DER MORGEN STIRBT NIE

Der Morgen stirbt nie
Tomorrow Never Dies | Großbritannien/USA | 1997
IMDb, OFDb, Schnittberichte

1. Wurde es mit GOLDENEYE (1995) im JAMES BOND-Universum etwas düsterer, ist all das zwei Jahre später schon wieder vergessen. Der zwei Jahre zuvor noch krampfhaft am Leben erhaltene Konflikt zwischen US und SU wird nun gleich zu Beginn ad acta gelegt, wenn im britischen Geheimdiensthauptquartier neben der (erneut grandiosen) Judi Dench als M auch ein russischer Militär mitbesprechen darf. Stattdessen versucht man sich ein wenig daran, China zur neuen politischen Bedrohung hochzustilisieren, schließlich verlegt sich das Drehbuch (dieses Mal aus der alleinigen Feder von Bruce Feirstein) aber auch ein Technologie-Setting; der mögliche Konflikt zwischen Großbritannien und China als Auslöser des dritten Weltkriegs bleibt austauschbar.

2. Das Sujet des für Einschaltquoten über Leichen gehenden Medienmoguls Elliot Carver (Jonathan Pryce) ist für 1997 erstaunlich weitblickend gewählt – auch wenn er seinen Plan mit Fernsehen, Radio und Zeitungen umzusetzen gedenkt. Carvers Plans, die Nachrichten so zu gestalten, dass sie ihm maximalen Gewinn einbringen, erscheint in heutiger Zeit mehr als aktuell, fasst die Erkenntnis, dass Eskalation dem Geschäft dienlich ist, doch die Businessspläne der meisten „Social Media“-Plattformen bestens zusammen. Natürlich bietet der Film keine tiefergehende Beschäftigung mit dem Problem (ganz im Gegenteil verbreitet M im Finale grinsend Fake-News über Carvers Ableben), es frühzeitig erkannt zu haben, kann man ihm aber nicht absprechen.

3. Ansonsten lässt sich Autor Feirstein aber nicht viel einfallen und so eignet sich die Handlung eigentlich eher für 90 Minuten. Gerade im ersten Drittel bewegt sich nichts vorwärts und auch danach bleibt der Film die Bond-typischen Wendungen und Seitenwechsel schuldig. Dafür kann Regisseur Roger Spottiswoode das Ganze zügig durchinszenieren und ein schwungvolles Actionspektakel abliefern. Höhepunkt ist sicherlich die coole Motorradverfolgung durch Ho-Chi-Minh-Stadt (auch wenn die Darstellung der südvietnamesischen Metropole eher den Wunschvorstellungen der Setdesigner als der Recherche vor Ort entsprungen sein dürfte). Aber auch die BMW-Szene im Parkhaus und das Finale auf dem Tarnkappenboot versprühen Kurzweil.

4. Mit Michelle Yeoh gibt es eine angenehm eigenständige und selbstbewusste Frauenrolle, die Bond mehrfach Paroli bietet, selbstständig agiert und von ihrem Geheimdienst ebenfalls mit High-Tech-Spielzeugen ausgestattet wurde. Nachdem die althergebrachte Rolle Bonds von Judi Dench ja schon in GOLDENEYE kritisiert wurde, ist das eine schöne Entwicklung, auch wenn die finale Rettung von Yeohs Wai Lin durch einen Kuss Bonds daran natürlich etwas kratzt.

5. Letztlich ist DER MORGEN STIRBT NIE nicht das Desaster, als den ich ihn in Erinnerung hatte. Wenn man ihn als flotten Actioner begreifen möchte, gibt es an dem Film sogar recht wenig auszusetzen. Das zu schreiben erstaunt mich immer noch etwas.

2 Antworten zu “DER MORGEN STIRBT NIE

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