KUNG FU HUSTLE

Kung Fu Hustle
Gong Fu | China/Hongkong | 2004
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Mittels eines zerstörten Balls wird der Kleinkriminelle Sing eingeführt. Dargestellt wird er von Stephen Chow, der gleichzeitig Regie, Drehbuch und Produktion unter seinen Fittichen hat. Der Ball verweist auf Chows großen Erfolg SHAOLIN KICKERS (2001), bei dem er ebenfalls darstellte, schrieb und Regie führte. Da auch die übrigen Beteiligten überwiegend beibehalten wurden, ist die (in der englischen Synchronisation mit No more soccer! kommentierte) Zerstörung des Balls nötig, um von Beginn an klarzustellen, dass es sich bei KUNG FU HUSTLE mitnichten um eine Fortsetzung des Hits von 2001 handelt. Warum man das trotz des gänzlich anderen Settings vermuten könnte? Weil Chow seinen Film erneut auf dem kantonesischen Humor-Konzept Mo lei tau – einer Mixtur als Slapstick, Wortspielen und überzeichneter Kampfkunst – aufbaut.

Die Story rückt dabei relativ weit in den Hintergrund. Der Kleinkriminelle Sing (Stephen Chow) und sein Kumpel Gu (Lam Tze-chung) geraten in Konflikt mit der Axt-Gang, die Hongkong terrorisiert. Schließlich weisen die Vermieterin (Yuen Qiu) und der Vermieter (Yuen Wah) einer kleinen Siedlung die Gang in ihre Schranken, die sich daraufhin Hilfe vom Biest (Leung Siu-lung), einem unbesiegbaren Kung Fu-Meister holt. Am Ende ist es Sing, der sich dem Biest stellen muss.

Schon die grandiose Exposition weist Chos Stil deutlich aus. Slapstick und (meist nicht ins Deutsche übersetzte) Wortspiele bestimmen das Bild der ärmlichen Siedlung, einfallsreiche Kamerafahrten und ein paar digitale Effekte geben dem Ganzen einen comic-haften Look. Diesem simplen, aber zufriedenen Idyll steht das Hongkong der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts gegenüber. Der Axt-Anführer Sum (Chan Kwok-kwan) wird in einer eleganten Straßenschlucht eingeführt, die von Reichtum aber auch Verdorbenheit zeugt. Gemischt wird das mit etwas enthobenen Bildern; etwa, wenn die Zuschauenden auf eine Psychiatrie blicken, über der sich der Himmel in Unheil dräuend auftut oder Sing in einer Flamme durch den Himmel schießt.

Überhaupt schreckt Chow nicht vor derart überzeichneten Ideen zurück: Zwei Unholde verschießen mithilfe eines Saiteninstruments tödliche „Kräfte“, eine Verfolgungsjagd sorgt für comicreif rotierende Beine oder Füße werden so plattgetreten, dass sie jeder Ente zu Ehre gereichen würden. Derartigen Humor muss man mögen, Chows Film ist von ihm durchtränkt. Der Spaß geht dabei eine Verbindung mit der Kampfkunst ein und bildet eine nicht mehr trennbare Symbiose. In KUNG FU HUSTLE können fantastisches Kämpfen und infantiler Quatsch innerhalb von Sekunden aufeinanderprallen – ohne dass sie sich gegenseitig die Wirkung rauben würden. Hier liegt eine der großen Qualitäten des Films.

An den Kämpfen dürften sich hingegen die Geister scheiden. Wer auf harte, bodenständige Kampf-Choreographien steht, der könnte mit den Darbietungen so eine Probleme haben. Vor allem der umfangreiche CGI-Einsatz aber auch der erwähnte omnipräsente Humor sorgen dafür, dass die Fights zwar erstaunen, aber sich kaum wirklich physisch anfühlen. Sie wiegen dieses Manko mit Phantastik auf – mir gefällt das nicht ganz so sehr. Am Ende ist es wohl Geschmackssache. Gleiches gilt für die Brutalität. Einige Szenen fallen äußerst hart aus, jedoch sind sie entweder in Humor verpackt oder so übertrieben, dass sie jegliche Düsterheit verlieren. Auch der maßlose (und bisweilen überdeutlich erkennbare) CGI-Einsatz raubt den Darbietungen bisweilen ihren Schrecken.

Ach ja, die Beziehung Sing-Fong: Die beiden kennen sich von einem traumatischen Erlebnis in ihrer Jugend, Jahre später raubt Sing Fong dann zunächst aus, bevor beide in kindischer Verspieltheit zueinanderfinden. Das ist flach, nahezu unbedeutend, fühlt sich aber schön an und sieht dank der drolligen Inszenierung wirklich klasse aus – und dient deshalb perfekt als Metapher für den gesamten Film.

Eine Antwort zu “KUNG FU HUSTLE

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