DAS HAUS DER VERLORENEN MÄDCHEN

Das Haus der verlorenen Mädchen
Dværgen | Dänemark/USA | 1973
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Peter (Tony Eades) und Mary (Anna Sparrow) buchen ein Zimmer in einer heruntergekommenen Pension, deren Besitzerin Lila Lash (Clara Keller) ihren längst vergangenen Erfolgen als Nachtclubbesitzerin hinterhertrauert. Um dies zu verwinden, halten sie und ihr kleinwüchsiger Sohn Olaf (Torben Bille) auf dem Sachboden einige Mädchen gefangen, die sie mittels Heroin abhängig gemacht haben und die sie nun Freiern anbieten.

Der bekannte Name hinter diesem Werk scheint wohl der des US-amerikanischen Schmuddel-Produzenten Harry H. Novak zu sein, der unter anderem LAILA – VAMPIR DER LUST (1968), WILDE NÄCHTE IM PORNOCLUB (1968), DAS GEHEIME SEXUALLEBEN VON ROMEO UND JULIA (1969) oder SEXUALRAUSCH (1971) produzierte – übrigens eine völlig willkürliche Auswahl, die sich beliebig fortsetzen ließe. Eine weitere Annäherung an den Stab ist indes schwierig, denn die Autoren Harlan Asquith und William Mayo sind ansonsten nie wieder in Erscheinung getreten und beim Regisseur ist es gar sehr unwahrscheinlich, dass die gehandelten Namen Eduardo Fuller oder Vidal Raski Richtigkeit aufweisen. In Anbetracht dessen, was sich den geneigten Zuschauenden in DAS HAUS DER VERLORENEN MÄDCHEN runde 90 Minuten lang bietet, ist das allerdings nicht erstaunlich.
Schon die Eröffnung, in der der kleinwüchsige Torben Bille als Olaf mithilfe eines Spielzeughundes ein Mädchen entführt, welches mit Zöpfen und Kleidchen augenscheinlich ein Kind mimen soll, allerdings Mitte Zwanzig zu sein scheint, ist überaus grotesk. Dass Bille dabei auch noch ständig gierend grinst und sich beinahe sabbernd die Hände reibt, verleiht der Szenen darüber hinaus schon mal jenes Flair, dass dem Streifen danach aus jeder Pore tropfen soll; denn die dänisch-amerikanische Co-Produktion ergeht sich im Folgenden in einer unfassbar exploitativen Art und Weise in ihren Abscheulichkeiten.

Mary: Ich finde das ganze Haus sehr merkwürdig, Darling.

Die entführten Mädchen hocken splitternackt auf dem Dachboden und ihre einzigen Handlungen sind die Forderungen nach Heroin. Dieses bekommen sie von Olaf hin und wieder gespritzt, was sie dann in die Lage versetzt, die Vergewaltigungen durch schmierige Trenchcoat-Typen zu ertragen. Tatsächlich wird die erste Vergewaltigung sogar ohne Musik begonnen, was ihr einen nur schwer zu ertragenden, beinahe dokumentarischen Charakter verleiht. Dankbarerweise beginnt dann aber wie aus dem nichts die volle Psychedelic-Rock-Dröhnung, was dem Geschehen wenigstens wieder die Distanz der Fiktion schenkt; da sich bisweilen immer wieder einige explizite Hardcore-Szenen einschleichen, sind die vollzogenen Handlungen jedoch nichts für schwache Gemüter.

Gleiches gilt für den Sound des gesamten Films. Ole Ørsted serviert hier eine wilde Mischung aus ruhigen, Spannung aufbauenden Klavierelementen und wirrem Geklimper auf den Tasten. Unterbrochen wird das Ganze von dem Singsang der Frau Lash, welcher kurze Zeit auch in einer Gegenmontage der Untermalung einer Vergewaltigung dient. Wenn das gerade nicht der Fall ist, entfaltet Frau Lashs Stimme aber eine erstaunlich schwere Melancholie, dient sie doch ihr und Freundin Winnie als Hintergrund für verbitterte Schwelgerei in der Vergangenheit. Diese Szenen stellen so einen überraschend ernsten Zwischenton dar.

Mary: Ich hatte solche Angst! Zwischen den Teebeuteln saß eine Maus!

Denn ansonsten gibt es vor allem Horrorfilm-Versatzstücke zu sehen, wenn Mary (die natürlich den ganzen Tag zu Hause rumhängt, während Gatte Peter malochen geht) sich immer weiter in Richtung des Dachbodens vorwagt oder Olaf mit fiesem Grinsen seinen Schandtaten nachgeht – zu denen es bisweilen auch gehört, neue Mädels mittels seines Gehstocks an das Kommende zu gewöhnen. Damit der einzige wirkliche Schauplatz, die verrottende Pension, auch mal kurz verlassen werden kann, gibt es dann noch eine Drogenhändlerstory um den Spielzeugverkäufer Santa Claus, der Peter zufällig anstellt und letztlich von den Bullen eingesackt wird. Übrigens dem gleichen Bullen, der Peter dann in Gegenwart der Peinigerin seiner Freundin fragt, ob er mit einer Waffe umgehen könne, ihm dann seine Dienstwaffe gibt und abhaut. Eigentlich ein tolles Ende, aber Olafs blutüberströmte Hand, die sich um einen heroingefüllten Spielzeughund krampft, ist auch eines.

Puh, wer wirklich die volle Packung Schmierigkeit haben will, der ist bei diesem Filmchen genau richtig. Heroin, Vergewaltigungen und Kuscheltiere sind eben nichts für schwach Nerven.

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