IM SCHLOß DER BLUTIGEN BEGIERDE

Im Schloß der blutigen Begierde
Im Schloß der blutigen Begierde | Deutschland | 1968
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Eine flotte Gesellschaft rund um Baron Brack (Michel Lemoine) begibt sich während einer wilden Party zu einer abgelegenen Hütte, um privater zu feiern. Kurze Zeit später verschlägt es die Truppe auf das Anwesen des sinistren Graf Saxon (Howard Vernon), der soeben seine Tochter Katharina (Claudia Butenuth) durch eine Vergewaltigung und Ermordung verloren hat – und der diese wiederzubeleben versucht. Des Barons Begleiter geraten in einen Strudel aus Sex und Gewalt, in dessen Zentrum Bracks Freundin Marion (Claudia Butenuth) steht, die Katharina zum Verwechseln ähnlich sieht.

Tja, was soll man zu einem solchen Streifen sagen. Hatte Adrian Hoven mit seinem Regiedebüt DER MÖRDER MIT DEM SEIDENSCHAL (1966) mit seiner Aquila Film Enterprises einen durchaus gelungenen Start hingelegt, entscheid er sich kurz darauf, seine Regiekarriere eher in Richtung jenes Gefilde zu lenken, in dem er sich auch schauspielernd seit Jahren erfolgreich bewegte: die Exploitation. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass mit dieser Ausrichtung nicht auch gelungene Filme möglich sind (ganz im Gegenteil!), aber es ist eben doch ein deutlicher Unterschied, Carl Möhner oder die junge Susanne Uhlen durch Wien hetzen zu sehen, oder einer leichtlebeigen Clique in einer Schloss voller Wahnsinn, Sex und Bären zu folgen.

Graf: Sie haben unerhörte Ähnlichkeit mit der Mätresse meines Vorfahren.

Wobei Clique eigentlich nicht das richtige Wort für die Beziehung der Figuren zueinander ist. So vergewaltigt der von Michel Lemoine gegebene Baron Brack seine Begleitung Elena Lagrange mal eben, während sie auf das Eintreffen der übrigen Runde warten. Die vor allem aufgrund Lemoines irrem Starren ekelhafte Vergewaltigung wird im Nachgang besonders unappetitlich, scheint Elena das Geschehen doch mehr oder minder zu akzeptieren – zumindest erklärt auch ihre anschließende Flucht nicht, warum sie ihre Freunde nicht in Kenntnis setzt. Dass ihr Freund Roger, gespielt von Hovens Aquila Film-Partner Pier A. Caminnecci, in dieser Szene sogar noch die Bemerkung fallen lässt, einer anderen Frau hätte die ihr widerfahrene Vergewaltigung vielleicht gefallen, lässt einen schon sehr früh am Vorhandensein geschmacklicher Leitplanken in diesem Streifen zweifeln.

Immerhin verlagert Hoven die Handlung dann auf die Burg des Grafen Saxon, in dessen Rolle der renommierte Howard Vernon mal so richtig übertreiben darf. Mit feinem Dracula-Gedenk-Starren und übertriebenem Gehabe eifert Saxon seinem transsilvanischen Vorbild nach; auch der skurrile Hausdiener, hier Alecos genannt, darf nicht fehlen – Jugoslawe Vladimir Medar gibt diesen aber mit einem wunderbar breiten Ostblockakzent. Die zeitlebens auf Exploitation und Schmuddel gebuchte Janine Reynaud darf als Vera dann jegliche moralischen Hemmnisse fallen lassen und eine Lüsternheit zur Schau stellen, die sich auch schon mal im Abschlecken von Hühnerknochen äußerst. In einer Traumsequenz, beobachtet sie eine Vergewaltigung (ja, das Thema durchzieht den Streifen) und gerät dabei so richtig in Wallung – gleiches galt bei dieser Szene wohl auch für die deutschen und britischen Moralwächter der späten 60er: erstere schnitten sie Szene raus, letztere verboten den Film gleich gänzlich).

Graf: Nichts ist interessanter als der Tod, junger Mann.

Zwischen dem äußerst ruckeligen Voranschreiten der Geschichte, die letztendlich eine bestenfalls schwer zu erklärende Auflösung erfährt, serviert Hoven dann immer wieder Einsprengsel, die teils erstaunen, teils verwirren. Zum Beispiel kommt es zu einem (Mann im) Bären(-kostüm-)angriff, der jedoch nur zu geschehen scheint, um Marions Geschichte zu vervollständigen. Auch dass Alecos seine Gäste bei der Burgbesichtigung kurz an einer Vergewaltigungs-Geisterbahn stoppen lässt, die die gerade einmal drei Tage zurückliegende Vergewaltigung der Tochter des Burgbesitzers zeigt, irritiert nicht gerade wenig. Da sind die Archivaufnahmen einer Herzoperation, die den Film immer und immer wieder unterbrechen, schon fast zu vernachlässigen.
Letztendlich ist es vor allem erstaunlich, mit welcher Unbekümmertheit Adrian Hoven hier diverse Tabubrüche und Geschmacklosigkeiten in ein Gothic-Horror-Gewand kleidet und dass ganz im Stile eines Märchens vorträgt. Es stört nicht, dass Janine Reynaud ständig nackt und stöhnend durch diese Szenerie rennt oder am Ende kaum klar ist, wer denn nun für Katharinas erneutes Ableben verantwortlich ist. Schmeißt ihr Papa sie vielleicht deshalb einfach zu den Versen Shakespeares vom Balkon? Ich weiß es nicht; Adrian wahrscheinlich auch nicht. Macht aber nichts.

Teils skurriles, teils wahnwitziges, teils geschmackloses Werk Adrians Hovens, welches einen bisweilen delirierend umfängt, einen dann aber wieder ab- und verschreckt. Bemerkenswert ist das aber allemal.

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