
A Chinese Ghost Story
Sin Neoi Jau Wan | Hongkong | 1987
IMDb, OFDb, Schnittberichte
Produziert von Hongkong-Legende Tsui Hark und gedreht von Neuling Ching Siu-Tung ist A CHINESE GHOST STORY zweifelsfrei ein Klassiker des „neueren“ HK-Kinos. Und das gilt – selten genug – für Asien und den Westen gleichermaßen. Dort sorgte der Film für eine wahre Kaskade an ähnlich gelagerten Geister-Romanzen-Schwertkunst-Mixturen, hier brachte er zahlreiche Kinder der 70er und 80er in Erstkontakt mit dem asiatischen Kino. Und da gab es eine Menge Kurioses zu bestaunen!
Lässt sich die Geschichte um den Schuldeneintreiber Ling Choi San (Leslie Cheung), der sich in die Geister-Schönheit Nip Siu Sin (Joey Wong) verliebt, noch recht locker an, so bricht nach rund 30 Minuten die Hölle los und Schwertkämpfe wechseln sich mit Zombies, Baumdämonen, zahlreichen Geistern und einem Ausflug in die Geisterwelt ab. Ching inszeniert rasant und so stehen die Zuschauenden nicht nur einmal vor der Aufgabe, sich von der optischen Pracht nicht allzu sehr fesseln zu lassen, um die Handlung nicht aus den Augen zu verlieren. Obwohl die Geschichte sich eigentlich auf recht klaren und bekannten Wegen bewegt – ein gelegentliches Mitreißenlassen ist also verkraftbar.
Denn der Film ist in Sachen Optik eine Wucht und liefert ein grandioses set piece nach dem nächsten. Da gibt es nebelige chinesische Wälder, in denen sich plötzlich Tempel zeigen, da gibt es derart buntes Lichtspiel, dass auch Mario Bava seine Freude gehabt hätte, und immer wieder stimmungsvolle Kulissen in der Stadt, im Wald oder am See. Dazu kommen schöne praktische Effekte, die von Stopmotion bis zu Matte Paintings reichen. Eine Baumdämonin hat eine meterlange Zunge, Geister machen Geistersachen. All das wird mit einer sehr dynamisch (Hand-)Kamera eingefangen und nähert sich deshalb immer wieder Comic-Gefilden. Das passt auch zum allgegenwärtigen Humor, der die Stimmung in regelmäßigen Abständen auflockert. Auch diese ungezwungene Mixtur aus Grusel, Romanze und Albernheit war wohl einer der Gründe, warum man seinerzeit im Westen von dieser Art, Filme zu machen, so erstaunt war.
Vielleicht war aber auch Ching von der Art beeindruckt, wie man im Westen Wälder und Geister inszenierte, denn jene Szenen, in denen „etwas Böses“ über den Waldboden huscht und sich einem Gebäude nähert, erinnern doch auffällig stark an Sam Raimis TANZ DER TEUFEL (1981). Auch Äste, die nach den Protagonisten greifen und die sexuelle Ebene, die die Baumdämonin beiträgt, wecken unzweifelhaft Assoziationen an den US-Klassiker. Da ist es doch gleich doppelt schön, dass der Film ein Medium ist, dass über Ländergrenzen hinweg Interesse und Begeisterung zu wecken vermag.