DIE TOTEN AUGEN VON LONDON

Die toten Augen von London
Die toten Augen von London | Deutschland | 1961
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Inspektor Larry Holt (Joachim Fuchsberger) wird zu einem merkwürdigen Fall gerufen. Ständig sterben reiche Gäste aus dem Ausland, alle schwimmen tot in der Themse. Die einzige Verbindung: Sie alle haben eine Versicherung bei Stephen Judd (Wolfgang Jukschy) abgeschlossen, der sich ob der zu zahlenden Beträge mittlerweile die Haare ausrauft. Zusammen mit der Übersetzerin Nora Ward (Karin Baal) und seinem Assistenten Sunny (Eddi Arent) macht sich Holt an die Ermittlungen. Sein erster Verdächtiger: der unlautere Sekretär Edgar Strauss (Klaus Kinski).

Nach dem eher mäßigen DER GRÜNE BOGENSCHÜTZE (1961) wollte man im Hause Rialto die EDGAR WALLACE-Serie mit einem Paukenschlag wieder zurück in erfolgreichere Fahrwasser führen. Dazu war eigentlich die Umsetzung des Romas Das Geheimnis der gelben Narzissen durch Harald Reinl geplant, aber Preben Philipsen von der Rialto und Waldfried Barthel von der Constantin waren der Meinung, dass das Drehbuch dazu noch nicht ausgereift genug sei. Um trotzdem keine Zeit zu verlieren, entschied man sich dazu, DIE TOTEN AUGEN VON LONDON als nächstes fertigzustellen. Da sowohl Reinl als auch der andere etablierte Serien-Regisseur, Jürgen Roland, unpässlich waren, übergab man den Regiestuhl an den Neuling Alfred Vohrer. Das Skript schrieb mit Egon Eis, der natürlich wieder als Trygve Larsen firmierte, der Mann, der schon die Auftaktfilme DER FROSCH MIT DER MASKE (1959) und DER ROTE KREIS (1960) angefertigt hatte. Unterstützt wurde Eis dabei dieses Mal von Schauspieler Wolfgang Jukschy, der in letzter Sekunde noch ein paar Änderungen vornahm.

Sunny: Der arme Sünder kommt zur Beichte.
Larry: Ne, ich bin nur gekommen, um bei Ihnen Stricken zu lernen.
Sunny: Dazu haben Sie viel zu klebrige Finger!

Und wer auch immer am Ende für welche Teile verantwortlich zeichnet: das Ergebnis kann sich allemal sehen lassen. Nachdem DER GRÜNE BOGENSCHÜTZE leichte Tendenzen in Richtung Parodie aufwies, kehrt die Reihe nun wieder zu ihren eher ernsten Wurzeln zurück. Die Handlung und die Protagonisten fallen wieder etwas düsterer aus, es mischen sich (vor allem während der Auftritte von Ringer Ady Berber als blindem Jack) wieder einige dem Horror-Milieu entlehnte Versatzstücke hinein und letztlich erscheint die gesamte Ermittlungsarbeit wieder eher wie ein Krimi denn wie eine Komödie. Vohrer inszeniert die übliche Mixtur aus dichtem Nebel, harten Kontrasten, leichengefüllten Hafenbecken und schmucken Innenräumen (darunter dieses Mal auch eine stimmungsvolle Blinden-Mission) dann durchweg flott und abwechslungsreich und gibt dem Zuschauer trotzdem stets die Möglichkeit, den stellenweise sehr großen Cast zu überblicken.

Neben Joachim Fuchsberger in seinem dritten EDGAR WALLACE-Auftritt darf zum Beispiel Karin Baal ihr schwungvolles Seriendebüt feiern. Aber auch mit der hübschen Ann Savo, dem geborenen Bösewicht Ady Berber sowie Rudolf Fenner und Hans Paetsch gibt es Gesichter erstmalig zu sehen, die die Reihe in den folgenden Jahren maßgeblich mitgestalten sollten. Eddi Arent darf natürlich nicht fehlen und auch sein Sunny macht in seiner ernsten und nur teilweise ausfallenden Art deutlich, dass der Film sich wieder in humorärmere Gewässer zu begeben gedenkt. Der etatmäßige Sir John, Ernst Fritz Fürbringer, wird einmalig durch Franz Schafheitlin ersetzt, der bereits in der Vorkriegs-Variante von DER HEXER (1932) mitwirkte. Und letztlich darf Klaus Kinski, der seinen ersten Serienauftritt im von der Kurt Ulrich-Film produzierten Serienteil DER RÄCHER (1960) hatte, mitmischen; er formuliert seine später so typischen Verhaltensweisen weiter aus.

Sir John: Larry, heute Morgen wurde wieder eine Leiche aus der Themse angeschwemmt.
Sunny: Empörend! Wird denn in diesem Land überhaupt niemand mehr erschossen?!

All diese Damen und Herren geraten dann in zahlreiche Verstrickungen, die stets mit dem Tod oder der Enttarnung enden. Der Film hält unzählige Wendungen und Falltüren bereit und fordert so ein weiteres Mal die ständige Aufmerksamkeit seiner Zuschauer ein. Wie gewohnt wachsen sich die Zufälle und Unwägbarkeiten teilweise zu den wildesten Konstruktionen aus, aber derlei ist man ja von der Serie gewohnt. Heinz Funk sorgt erneut für eine treffliche Vertonung (die mit ihren diversen Orgelklängen ebenfalls die Gruselstimmung unterstützt) und so entsteht letztlich ein Film in bester EDGAR WALLACE-Manier. Die bundesdeutschen Zuschauer sahen das damals ebenso und bescherten dem Film mit rund 3,4 Millionen Besuchern das bis dahin beste Einspielergebnis der Serien-Geschichte. Und Alfred Vohrer wurde völlig zu Recht zum neuen Stammregisseur der Reihe, der in den nächsten Jahren über ein Dutzend weiterer EDGAR WALLACE-Filme drehen sollte.

Weniger Humor, mehr Grusel: Alfred Vohrer macht in seinem ersten Serienbeitrag alles richtig und liefert so ein äußerst schwungvolles Debüt ab, das eine spannende Geschichte flott und unterhaltsam vorträgt. Der tolle Cast kommt mit dem wiedergekehrten Ernst ebenfalls gut zurecht und so stellen DIE TOTEN AUGEN VON LONDON sicherlich einen der Höhepunkte der Reihe dar.

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2 Antworten zu “DIE TOTEN AUGEN VON LONDON

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