COOL RUNNINGS

Cool Runnings
Cool Runnings | USA | 1993
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Nachdem der Traum der jamaikanischen Sprinter Derice (Leon), Junior (Rawle D. Lewis) und Yul (Malik Yoba), einmal bei den Olympischen Spielen für ihr Land zu starten, durch einen dummen Zufall zunichte gemacht wird, will Derice um jeden Preis mittels einer anderen Sportart an den Spielen teilnehmen. Und da sich mit Irving Blitzer (John Candy) nur ein einzige Trainer auf Jamaika findet, der schon mal olympisches Gold gewonnen hat, muss es eben dessen Sportart sein: das Bobfahren.

1988 nahm eine jamaikanische Bobmannschaft völlig überraschend an den Olympischen Winterspielen in kanadischen Calgary teil. Von Pannen, Unfällen und dem Spott der übrigen Teilnehmer gebeutelt, schaffte es die Mannschaft, sich für die olympischen Läufe zu qualifizieren, konnte dort jedoch keine nennenswerte Rolle mehr spielen. Die Idee hatten zwei US-amerikanische Geschäftsleute, die sowohl Seifenkistenrennen als auch Sprintwettbewerbe auf Jamaika beobachteten und das Potenzial für eine Bobmannschaft erkannten. Da allerdings die Sportler am Gelingen dieses Konzepts zweifelten, waren es letztendlich überwiegend Soldaten, die im ersten jamaikanischen Bob saßen.

Sanka: Wenn wir reden wie Jamaikaner, laufen wie Jamaikaner, aussehen wie Jamaikaner und auch noch Jamaikaner sind, finde ich, dann sollten wir auch lieber Bobfahren wie Jamaikaner.

Dieser Geschichte nahmen sich die Autoren Michael Ritchie, der bei dem Eddie Murphy-Streifen AUF DER SUCHE NACH DEM GOLDENEN KIND (1986) Regie geführt hatte, und Lynn Siefert an, bot sie doch einiges an Potenzial, daraus einen emotionalen Sportfilm zu machen. Das Ergebnis dieser frühen Drehbucharbeiten war dann ein eher dramatischer Film, für den man bereits Darsteller wie Leon (Robinson), Doug E. Doug und Malik Yoba engagiert hatte. Diese zeigten sich jedoch allesamt unzufrieden mit den Entwürfen und forcierten einen humorvolleren Film. Als dann auch noch Regisseur Jon Turteltaub zur Produktion kam, der zuvor einschlägige Werke wie HIGHWAY CHAOTEN (1989), TRABBI GOES TO HOLLYWOOD (1991) oder 3 NINJA KIDS (1992) abgeliefert hatte, war die neue Ausrichtung beschlossene Sache.

Und tatsächlich fühlen sich die Darsteller in diesem Konzept scheinbar pudelwohl. Leon fällt dabei als dem erfahrensten Schauspieler die ernsteste Rolle zu. Sein Derice ist die Triebfeder der Geschichte und er ist auch derjenige, der am meisten lernen muss und sich erst im Finale des Films selbst findet. Daneben sind die drei Mitfahrer deutlich humorvoller angelegt. Weitestgehend unerfahren fügen sich Malik Yoba als Yul Brenner, Doug E. Doug als Sanka und Rawle D. Lewis als Junior geschickt ins Komödienfach und gewinnen so schnell die Herzen der Zuschauenden. Die Charakterzeichnung bleibt dabei natürlich durchweg oberflächlich, aber trotz ihrer Simplizität ist sie letztlich doch funktional genug, um am Ende eine emotionale Bindung zwischen Protagonisten und Zuschauenden hergestellt zu haben. Daneben unterhält Hollywood-Star John Candy in einer seiner letzten Rollen als schlitzohriger aber herzensguter Trainer Blitzer, bevor er bei den Dreharbeiten zu Peter Markles WAGONS EAST (1994) verstarb.

Sanka: Fühlt den Rhythmus, hört die Musik, dieser Bob führt uns zum Sieg!

Und während dieser Cast über weite Teile des Streifens hinweg mit viel Engagement und Klamauk für ordentliche – bisweilen allerdings etwas hängende – Unterhaltung sorgt, dreht Turteltaub im Finale noch einmal richtig auf und inszeniert ein bewegendes und bemerkenswert geschickt gefilmtes Finale. Gelingen dem Film die Sportsequenzen ohnehin schon am besten und schwungvollsten, vermag der finale Lauf den Rezipienten tatsächlich mitzureißen. Der (ebenfalls den tatsächlichen Geschehnissen in Calgary ‘88 entliehene) Unfall des Bobs sowie der anschließende Weg gen Ziellinie sind ebenso ergreifend wie schön und führen noch einmal deutlich an, dass Turteltaub hier neben Spaß und Klamauk stets auch ein Auge auf die größere Bedeutung der Geschehnisse hat. 1988 hat sich ein kleines, armes Land gegen all die Willkür und Überheblichkeit des Olympischen Komitees und der gesamten Sportwelt durchgesetzt – und Turteltaub fängt genau diesen Geist im Finale mit viel Fingerspitzengefühl ein.

Eine in hohem Maße charmante Komödie, die neben einigen gelungenen – bisweilen aber auch etwa flachen – Witzen vor allem ein großes Herz offenbart. Hier lernen (junge) Zuschauer ganz nebenbei noch etwas über Anerkennung und Respekt.

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