WEIßE JUNGS BRINGEN’S NICHT

Weiße Jungs bringen’s nicht
White Men Can’t Jump | USA | 1992
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Anfang der 90er Jahre bewegte sich das New Black Cinema mit Filmen wie BOYZ N THE HOOD – JUNGS IM VIERTEL (1991), STRAIGHT OUT OF BROOKLYN (1991) oder MENACE II SOCIETY (1993) in eine äußerst sozialkritische Richtung, die in den Unruhen in Los Angeles im Jahr 1992 ihre reale Entsprechung fand. Innerhalb dieses gesellschaftlichen und kulturellen Rahmens dürfte es schon erstaunt haben, dass Ron Shelton einen Film schrieb und drehte, der vom Eindringen des weißen Ex-Basketballers Billy Hoyle in die Basketballplatz-Sphäre der Suburbs von L. A. handelt. Tatsächlich beschränkt sich Shelton dann aber auf kleine Kommentare zur Situation, erhebt aber zu keiner Zeit den Anspruch, ein Abbild der Realität zu zeigen; dafür ist die Geschichte um den seinen Erfolg immer wieder verspielenden Billy (Woody Harrelson), die (sich tatsächlich erfüllende) Gameshow-Hoffnung von Gloria (Rosie Perez) oder das Vorne-Gangster-hinten-Anzug-Leben von Sidney (Wesley Snipes) allenthalben zu konstruiert. Trotzdem lassen die grauen Hinterhöfe, einige Unterhaltungen und vor allem Rhondas (Tyra Ferrell) Hadern mit ihrer Lebenssituation durchaus immer wieder kurz Blicke auf die Realität zu.

Wichtiger ist es Shelton aber, seine beiden Hauptfiguren auf Augenhöhe zu zeichnen. Nach einigen kleinen Reibereien (die auch Stereotype und Klischees abarbeiten) entwickelt sich zwischen Sidney und Billy eine Freundschaft, die Hauptfarben angenehm unausgesprochen lässt. Spätestens vor den großen Problemen des Lebens sind hier eben alle gleich. Das passt zum Konzept der Sportkomödie, dem Shelton in den nächsten Jahren stets treu bleiben sollte. Billy und Sidney bestreiten gemeinsam unzählige (unterhaltsam inszenierte) Basketballspiele und fallen dabei neben ihrem guten Spiel vor allem durch ihr Gequatsche auf. Überhaupt geben die beiden nie Ruhe und konstituieren ihre Beziehung so vor allem über den wortreichen Austausch.

Weniger unterhaltsam zeigt sich das Drehbuch, das sehr davon profitiert, dass Shelton auch das zehnte 2-on-2 noch schwungvoll darbietet. Ansonsten bleibt die Geschichte Stückwerk, das Finale gar von irritierendem Widerwillen gegen eine Lernkurve der Figuren. Billy verliert Geld und Freundin, weiß dies jedoch nur lakonisch zu kommentieren. Die Stimmung ist aber gut, hier zieht kein Desillusionierter von dannen, sondern jemand, dem es augenscheinlich gut geht. Warum er dann vorher so intensiv um Gloria gekämpft hat, bleibt offen – ebenso wie vieles Anderes. Aber auch hier passt wohl wieder die Erkenntnis, dass es sich trotz des viel Drama-Potenzial bietenden Settings wohl „einfach“ um eine Sportkomödie handelt.

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