LAß JUCKEN, KUMPEL 2: DAS BULLENKLOSTER

Laß jucken, Kumpel 2: Das Bullenkloster
Laß jucken, Kumpel 2: Das Bullenkloster | Deutschland | 1973
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Heiner Lenz (Michel Jacot) wohnt, nachdem er sich von seiner Frau Gisela (Anne Graf) aufgrund ihrer Untreue getrennt hat, im sogenannten „Bullenkloster“, einer Residenz für alleinstehende Bergleute. Dort trifft er seinen alten Kumpel Jupp Kaltofen (Hans-Henning Claer), mit dem er sich sofort auf die Suche nach Alkohol und Mädels begibt, um dem tristen Bergmann-Dasein zu entfliehen.

Der von Franz Marischka nach einem Roman von Hannes Henning Clear gedrehte LAß JUCKEN, KUMPEL (1972) hatte 1973 gerade die Goldene Leinwand eingeheimst, als der ebenfalls von Marischka gefertigte LIEBESGRÜßE AUS DER LEDERHOSE (1973) auch große Erfolge verzeichnen konnte. Da lokalkolorite Schmuddelstreifen also anscheinend des Publikums Geschmack zu treffen schienen, ging ebenfalls 1973 der erneut nach einem Roman von Hannes Henning Clear geschrieben LAß JUCKEN, KUMPEL 2: DAS BULLENKLOSTER an der Start. Der Produzent Gunter Otto ließ sich ein erneutes Mitwirken dabei natürlich ebenso wenig nehmen, wie Hauptdarsteller Michel Jacot und zahlreiche andere Darsteller und Filmhandwerker des Vorgängers.

Trudi: Warum ziehste dich dann aus? Bisse am Spinnen?

Und natürlich wird der Ruhrpott-Streifen in den ersten Sekunden genauso eingeführt, wie es auch schon ein Jahr zuvor der Fall gewesen ist. Verqualmte Zechen, schmuddelige Linienbusse, die durch noch schmuddeligere Bergarbeitersiedlungen kutschen, und – nach wenigen Sekunden – auch das pott’sche Gefluche und Gepöbel von Hauptfigur Heiner Lenz. Doch anstatt danach mit Alkohol und nackten Tatsachen fortzufahren, skizziert der Film zunächst die Problemsituation Heiners, welche auch im weiteren Verlauf des Streifen stets eine Rolle spielen soll: von seiner Frau betrogen und seiner Familie entzweit sucht der Schlacks Halt in einer Gesellschaft, die außer Maloche, Suff und Sex nichts kennt. Was nach dünner Kulisse klingt (und es stellenweise natürlich auch ist), sorgt in mancher Szene dafür, dass der Streifen – deutlich stärker als die übrigen Serienteile – die Probleme eines Kumpels darstellt. Leider trifft das nicht auf die Darstellung von Migranten und Homosexuellen zu, die hier mal wieder nur als zu verlachende gesellschaftliche Randgruppe Erwähnung erfahren.

Zwischen einigen nachdenklichen Momenten, haut Marischka aber auch ordentlich auf den Putz und sorgt so erneut für zahlreiche Szenen, die zu damaliger Zeit für ordentliche Furore gesorgt haben dürften. Auch die Synchronisation – sämtliche Dialoge wurden nach Drehschluss nachträglich aufgenommen – legt noch mal ein bis zwei Schüppen drauf und versorgt die Ohren der Kinogäste mit einem überaus eindeutigen und unmittelbaren Kommentar der Geschehnisse. Nach wie vor gibt es keine pornografischen Darbietungen, aber was bis zu dieser Grenze möglich ist, wird auch gezeigt.

Chef: Auf’m Pütt?!
Heiner: Jau, und da will ich auch bleiben. Da bin ich mein eigener König.

Neben Jacot darf auch Anne Graf als dessen Ehefrau Gisela wieder mitwirken. Autor und geistiger Vater der Serie Hannes Henning Clear bekommt als Jupp Kaltofen eine deutlich größere Rolle zugewiesen – in der er als Preisboxer (ein Verweis auf seine tatsächliche Karriere als Amateurboxer) mit einem Herz für die von Helga Bender gegebene Trudi mit dem Alter zu kämpfen hat. Natürlich ist auch Rinaldo Talamonti als Lucky wieder mit von der Partie und das Urgestein der deutschen Sexklamotten darf dieses Mal sogar eines der zahlreichen Happy Ends für sich vorbuchen. Ein solches steht natürlich auch Heiner zu, dessen sechsjähriger Sohnemann nach der erfolgten Familien-Wiedervereinigung zu konstatieren weiß: „Gut, dasse Kumpel bis‘, Papa, da kriegen wir wenigstens ‘ne günstige Bude.“ So sieht’s aus!

Auch der zweite Teil schafft es wieder mit Bravour, Lokalkolorit und Schmuddelei zu einem schwungvollen Ganzen zu verbinden. Und da die Geschicke der Kumpels hier mitunter sogar etwas ernster dargestellt werden, droht zu keinem Zeitpunkt Langeweile.

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