DAS GEHEIMNIS DER GELBEN NARZISSEN

Das Geheimnis der gelben Narzissen
Das Geheimnis der gelben Narzissen | Deutschland/Großbritannien | 1961
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Rauschgift wird in falschen Narzissen geschmuggelt und die gleiche Pflanze wird den Opfern einer Mordserie in einem Londoner Tanzlokal auf die Brust gelegt. Jack Tarling (Joachim Fuchsberger) geht der Sache auf den Grund und erhält dabei Unterstützung von Oberinspektor Whiteside (Walter Gotell) und dem chinesischen Polizisten Ling Chu (Christopher Lee). Die erste Adresse für Nachforschungen stellen der undurchsichtige Unternehmer Raymond Lyne (Albert Lieven) sowie der Nachtclubbesitzer Jan Putek (Peter Illing) dar.

Eigentlich sollte DAS GEHEIMNIS DER GELBEN NARZISSEN noch vor dem großartigen DIE TOTEN AUGEN VON LONDON (1961) in die Kinos kommen, doch die Arbeit am Drehbuch erwies sich als äußerst langwierig. Der wiederholte Schreiberling der Reihe, Egon Eis, tat sich mit der Adaption schwer, weil zentrale Figuren der Romanvorlage früh starben und eine enge Übersetzung in ein Drehbuch somit kompliziert war. Doch da bei dieser Produktion ausnahmsweise die britische Omnia Pictures mit von der Partie war, übergab man Eis‘ Entwurf einfach an der britischen Autoren Basil Dawson, der die Samthandschuhe einfach in der Schublade liegen ließ und einige rabiate Änderungen am Skript vornahm. Und da die Briten nun Teil der Produktion waren, wurde gleich auch eine Variante des Films gedrehte, die die Darsteller Fuchsberger, Sesselmann und Kinski durch die britischen Mimen William Lucas, Penelope Horner und Colin Jeavons ersetzte. Und dem Namen The Devil’s Daffodil veröffentlicht, konnte man so sicherstellen, dass alle Beteiligten ihre Absatzmärkte zufriedenstellen konnten.

Raymond: ‘Ne ganze Menge Leute lieben mich, nicht?
Gloria: Na, aber der Himmel weiß warum …

Umgesetzt wird das Ganze dann vom aus Ungarn stammenden Ákos Ráthonyi, der mit seiner im Gegensatz zum Gruselkrimi DIE TOTEN AUGEN VON LONDON deutlichen bodenständigeren Art der Inszenierung dem Drehbuch entgegenkommt. Anstatt die Protagonisten am nebligen Themseufer entlang zu scheuchen, bewegen sich die Darsteller meist im gepflegte, fast mondänen Umgebungen. Entsprechend ruhig kommt der Film über weite Strecken daher, einzelne Längen eingeschlossen. Interessant ist hingegen der Umstand, dass Ráthonyi hier mehrere Inszenierungselemente darbietet, die dem italienischen Giallo nahestehen (unbekannter Mörder, edle Umgebungen, weibliche Opfer), einem Genre, welches bekanntermaßen durch die späten EDGAR WALLACE-Streifen mitbeeinflusst werden sollte.

Unterbrochen wird der überwiegend ruhige Film durch eine rabiate Foltersequenz, in der sich Christopher Lee als Chinese Ling Chu Informationen besorgt. Aber auch abseits dieser Szene überzeugt Lee auf ganzer Linie und umgeht dabei die Rassismusfalle seiner Rolle mittels viel Selbstironie geschickt. Es erscheint folglich mehr als wahrscheinlich, dass sich Produzent Harry Alan Towers für seine DR. FU MAN CHU-Filme, in denen Lee bekanntlich den chinesischen Oberverbrecher gibt, von dieser Darbietung inspirieren ließ. Ansonsten mimt Blacky Fuchsberger mal wieder in gewohnter Qualität, lediglich seine amourösen Ambitionen fallen dieses Mal deutlich geringer aus. Einzig Seriendebütantin Sabine Sesselmann, die als Anne Rider ebenfalls solide spielt, gerät in seinen Fokus. Neben Lee und Fuchsberger vervollständigt mit Walter Gotell, der 1963 in LIEBESGRÜßE AUS MOSKAU Berühmtheit erlangen sollte, ein erfahrener Mime die Reihen der Guten als Inspektor Whiteside.

Ling Chu: Der kluge Mann trägt eine Waffe, nur der Narr drückt ab.

Diesen Herrschaften gegenüber steht mit Albert Lieven ein wunderbar eiskalter Geschäftsmann Lyne (übrigens ein jener Figuren, die in der Romanvorlage allzu früh dahinscheiden), der bis zum Schluss undurchsichtig bleibt. Als sein ergebener Anhänger darf Klaus Kinski eine etwas ungewöhnliche Rolle bekleiden, kommt er doch über weite Teile des Films höchst unterwürfig daher – nicht ohne im Finale dann aber doch wieder zur Furie zu werden. Peter Illing gibt den schmierigen Nachtclubbesitzer Putek gekonnt und in seinem Lokal tanzt Ingrid van Bergen, die mit ihrer Darbietung namens Bei mir ist alles Natur sicherlich die ein oder andere Kinnlade auf den Kinoboden hat klappen lassen.
Chancen dazu waren zumindest zu Hauf gegeben, denn DAS GEHEIMNIS DER GELBEN NARZISSEN übertraf mit 3,5 Millionen Besuchern sogar den Vorgänger und wurde so zum erfolgreichsten EDGAR WALLACE-Film aller Zeiten. Er erscheint jedoch nicht unwahrscheinlich, dass es auch die hohe Qualität des Vorgängers DIE TOTEN AUGEN VON LONDON war, die die Leute ins Kino trieb, denn DAS GEHEIMNIS DER GELBEN NARZISSEN ist zwar kein schlechter Film, aber sicherlich keines der Glanzlichter der Reihe.

Ein insgesamt ordentlicher, aber keineswegs herausragender Serienteil; dafür bleiben Handlung und Inszenierung zu konventionell. Nach dem großartigen Vorgänger reicht es so nur für einen Mittelfeldplatz.

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