich kecke, innerlich zerbrechliche Mädel jederzeit abnimmt. Michael Nouri darf als irritierend väterlicher Liebhaber (was natürlich nicht weiter thematisiert wird) ebenfalls recht passabel mimen und Kyle T. Heffner gibt einen ordentlichen Sidekick Richie. Lilia Skala und Sunny Johnson geben nette 80er-Mädels ab und Lee Ving unterhält als schmieriger Zuhälter Johnny. Allen gemein ist jedoch, dass sämtliche Rollen massiv unter der dünnen Geschichte zu leiden haben, da alles, was sie tun, zusammenhang- und belanglos wirkt.

Nick: Wenn man seine Träume verliert, stirbt man.

Was hat den Film also zu einem Erfolg gemacht? Zum einen seine Inszenierung und zum anderen seine Musik. Der gesamte Film funktioniert wie ein Musikvideo, welches seinem Betrachter in äußerst regelmäßigen Abständen schmissige vertonte Tanzeinlagen kredenzt. Nach kurzen Dialogen kommt es stets zu Sequenzen, in denen die Darstellerinnen ihr tänzerisches Können schnell geschnitten darbieten. Diverse Licht- und Spezialeffekte verstärken diesen Eindruck und natürlich liegt unter den Bildern immer der schwungvolle Klang des berühmt gewordenen Soundtracks. Irene Caras Flashdance … What a Feeling, aber auch Michael Sembellos Maniac oder Donna Summers On the Radio sorgten nicht nur dafür, dass der Streifen einen Academy Award für Caras Beitrag erhielt, sondern verankerten zumindest den Sound des Films für die Ewigkeit im popkulturellen Gedächtnis.
Und es sind auch diese Sequenzen, die diesen unverfälschten Charme der 80er Jahre so formvollendet wiedergeben, die dem Film auch heute noch eine Daseinsberechtigung verschaffen. Toupierte Haare und Neonfarben, ausgestellte Schultern und Karottenhosen, Damenanzüge und New-Wave-Musik: Freund dieses Jahrzehnts können sich in den tollen Bildern, die der Streifen regelmäßig zu bieten hat, verlieren; alle anderen werden ob der noch nicht einmal als Alibi zu bezeichnenden Geschichte erschreckt abschalten.

Eine jeden Inhalts bare Zelebration der Musikvideo-Kultur der 80er Jahre. Musik, Tanz, toupierte Haare und Neonlicht verschmelzen hier zu einem Stück Zeitkolorit, das Anhänger mit Leichtigkeit begeistert und Nicht-Anhänger ebenso gewandt vergrault.

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2 Antworten zu “FLASHDANCE

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