PRINZESSIN MONONOKE

Prinzessin Mononoke
Mononoke-hime | Japan | 1997
IMDb, OFDb, Schnittberichte

1. Die Fragen, inwiefern Natur und Mensch koexistieren und ob Naturschutz funktionieren kann, beschäftigen Hayao Miyazaki, Kopf des Studio Ghibli seit jeher. Fast alle seine Filme drehen sich um diesen Komplex oder berühren ihn zumindest. PRINZESSIN MONONOKE schafft es vielleicht wie kein anderer seiner Filme, dieses Themen mit Eindrücklichkeit zu füllen – weil der Film schlicht fantastisch aussieht. Die Weiten, die Wälder, die Bäume, das Wasser, das Moos und alle Bewohner des Waldes: alles verkörpert Miyazakis tiefen Respekt vor der Natur. Wenn jeder Schritt des Waldgottes Wachstum hervorruft, ist es beinahe unmöglich, nicht ergriffen zu sein. Der Film macht die Schönheit von Flora und Fauna einfach greifbar, er zelebriert den Wald und seine Bewohner – ein Werk, das man sich auch schlicht aus ästhetischen Gründen ansehen kann.

2. Die Erklärungen, die Miyazaki für die Zerstörung der Natur durch den Menschen liefert, sind niederschmetternd. Zum einen ist es der vermeintlich benötigte Fortschritt, der Brot auf die Teller bringen soll. Die Eisenhütte ist der scheinbar einzige Weg für die dort Arbeitenden, zu etwas Geld zu kommen. Die Zerstörung der Umwelt ist nicht ihr Ziel, sie ist ein nötiges Übel. Dazu sind die Bewohnerinnen und ihre Anführerin noch mit durchaus hehren Motiven ausgestattet, sodass die Verurteilung ihrer Handlungen doppelt schwerfällt. Ein jeder muss halt sehen, wo er bleibt – auch wenn die Natur dafür draufgeht. Was soll man schon machen?! Schlimmer noch ist allerdings die zweite These: Der Tenno fordert den Kopf des Waldgottes – angeblich der Unsterblichkeit wegen. Letztlich erhebt sich also der Menschen über die Natur, in der (unrealistischen) Hoffnung, daraus irgendeinen Vorteil zu ziehen. Blanke Gewalt ist das Mittel der Wahl. So traurig, so wahr.

3. Der Film traut seinen (jugendlichen) Zuschauern einiges zu. Trotz einiger Härten ist es nämlich durchaus ein jugendgerechter Film, der sich aber einem allzu einfach Gut-Böse-Schema verweigert. Wie erwähnt bewegt sich die von Chefin Eboshi zusammengeführte Gesellschaft zwar auf einen düsteren Pfad, besteht aber auch befreiten Prostituierten und aufgrund ihrer Behinderung/Erkrankung aus der übrigen Gesellschaft Verstoßenen; für Männer hat man in der Eisenhütte nur ein mitleidiges Lächeln übrig. Gleichzeitig sind der Keiler Okoto oder die Wolfsgöttin Moro keineswegs immer edel, sondern – genauso wie Prinzessin Mononoke – von durchaus ambivalentem Charakter. Die Verteidigung ihres Waldes geschieht auch stets unter dem Einsatz von Gewalt. Ashitaka nennt ebenfalls einen ordentlichen Bodycount sein Eigen. Es ist diese Ambivalenz, die PRINZESSIN MONONOKE zu einem so fesselnden Film macht: Obwohl das Ziel, den Wald zu bewahren, klar ist, ist die Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen, doch zumindest fern. Oder nicht vorhanden? Ich weiß es nicht – wie in Wirklichkeit eben.

5 Antworten zu “PRINZESSIN MONONOKE

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  2. „Prinzessin Mononoke“ ist echt ein wahnsinnig toller Film und der Filmkanon des Studio Ghibli so reichhaltig an kleinen und großen Perlen! Schöner Artikel!

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    • Danke dir!
      Ich muss ehrlich zugeben, dass ich da stark von Netflix‘ Versuch, sich gegen Disney+ zu wehren, angefixt wurde. Da muss jetzt wohl mal das Gesamtwerk Ghiblis angegangen werden …

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