DIE SKLAVENHÖLLE DER MANDINGOS

Die Sklavenhölle der Mandingos
Drum | USA | 1976
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der ebenso gutaussehende wie kämpferisch begabte Mandingo-Sklave Drum (Ken Norton) wird von dem dekadenten Plantagenbesitzer Hammond Maxwell (Warren Oates) erworben, um auf dessen Plantage einige Frauen zu schwängern, die dann Kinder in die Welt setzen, welche Maxwell zu einem guten Preis verkaufen kann. Doch der ebenfalls von Maxwell erworbene Sklave Blaise (Yaphet Kotto) macht diesem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung, indem er einen Aufstand anzettelt.

Nachdem MANDINGO (1975) an den Kinokassen richtig abgeräumt und es dank der Schmähungen der Kritiker auch zu einem Ruhm gebracht hatte, stand es außer Frage, dass der italienische Produzent Dino De Laurentiis diese Kuh weiterhin würde melken wollen. Paramount Pictures war indessen abgesprungen, die Vorwürfe, denen sich der erste Teil oftmals gegenübersah, waren wohl zu viel für das namhafte Studio.
Auch der Regisseur Richard Fleischer war nicht mehr mit von der Partie und wurde durch das Duo Steve Carver und Burt Kennedy ersetzt. Letzter hatte sich in den 60er und 70er Jahren mit unzähligen US-amerikanischen Western einen Namen gemacht, der Erstgenannte sollte seinen Karrierehöhepunkt ein paar Jahre später in Form der Norris-Kracher DER GIGANT (1981) und MCQUADE, DER WOLF (1983) erleben.
Für das Drehbuch konnte dann aber wieder Norman Wexler verpflichtet werden, der bereits das Script des Vorgängers verfasste. Wiederum basiert das Buch dabei auf den Romanen von Kyle Onstott, welche natürlich wieder auf der Falconhurst Plantage spielen. Im Film stellt sich das dann auch alles ganz gefällig dar, den tiefen Zynismus des Vorgängers erreicht der Film aber zu keiner Zeit; zu ähnlich ist der Verlauf der Geschehnisse. Wieder wird ein Gemisch aus sexuellen und körperlichen Erniedrigungen präsentiert, denen sich die Sklaven ausgesetzt sehen. Wirklich Neues wird nicht geboten.

Marianna: Wenn das Gespräche schon ein solches Niveau erreicht hat, dann möchte ich mein Missfallen darüber bekunden, dass sie sich jede Nacht Regine ins Bett kommen lassen …
Hammond: Ich schlafe nicht jede Nacht mit ihr, das schadet der Leber!

Das spiegelt sich auch in den Rollen wieder. Hammond Maxwell als kontinuierlicher Hauptcharakter wird diesmal von Warren Oates gemimt. Oates, der 1969 im Peckinpah-Klassiker THE WILD BUNCH – SIE KANNTEN KEIN GESETZ mitwirkte, interpretiert die Rolle des Plantagenbesitzers dabei deutlich eher in Richtung Komödie. Während Perry King in MANDINGO noch einen hin- und hergerissenen Charakter zeichnete, tendiert Oates immer wieder zu komödiantischen Anteilen. Vor allem sein Zusammenspiel mit Isela Vega als Lady Marianne wirkt wie eine Karikatur der Beziehung von Perry King zu Susan George.

Das ist auch der Hauptgrund dafür, warum der Film viel mehr wie ein Exploitation-Vehikel wirkt. Was man dem Vorgänger vorwarf, dass trifft hier mitunter zu. Der Ernst, die Bitterkeit, mit der das Original die Ereignisse jener Zeit darstellt, geht diesem Film des Öfteren ab. Das sorgt zwar für ein paar mehr Lacher, öffnet Kritikern allerdings Tür und Tor. Hier wird es schwer, zwischen Verarbeitung und Ausbeutung zu unterscheiden. Aber das stellt ja für den exploitativ interessierten Zuschauer kein Problem dar …

Hammond: Weißt du, was man mit einer Frau macht, der eine Laus über die Leber gelaufen ist? Man geht ihr aus dem Weg. Deshalb komme ich erst zum Abendessen wieder …

Ansonsten gibt es noch Pam Grier zu sehen, die wie immer eine beeindruckende Präsenz bietet sich so zur heimlichen weiblichen Hauptrolle mausern kann. Und auf Seiten der Herren ist natürlich Ken Norton wieder vertreten. Da dessen Rolle im ersten Teil dahinschied, man aber auf seine ikonische Darstellung nicht verzichten wollte, steckte man Norton kurzerhand in eine neue Rolle, die seinem Auftritt im Vorgänger gänzlich gleicht. Wieder bewegt sich Norton als muskulöser, aber doch geschickt feinfühliger Sklave auf der Plantage, und sitzt ständig zwischen den Stühlen. Cheryl Smith als alberne, stets lüsterne Göre und Yaphet Kotto – der drei Jahre später als Parker in ALIEN – DAS UNHEIMLICHE WESEN AUS EINER FREMDEN WELT (1979) durch die Maschinenräume der Nostromo irren sollte – als stereotyper Aufständischer, machen den Cast komplett, der zwar (wiederum) nicht an die Klasse des Originals heranreicht, aber doch launisch und abwechslungsreich mimt.
Der Rest des Films besteht aus nackter Haut und fiesen Sprüchen im Minutentakt. Ständig landet irgendwer mit irgendwem in der Kiste, ständig beleidigt jeder jeden. Das alles erreicht zwar zu keinem Zeitpunkt den Ernst oder die Intensität des Vorgängers, bleibt allerdings bis zum Finale ein unterhaltsames Stück Südstaaten-Exploitation. Wäre dieser Film 1975 anstelle von MANDINGO erschienen, hätte man dessen Kritikern also vielleicht recht geben können, als kleines – eher unbeachtetes – Sequel funktioniert der Film aber allemal.

Nette Fortsetzung, die zwar nichts mehr mit dem Ernst und dem Zynismus des Originals zu tun hat, dafür aber unkompliziert – und mit einem ordentlichen Schuss Komödie – unterhält. Hier steckt halt die Exploitation drin, die man dem Original (fälschlicherweise) andichten wollte.

Eine Antwort zu “DIE SKLAVENHÖLLE DER MANDINGOS

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