
Phantom der Oper
Phantom of the Opera | USA | 1943
IMDb, OFDb, Schnittberichte
Arthur Lubins PHANTOM DER OPER offenbart schon mittels seiner Struktur, dass er die Horror-Anlagen von Gaston Leroux‘ Roman nicht überzustrapazieren gedenkt. Die umfangreich ausgebreitete Serie von Demütigungen und Missverständnissen, die Erique Claudin (Claude Rains, der seine Karriere als DER UNSICHTBARE (1933) bei Universal startete) ereilt und zum Phantom werden lässt, lässt wenig Raum für Fragen oder Grusel. Und obwohl die Andeutungen einer familiären Bindung zu Christine (Susanna Foster) interessante Lücken schaffen, überwiegt doch die Enttäuschung darüber, dass schon in den ersten Minuten (quasi) jede denkbare Frage beantwortet wird. Da verpufft dann auch das angenehm expressionistische Flair im Zimmer Claudins im nun Folgenden.
Denn der Film wird danach schnell zu einer Kostüm-Revue, die sich in prunkvoller Ausstattung und langen Opernszenen ergeht. Dafür gab es zwar die Academy Awards für das Beste Szenenbild und die Kamera, aber leider geht darüber allzu oft die Handlung verloren. Die wenigen Auftritte des Phantoms stehen deutlich hinter dem Balzen von Christine, Raoul (Edgar Barrier) und Anatole (Nelson Eddy) zurück, das zudem immer wieder überdeutlich komödiantisch ausfällt. Die Screwball-Sketche der beiden Herren wollen dabei so gar nicht zur klassisch-edlen Ausstattung passen. Die Verfolgung des sehr selten in Aktion tretenden Phantoms mutet aufgrund der langen Gespräche von Inspektor Raoul mit den Opern-Bossen dann eher an wie ein EDGAR WALLACE-Krimi.
Erst zehn Minuten vor Ende geht es dann ab in die Katakomben der Oper, die dann deutlich mehr nach Kanalisation aussehen als noch im großartigen DAS PHANTOM DER OPER (1925) – und dass, obwohl die Kulissen zumindest teilweise wiederverwendet wurden. Die Pappmaschee-Gemäuer sehen zwar schick aus, sind aber augenscheinlich so alt, dass bereits ein Pistolenschuss das ganze Gewölbe zum Einsturz bringt. So endet also auch dieser kleine Grusel-Abstecher abrupt und stattdessen dürfen Anatole und Raoul den Film beenden, indem sie sich auf Christine pfeifend einhaken und davonstolzieren – ist auch besser so.