FLUCHT AUS L.A.

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Flucht aus L.A.
Escape from L.A. | USA | 1996 | IMDb, OFDb, Schnittberichte

Die Tochter (A.J. Langer) des US-Präsidenten hat ihrem Vater geheime Informationen geklaut und diese Cuervo Jones (Georges Corraface), dem Anführer einer Gefängnisbande in L.A. übergeben. L.A. ist im Jahre 2013 vom amerikanischen Festland getrennt und wird als Gefängnisinsel ohne Regeln und Wärter genutzt. Da Jones mit diesen Informationen die Sicherheit der USA, ja der ganzen Welt, bedroht, muss sich der mittlerweile auf ein extrem autoritäres System umgestellte Staat um den Fall kümmern. Dazu entsendet man wieder einmal Snake Plissken (Kurt Russell), der mit einem Gift in den Adern nur zehn Stunden Zeit hat, die brisanten Informationen aus den Händen der Terroristen zu retten.

Schon 1985 war ein Drehbuch zu FLUCHT AUS L.A. geschrieben und hätte verfilmt werden können, doch der Hauptschreiberling John Carpenter selbst war der Meinung, dass das Ding zu leichtgewichtig und uninspiriert sei. Vier Jahre zuvor hatte Carpenter mit DIE KLAPPERSCHLANGE einen Überraschungshit und heutigen Kultfilm um den bärbeißigen Kriminellen Plissken gedreht. Erst 15 Jahre später wurde der Film dann doch produziert, weil Kurt Russell – der immer wieder betont wie wichtig die Rolle des Snake für seine Karriere war – nicht locker ließ, und Paramount Pictures dann 1996 endlich 50 Mio. US$ für den Dreh bereitstellte. Immerhin das Zehnfache des Budgets des Vorgängers.
Leider offenbart der Film ab der ersten Minuten, was Carpenter mit „leichtgewichtig“ meinte: Das Drehbuch wiederholt das Original schamlos Schritt für Schritt. Dabei ist dann nicht nur der größere Handlungsrahmen (Gefängnisinsel, Plissken als letzte Rettung, Gift in den Adern) der gleiche, sogar die einzelnen Charaktere und Szenen wirken wie kopiert. Fuhr im ersten Teil noch Ernest Borgnine mit einem Taxi umher und spielte den Reiseführer, tritt jetzt Steve Buscemi als schauspielerisch stark unterforderte Quasselstrippe an seine Stelle. Der finstere Bösewicht Isaac Hayes, wird durch Hobby-Che-Guevara Georges Corraface ersetzt. Ein hübsches, knapp bekleidetes Mädchen, das aber außer Freundin zu sein kaum einen Sinn erfüllt ist in Form von A.J. Langer auch wieder dabei. Dass sich Plissken dann auch wieder vor den örtlichen Banden in einem sportlichen Wettkampf messen muss (diesmal Basketball statt Boxring), wundert dann längst keinen mehr.
Dabei muss man aber auch festhalten, dass der Film nicht schlecht ist. Immer wieder treten Ansätze von (Selbst-)Ironie zu Tage, die dem Film durchaus einen Unterhaltungswert einbringen. Das Geschehen ist kurzweilig und action-orientierter. An dieser Stelle sei vor allem der skurrile Auftritt von Trash-Ikone Bruce Campbell als abgedrehter Chirurg in Beverly Hills erwähnt. Leider reichen die paar guten Ideen aber dann nicht, um die schiere Einfallslosigkeit des Drehbuchs zu überdecken.
Dazu kommt, dass der Film die dunkle Ernsthaftigkeit des Originals vermissen lässt und so zu einem bunten Unterhaltungsfilm wird. So bieten sich dem Zuschauer auf der einen Seite tolle Kulissen, und oft entsteht auch echter Endzeitcharme, aber auf der anderen Seite reißt die verwendete Computertechnik den Film dann zu oft wieder runter. Das diese Technik Mitte der 90’er Jahre noch in den Kinderschuhen steckte, sieht man dem leider Film viel zu oft an. Da kann es einem schon die Tränen in die Augen treiben, dass dort 50 Mio. US$ verbraten wurden. So konnte der Film sein horrendes Budget auch nicht wieder einspielen und wurde deshalb in der Öffentlichkeit endgültig zum Flop erklärt. Das ist eigentlich schade, weil der Film – seinen großartigen Vorgänger einmal außer Acht gelassen – eigentlich gute Unterhaltung bietet.

Kopie des Originals, das seinem Vorbild allerdings zu keinem Zeitpunkt das Wasser reichen kann. Für sich genommen trotzdem ein unterhaltsamer Film.

4 Antworten zu “FLUCHT AUS L.A.

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