DIE KLAPPERSCHLANGE

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Die Klapperschlange
Escape from New York | 1997 | Großbritannien/USA | IMDb, OFDb, Schnittberichte

Ganz Manhattan ist im Jahr 1997 eine Gefängnisinsel, auf es weder Wärter noch Gesetze gibt. Ausgerechnet hier stürzt die von Terroristen entführte Air Force One ab, so dass der Präsident der Vereinigten Staaten (Donald Pleasence) nun in den Händen der Kriminellen ist. Der zuständige Polizei-Direktor Bob Hauk (Lee van Cleef) schickt den kürzlich verurteilten Snake Plissken (Kurt Russell) auf die Insel, um den Präsidenten zu retten. Allerdings hat er dazu nur 22 Stunden Zeit.

Schon 1973 hatte John Carpenter – der zu diesem Zeitpunkt gerade einmal eine Kurzfilmfasssung von DARK STAR veröffentlicht hatte – einen Drehbuchentwurf namens ESCAPE FROM NEW YORK in der Schreibtischschublade liegen. Doch erst nach den Erfolgen von HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS und THE FOG – NEBEL DES GRAUENS war es Carpenter möglich, das Drehbuch zu entstauben und zusammen mit Nick Castle (der bei HALLOWEEN den Michael Myers mimte) zu überarbeiten. Castle war dann auch maßgeblich dafür verantwortlich, dass der sehr düstere und pessimistische Film einen guten Schluss Humor erhielt. Carpenter erhielt dann von Embassy Pictures ein Budget von ca. 6 Mio. US$ und drehte damit einen legendären Endzeit-Actioner, der seinem Liebling Kurt Russell zum Durchbruch verhalf.
Dabei ist der Film ein gutes Beispiel dafür, dass sich ein Drehbuch in zumindest einem Punkt von einem Wein unterscheidet, denn nur weil es lange herumgelegen hat, wird es noch lange nicht besser. Die kantige Geschichte weiß zwar über die gesamte Spielzeit zu unterhalten, reißt dabei allerdings keine Bäume aus. Es fällt dem Film teilweise einfach schwer, seine ohne Frage vorhandenen Spannungsmomente so miteinander zu verknüpfen, dass ein ganzheitlicher Spannungsbogen entsteht. Das liegt auch daran, dass Carpenter viel Zeit auf die Ausgestaltung der Charaktere verwendet und deren eigentliches Handeln deshalb manchmal in den Hintergrund rückt. So ist zum Beispiel die ganze Kampfszene im Boxring inhaltlich ohne Belang und dient nur dazu, Snake als Kämpfer und die Meute als blutrünstig und wankelmütig zu definieren. Die ursprüngliche Eröffnungssequenz, in der man sieht, wie Snake mit einem Kumpanen die Staatsbank überfällt und dabei gefasst wird, wurde dann nach einer Testvorführung gleich ganz aus dem Film gestrichen. In der deutschen Synchronisation wurden sogar alle Hinweise darauf verwischt, indem Hauk im Gespräch mit Plissken davon spricht, dass dieser eine Nuklear-Anlage überfallen habe.

Die Handlungs-Eskapaden schaden dem Film allerdings in keiner Weise, da DIE KLAPPERSCHLAGE nie einen Hehl daraus macht, dass die Welt und die Menschen die in ihr leben (müssen) im Vordergrund stehen. So wird dem Zuschauer dann nach und nach ein wunderbarer Cast präsentiert, der sich quasi keine Schwächen erlaubt. Isaac Hayes als gnadenloser Gewalt-Herrscher Duke, Harry Dean Stanton als intriganter Gehilfe Brain und der grandiose Ernest Borgnine als Taxifahrer und Quasselstrippe Cabbie können allesamt überzeugen. Einzig Adrienne Barbeau fällt da ein wenig ab, da ihre Rolle schlicht und einfach überflüssig ist. Ein weiteres Mal, dass das Können dieser Dame verschwendet wurde, und sie nur aufgrund ihrer üppigen Weiblichkeit eine Rolle bekam. Leider kam das in ihrer Karriere des Öfteren vor. Quasi als Beleg dafür wurde während der Dreharbeiten auch vergessen, eine Szene zu drehen, die ihren Tod auf der Brücke deutlich zeigt. Diese Einstellung (die blutende Barbeau liegt unter einem Auto) wurde dann einfach in Barbeaus eigener Auffahrt nachgedreht und eingefügt.
Neben den Charakteren besticht der Streifen vor allem durch sein Art-Design, allem voran die Drehorte. Um eine zerstörte finster-futuristische Umgebung nutzten zu können, begab sich Carpenter mit Sack und Pack nach St. Louis. Dort hatte ein großer Brand gerade mehrere Häuserblocks zerstört und die Stadt St. Louis genehmigte die Dreharbeiten in den verlassenen Gassen. Das kam natürlich dem schmalen Budget des Films sehr entgegen. Nur noch schnell ein paar Teile vom Schrottplatz und eine alte Boeing in die Gassen geworfen und fertig ist die Gefängnisinsel Manhattan. Tatsächlich in New York wurde nur die eine Einstellung der Freiheitsstatue gedreht. Die restlichen Aufnahmen von New York sind Pappmodelle. Für die „Digitalaufnahmen“ wurde das Pappmodell der Stadt dann einfach schwarz und grün angemalt und wiederum abgefilmt.

Dieser düstere und futuristische Stil des Films machen ihn dann auch zu einer Ikone der Cyberpunk-Gemeinde, verkörpert er viele der in den verschiedenen Romanen geschaffenen Welten doch nahezu perfekt. Gerade auch das sehr pessimistische Ende und die immer wieder eingestreuten Hinweise auf die üblen weltpolitischen Zustände festigen diesen Eindruck weiter. Da es sich neben alledem aber immer noch um einen Action-Film handelt, gibt es – neben der Carpenter-typischen ruhigen Inszenierung – auch immer wieder schwungvollere Momente, in denen neben viele Explosionen auch die ein oder andere Patrone Kunstblut Verwendung findet. Das passt dann sehr gut zu der finsteren Grundstimmung des Films.
Kurt Russell beschrieb die Rolle des Snake Plissken (auf dessen Bauch übrigens eine Kobra prangt und keine Klapperschlange) in der Folgezeit oft als seine wichtigste. Hatte er zuvor meist nur in Fernsehproduktionen agiert, verhalf im dieser Streifen dann zum großen Durchbruch, dem dann noch weitere drei Carpenter-Filme folgen sollten. Da DIE KLAPPERSCHLANGE auch finanziell erfolgreich war (was, wie wir wissen, bei Carpenter-Filmen keine Selbstverständlichkeit ist), wurde 15 Jahre später tatsächlich noch die Fortsetzung FLUCHT AUS L.A. gedreht.

Großartiger Endzeit-Actioner, der sowohl Kurt Russell als auch dem Cyberpunk zum Leinwanddurchbruch verhalf.

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