ALIEN – DAS UNHEIMLICHE WESEN AUS EINER FREMDEN WELT

 

Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt
Alien | Großbritannien/USA | 1979
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Erzfrachter Nostromo ist mit einer Unmenge an Rohstoffen und sieben Besatzungsmitgliedern an Bord auf dem Weg zurück zur Erde. Plötzlich werden die Passagiere aus ihrem Hyperschlaf aufgeweckt, weil das Schiff ein fremdes Signal geortet hat. Bei Nachforschungen bezüglich der Quelle dieses Signals gelangt eine fremde Lebensform an Bord des Schiffes, die der Crew fortan das Leben zur Hölle macht.

 

Mitte der 70’er Jahre erhob sich das Science-Fiction-Genre, um sein Schattendasein aufzugeben und zu einem allgemein anerkannten Teil der Kinolandschaft zu werden. Zuvor haftete den Produktionen immer ein gewisses Außenseiter-Image an, welches dafür sorgte, dass die großen Studios die Finger von Raumschiffen und Galaxien ließen. Doch KRIEG DER STERNE (1978) und STAR TREK – DER FILM (1979) änderten das. Fortan waren phantastische Geschichten abseits der Erde heiß begehrt. Deshalb zeigten Brandywine Films und 20th Century Fox (die gerade KRIEG DER STERNE abgedreht hatten) auch großes Interesse an dem Stoff, den Dan O’Bannon (der in den Folgejahren Perlen wie VERDAMMT, DIE ZOMBIES KOMMEN und LIFEFORCE – DIE TÖDLICHE BEDROHUNG maßgeblich mitgestalten sollte) ein paar Jahre zuvor geschrieben hatte. Einige Ecken und Kanten wurden dann allerdings durch Ronald Shusett abgeändert, so dass der letztendliche Anteil am großartigen Drehbuch bis heute ein teils heiß diskutiertes Thema ist. Auf dem Regiestuhl sollte dann der bis dahin unbekannte Ridley Scott Platzt nehmen, der zuvor lediglich bei TV-Produktionen Regie geführt hatte. Mit diesem Team und einem Budget von ordentlichen – wenn auch weiterhin sparsamen – 11 Mio. US$ ging diesen Team dann also daran, das sich gerade emanzipierende Genre ein weiteres Mal durchzuschütteln.

Ash: Ich bewundere die konzeptionelle Reinheit. Geschaffen, um zu überleben. Kein Gewissen beeinflusst es. Es kennt keine Schuld oder Wahnvorstellungen ethischer Art!

Während die oben erwähnten Produktionen mit eine glatten, sauberen Zukunftsentwürfen arbeiteten, in denen strahlende Helden abseits vom Alltag Abenteuern nachgingen, so bot ALIEN einen extremen Gegenentwurf dazu. Anstelle von verchromten Raumgleitern, spielt sich das Geschehen hier auf einer Raumtransporter ab, der Rohstoffe durch die Galaxis transportiert. Während in der Welt von STAR TREK monetäre Zwänge überwunden sind, sind diese bei ALIEN mehr als präsent. Raumreisen stellen Arbeit dar und keine Vergnügungen für Jedermann. Das Leben im All ist beengt und schmutzig, der Unterschied zur Arbeit auf der Erde ist einzig, dass man ewig weit vom nächsten Lebewesen entfernt ist. Was auch gleich einen weiteren markanten Unterschied darstellt. Das All ist leer und einsam. Nicht nur die Tagline des Films verrät das, auch die  wenigen Einstellungen, in denen das All zu sehen ist, machen deutlich, dass vor allem Einsamkeit und Abgeschiedenheit im Vordergrund stehen. Diese düstere Interpretation ist dann auch inhaltlich ein Gegenentwurf zur bisherigen Science-Fiction und sollte für eine Vielzahl an folgenden Werken stilbildend werden.

 

Denn anstatt sich Inspiration bei Western- oder Kung-Fu-Filmen zu holen, warfen die Macher mal einen intensiven Blick in Richtung des ebenfalls gerade das Schattendasein verlassende Horror-Genre. So finden sich dann auch insbesondere im zweiten Teil durchaus Anleihen aus dem Slasher-Film, wenn aus der Suche nach dem Alien plötzlich eine Hetzjagd wird.
Wobei man an dieser Stelle ganz klar betonen muss, dass eine Hetzjagd – wenn denn überhaupt – nur in den letzten zehn Minuten stattfindet. Der Rest des Films ist derart ruhig gefilmt, dass Ridley Scott persönlich 2003 einen Director’s Cut veröffentlichte, der den Sehgewohnheiten des neuen Jahrtausends eher entsprechen sollte.  Dieser gut gemeinte Versuch nimmt dem Film dann allerdings viel von seinem Charme, der gerade durch die sehr ruhigen Bilder, verbunden mit einer äußersten Anspannung entsteht. Gerade die Szenen der größten Bedrohung werden durch die stoisch ruhigen Bilder noch deutlich bedrohlicher, da direkter. Kein Schwenk, kein Schnitt lenkt ab, kein unnötiger Effekt reizt.

Ash: Sie scheinen immer noch nicht zu begreifen, womit Sie es zu tun haben: Mit einem perfekten Organismus!

Dabei sind die Effekte sonst auf einem angenehm hohen Niveau. Insbesondere das Modell (bzw. die Modelle) der Nostromo wissen zu überzeugen und stellen sicherlich das Maximum des in Anbetracht des Budgets Möglichen dar. Alle Kulissen und Bauten sind beeindruckend detailliert und unterstützen so den Eindruck von einer schmutzigen, arbeitsamen Zukunft. Das Alien-Modell schließlich, welches dem schweizer Künstler H.R. Giger zu Weltruhm verhelfen sollte, ist stilbildend und ist umgehend in die Populärkultur eingegangen. Und das, obwohl es im Film selber (im Gegensatz zu den weiteren Teilen der Reihe) kaum zu sehen ist. Wenn es dann doch einmal auftauscht, ist es nur in Ausschnitten zu erkennen. Leider ist gerade in den finalen Szenen, in denen das Alien dann doch einmal in Gänze zu bewundern ist, zu erkennen, dass die Figuren-Technik doch aus heutiger Sicht teils sehr überschaubar daherkommt; das trübt den Filmgenuss jedoch auch heute kaum und wurde seinerzeit mit einem Oscar für die Besten Spezialeffekte belohnt.

 

Ansonsten schafft es der Film neben der reinen Bedrohung durch das fremde Wesen auch durch den Handlungsstrang mit Ash als Roboter und den gesellschaftskritischen Aspekt den dessen Handeln und seine Anweisungen mit einbringen, abseits des Horrors interessant zu sein. Im Übrigen ein Merkmal vieler guter Horrorfilme eben nicht nur Angst, sondern auch Nachdenken zu erzeugen.

Ripley: Wie viel Zeit haben wir bis zur Detonation?
Parker: Zehn Minuten.
Ripley: Das ist nicht ihr Ernst.
Parker: Doch, wenn wir nicht in zehn Minuten hier draußen sind, brauchen wir keinen Raumgleiter mehr, um ins All zu fliegen!

Der bereits erwähnte Director’s Cut, stellt dann ein etwas zügigere Variante dar, die allerdings inhaltlich kaum Neues bietet. Einzig der Gnadentod, den Ripley Dallas zu Teil werden lässt, stellt eine markante Änderung dar, die dem Charakter Ripley einen noch etwas härteren und konsequenteren Charakterzug verleiht. Aber auch ohne diese Szene stellt Sigourney Weavers Interpretation der Heroine einen Meilenstein im Genre dar. Waren Helden zu der Zeit per se männlich, stellt eine (wenn auch nicht vom Rang, so doch von den Handlungen her) anführende Frau ein Novum dar, dass erst in den nächsten Jahren Schule machen sollte. Auch der restliche Cast agiert äußerst rund und schafft es problemlos, die Welt von ALIEN und die neue Ausrichtung des Genres überzeugend zu vermitteln.
Logischerweise brachte der riesige Erfolg des Films dann auch bis heute mehrere Fortsetzungen und Spin-Offs hervor. Allerdings entstanden alle Fortsetzungen mit einem anderen Stab und sind folgen auch meist einer anderen Ausrichtung. Wie so oft in der Filmwelt ist das aber gar nicht mal schlecht, da es ohnehin nur schwer möglich gewesen wäre, dem Original das Wasser reichen. Denn ALIEN stellt seit jeher den Archetypen des Sci-Fi-Horrors dar. Und das vollkommen zu recht.

 

Großartiger Science-Fiction-Horror, der dem Genre den Weg geebnet hat.

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20 Antworten zu “ALIEN – DAS UNHEIMLICHE WESEN AUS EINER FREMDEN WELT

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