QUATERMAIN – AUF DER SUCHE NACH DEM SCHATZ DER KÖNIGE

Quatermain – Auf der Suche nach dem Schatz der Könige
King Solomon’s Mines | USA | 1985
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Die Professorentochter Jesse (Sharon Stone) engagiert den Abenteurer Allan Quatermain (Richard Chamberlain), damit dieser ihren verschollenen Vater (Bernard Archard) wiederfindet. Dieser wiederum wurde von Allans Erzfeind Dogati (John Rhys-Davies) entführt, der wiederum gemeinsame Sache mit der deutschen Oberst Bockner (Herbert Lom) macht. Allen gemein ist das Ziel, sich die Diamanten des König Salomon unter den Nagel reißen zu wollen.

Nach diversen mal mehr, mal weniger gelungenen Action-Vehikeln wurde man im Hause Cannon Mitte der 80er Jahre auf den immensen Erfolg eines mit Fedora und Peitsche ausgestatteten Herren aufmerksam. Jener hatte in JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES (1981) und INDIANA JONES UND DER TEMPEL DES TODES (1984) die Kassen derart klingeln lassen, dass sich Menahem Golan und Yoram Globus geradezu genötigt sahen, ebenfalls einen solchen Charakter ins Rennen um die Mäuse der Kinogänger zu schicken.
Also beauftragten die beiden die Autoren Gene Quintano und James R. Silke, der für das Studio schon die Bücher zu den Sam Firstenberg-Reißern DIE RÜCKKEHR DER NINJA (1983), DIE HERRSCHAFT DER NINJA (1984) und AMERICAN FIGHTER (1985) geschrieben hatte, damit, ein ähnlich gelagertes Skript auf der Basis eines Romans des britischen Autoren Henry Rider Haggard zu schreiben. Denn praktischerweise ähnelte die Hauptfigur aus dessen bereits 1885 veröffentlichtem Abenteuerroman König Salomos Schatzkammer dem peitschenschwingenden Platzhirsch ungemein. Und nicht zuletzt hatten bereits vier Verfilmungen, darunter Compton Bennetts und Andrew Martons KÖNIG SALOMONS DIAMANTEN (1950) oder Alvin Rakoffs KÖNIG SALOMONS SCHATZ (1979) gezeigt, dass einiges an Potenzial in dieser Geschichte steckt.

Bockner: Tote brauchen keine Diamanten!

Quintano und Silke entschieden sich allerdings dazu, Haggards Roman recht frei zu interpretieren und strickten darum eine Geschichte, die kurz vor dem ersten Weltkrieg spielt und sich deutscher Kolonialbestrebungen bedient, um dem klassischen Antagonisten Dogati einen Kumpanen an die Seite zu stellen. Auch nutzen sie nur einzelne Segmente der Romanvorlage und reihen diese recht beliebig aneinander. Hauptziel dabei ist stets die humorvolle Überzeichnung der Versatzstücke. So stolpern Allan und Jesse von einer abstrusen Situation in die nächste, Pausen, die der Fortführung einer Handlung dienen könnten, gibt es nicht.

Denn tatsächlich setzt der Film mit seinem unvermittelten Beginn anscheinend voraus, dass die Zuschauenden mit den Mechanismen des klassischen Abenteuerkinos vertraut sind. Ein Herr in Tropenkleidung und eine ahnungslose Dame durchstreifen den Dschungel? Da braucht es anscheinend keiner weiteren Erklärung um deutlich zu machen, was hier los ist. Tatsächlich erinnert der Film sowohl in seiner episodischen Struktur als auch aufgrund seiner klassischen Sujets an die Kino-Serials der 40er Jahre, in denen Abenteurer oder Agenten in 20-40-minütigen Episoden über die Leinwand huschten. Ob dies intendiert ist, sei an dieser Stelle dahingestellt, aber es sorgt dafür, dass dem Betrachter sämtliche Elemente naiver Abenteuerromantik – Krokodile, tanzende Indigene, Masken, Feuer, Reichtum verheißende Höhlen und natürlich auch Kannibalen mit einem riesigen Kochtopf – geboten werden.

Dogati: Sehn Sie Oberst? Bei uns gibt es nicht nur fliegende Teppiche, sondern auch sprechende.

Der renommierte Regisseur J. Lee Thompson verquickt diese Zutaten dann zu einem unkomplizierten Abenteuerspaß, der zwar aufgrund seiner de facto nicht vorhandenen Handlung mitnichten begeistert, allerdings problemlos unterhält. Leider schafft es Thompson aber zu selten, den teils dümmlichen bis latent rassistischen Darstellungen der indigenen Bevölkerung ein ausreichend deutliches Augenzwinkern mit auf den Weg zu geben. Der Zuschauer ist also stets dazu gezwungen, eine deutliche Distanz zu den klischeebehafteten Darstellungen einzunehmen.

Für die Hauptrolle konnte man bei Cannon dann den mittels diverser TV-Formate zu Bekanntheit gelangten Richard Chamberlain engagieren, der es überwiegend gut versteht, der übergroßen Darbietung Harrison Fords nicht blind hinterherzurennen, sondern seinen Allan Quatermain mit einer gewissen Überzeichnung darzustellen. Daneben gibt Sharon Stone in einer ihrer ersten großen Rollen eine völlig typische Begleitung, die wahlweise dämlich oder hilflos daherzukommen hat. Der INDIANA JONES-erfahrene John Rhys-Davies bekommt als Dogati leider etwas zu wenig Screentime – die er darüber hinaus auch noch ausschließlich damit verbringen muss, Quatermain hinterherzujagen – während der deutsche Altstar Herbert Lom einen wundervoll überzeichneten deutschen Oberst Bockner gibt. Warum er für sein herrliches Wagner-Hören und Bockwurst-Knabbern eine Goldene Himbeere erhielt, bleibt wohl auf ewig ein Rätsel.

Quatermain: Da schlägt man und schlägt man, und keiner dankt es einem.

Ansonsten fährt der Streifen einige durchaus nette – samt und sämtlich in Simbabwe hergerichtete – Sets und Kulissen auf und beeindruckt mit der einen oder anderen Massenszene. Ein paar Matte Paintings und Lichteffekte bedienen das Interesse einschlägiger Zuschauer, nur die Einstellung mit den Kopfüberlebenden bricht ein wenig zu sehr in Richtung Märchenatmosphäre aus – und für die Spinne war wohl keine Kohle mehr da. Jerry Goldsmiths Soundtrack ist ebenfalls nicht so schlecht wie die eingeheimste Goldene Himbeere vermuten ließe und so konnte der Streifen an den Kinokassen einen überschaubaren, aber doch vorhandenen Gewinn einfahren. Groß genug zumindest, um nur ein Jahr später QUATERMIAN II – AUF DER SUCHE NACH DER GEHEIMNISVOLLEN STADT (1986) hinterherzuschieben.

Ebenso episodische wie naive Abenteuershow, die aber aufgrund Thompsons flotter Inszenierung überwiegend ordentlich unterhält. Einzig die teils rassistischen Darstellungen bedürfen einer kritischen Distanz.

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3 Antworten zu “QUATERMAIN – AUF DER SUCHE NACH DEM SCHATZ DER KÖNIGE

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