ROGUE ONE: A STAR WARS STORY

Rogue One: A Star Wars Story
Rogue One: A Star Wars Story | USA | 2016
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Die Rebellenallianz hat Kenntnis davon, dass Galen Erso (Mads Mikkelsen) für das Imperium einen Planetenkiller entwickelt. Um das zu verhindern, entsendet der Rat der Allianz den Offizier Cassian Andor (Diego Luna), der Erso ausschalten soll. Der Weg zu diesem führt allerdings ausschließlich über dessen gerade von der Rebellion gerettet Tochter Jyn (Felicity Jones), die von Cassians Vorhaben nichts weiß.

Als die Walt Disney Company Ende des Jahres 2012 gute 4 Milliarden US-Dollar für die Übernahme der Produktionsfirma Lucasfilm und somit die Rechte am STAR WARS-Franchise investierte, war abzusehen, dass man diese Investition auch in absehbarer Zeit wieder einzuholen gedachte. Neben der mit STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT (2015) fortgeführten Kernserie, kündigte Disney auch die Veröffentlichung sogenannter Anthology-Filme an, die das Universum – welches mit Disneys Einstieg auch sein über Jahrzehnte gewachsenes Expanded Universe verlor – weiter ausformulieren sollen; und die nebenbei natürlich auch dazu gedacht sind, die immensen Investitionen schnellstmöglich wieder einzuspielen. Als Regisseur stand relativ zügig der Brite Gareth Edwards fest, der bis dato mit seinen zwei Regiearbeiten MONSTERS (2010) und GODZILLA (2014) auf sich aufmerksam gemacht hatte.
Das Drehbuch wurde von Gary Whitta begonnen und von Chris Weitz fertiggestellt und schlägt eine deutlich andere Richtung ein als man es aus den übrigen Filmen des Franchise‘ kennt. Tatsächlich schert sich ROGUE ONE über weite Strecken kaum um die stilbildendsten Figuren der Serie, die Jedi, sondern richtet sein Augenmerk auf die (vermeintlich) kleinen Charaktere am Rande der epochalen Geschehnisse. Edwards Film erzählt die Geschichte von Soldaten, Kriminellen und anderen nicht-machtbegabten Menschen. Der einzige eventuell mit der Macht in Kontakt stehende Charakter, Chirrut Îmwe, ist dabei in seiner Konzeption als Samurai-ähnlicher Typus eher als Verbeugung vor jenen japanischen Filmen zu verstehen, die George Lucas 1977 dazu bewogen, seine Helden mit Lichtschwertern kämpfen zu lassen.

Cassian: Lasst zehn von uns wie hundert wirken!

Diese Konzeption schlägt sich dann auch deutlich im Ablauf des Films nieder. Nach einer weitgreifenden Exposition führt der Film seine Charaktere zügig in Kampf- und Spionagesituationen. Es wird ein Bild der Allianz gezeichnet, welches nicht nur aus Edelmut und Idealismus besteht, sondern welches auch Niedertracht, Lügen und Gewalt beinhaltet. Diego Lunas Cassian wird zum Sinnbild dieser Ausrichtung, wenn er mehrfach betont, dass der Kampf gegen das Imperium nicht nur eitel Sonnenschein ist, sondern auch unschöne Seiten hat. Diese deutlich ambivalentere Darstellung tut dem Film spürbar gut und enthebt die Allianz zu weiten Teilen der ansonsten oft vorherrschenden Darstellung als Love-and-Peace-Truppe.

Mit der Britin Felicity Jones gibt es erneut eine weibliche Hauptfigur zu sehen. Ihre Jyn beginnt ebenfalls als zwielichtige Figur, kippt jedoch am Ende ein wenig in ebenjenen überzeichneten Idealismus hinein, den man mit Cassian für überwunden hielt; nichtsdestoweniger bleibt Jones eine treffliche Besetzung für die erneute starke weibliche Hauptrolle. Der Martial Arts-Star Donnie Yen darf als erwähnter Chirrut Îmwe zusammen mit Wen Jiang als Baze Malbus für frischen Wind sorgen, während Ben Mendelsohn als Antagonist Orson Krennic leider etwas stereotyp und folglich blass daherkommt. Dafür gibt Forest Whitaker einen gelungen böse-gutherzigen Saw Gerrera und der britische Schauspieler und MC Riz Ahmed sorgt als Comic-Relief Bodhi Rook für einige Lacher. Gleiches funktioniert übrigens auch bei Alan Tudyk als Droide K-2SO überraschend gut. Drängen sich in dessen ersten Szenen noch unangenehme Erinnerungen an Jar Jar Binks‘ Auftritt anno 1999 auf, entwickelt sich der Blechmann in Verlaufe des Films zu einem humorvollen Kommentator, dessen Exitus im Finale einem glatt leidtun kann.

Chirrut Îmwe: Ich fürchte gar nichts, alles ist, wie die Macht es verfügt.

Bemerkenswert ist darüber hinaus das Auftreten der Figuren Gouverneur Wilhuff Tarkin und Prinzessin Leia Organa. Die in KRIEG DER STERNE (1977) von Peter Cushing und Carrie Fisher verkörperten Rollen mussten aufgrund von Tod und Alter der Darsteller durch CGI-Figuren ersetzt werden. Guy Henry respektive Ingvild Deila ermöglichten per Motion Capturing die Bewegungen, die Computer erledigten den Rest. Das Ergebnis ist sicherlich Geschmackssache (und nach wie vor weit von der „Griffigkeit“ echter Menschen entfernt), im Lichte der Alternativlosigkeit aber sicherlich einer Umbesetzung vorzuziehen.

Ansonsten gibt es an der Optik des Films wenig zu kritisieren. Der etwas ernsteren – im Finale sogar deutlich an einen Kriegsfilm erinnernden – Stimmung folgend fällt das gesamte Art Design etwas weniger farbenfroh und prunkvoll aus als bei anderen Serienvertretern. Das tut dem Film gut und sorgt für einen stimmigen Gesamteindruck. Wie schon ein Jahr zuvor J.J. Abrams behält auch Edwards die Mixtur aus CGI und tatsächlichen Requisiten bei. So wirkt auch dieser Film angenehm „wirklich“. Nichtsdestoweniger gibt es natürlich auch immense computergenerierte Sequenzen zu sehen wie etwa den Angriff auf Jedha. Leider entpuppt sich das Finale auf Scarif als deutlichster CGI-Einsatz, der trotz größter Bemühungen neben seiner optischen Pracht auch immer wieder mangelnde Griffigkeit offenbart. Die Musik, die ihre Orientierung an John Williams zentralen Motiven nie verhehlt, stammt aus der Feder von Michael Giacchino und fügt sich jederzeit stimmig ins Gesamtbild ein.

Mon Mothma: Auf dich allein gestellt, seit du 15 warst. Rücksichtslos, aggressiv und undiszipliniert.
Jyn: Das ist doch eine Rebellion, oder? Ich rebelliere!

Und neben all diesen Qualitäten, die ROGUE ONE: A STAR WARS STORY zu einem höchst unterhaltsamen (und eigenständigen) Spin-Off machen, schafft es der Film sogar, den Ursprung der Saga, KRIEG DER STERNE (1977), noch ein wenig aufzuwerten. Denn das Wissen um die Vorgeschichte der Daten über den Todesstern, lässt die Geschichte von Luke, R2, 3PO sowie Han und Leia gleich noch ein wenig (ge)wichtiger erscheinen – und das muss dem Streifen erst mal jemand nachmachen.

Durchweg gelungenes Spin-Off, das mit einem eigenständigen Stil einen neuen Blick auf das bekannte Universum eröffnet. Tolle Darsteller, eine flotte Handlung und natürlich auch hübsch inszenierte Schlachten liefern den Rest.

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