
Hard Ticket to Hawaii
Hard Ticket to Hawaii | USA | 1987
IMDb, OFDb, Schnittberichte
Andy Sidaris‘ 1987er Streifen etabliert die DEA-Agentinnen Donna (Dona Speir) und Taryn (Hope Marie Carlton), die in den nächsten Jahren im Zuge der lose zusammenhängenden Bullets, Bombs and Babes-Filme immer mal wieder auftreten sollten. Die Benennung der Reihe muss allerdings als sträflich ungenau bezeichnet werden, denn in HARD TICKET TO HAWAII gibt es deutlich mehr zu sehen als nur Schießereien, Explosionen und leicht- respektive nichtbekleidete Frauen. Schon in den ersten zehn Minuten werden Drogendealer erschossen, am Hafenbacken feinste Softcore-Dialoge dargeboten und riesige giftige Schlagen in Flugzeuge verladen. Warum die Schlange giftig ist? Weil sie infiziert ist „mit tödlichen Stoffen von krebsverseuchten Bisamratten“.
Und auch danach scheucht uns das auch von Sidaris geschriebene Drehbuch von einer Wahnsinnsszene zur nächsten: Da kommt ein Skateboarder des Weges, der sich beim Fahren hinter einer Gummipuppe versteckt, um Sidekick Jade (Harold Diamond) mit einer Schrotflinte in die Brust zu schießen (muss dann auch genäht werden), um dann von Held Rowdy (Ronn Moss) angefahren zu werden. Das Anfahren schleudert den Unhold in die Luft, wo Rowdy ihn dann mit der Bazooka erledigen kann. Wenig später trifft Rowdy sich dann am Strand zu Frisbee-Duell mit einem Schurken, der sich durch des Heroen Können derart herausgefordert fühlt, dass er seine MP zur Seite legt und nicht bemerkt, dass Rowdy die Frisbee gegen ein Modell mit Rasierklingen getauscht hat – so hat dann auch die Abteilung Effekte etwas zu tun. Im Finale darf Antagonist Seth (Rodrigo Obregón) dann eine lange Abfolge von tödlichen Verletzungen einsteckten und trotzdem immer wieder aufstehen, bevor die erwähnte Schlange aus der Toilette hervorbricht, um dann per ebenfalls erwähnter Bazooka gerichtet zu werden.
Jetzt könnte man im Lichte solcher Szenen zu dem Schluss kommen, dass HARD TICKET TO HAWAII tatsächlich einige wilde Idee aufbietet, doch damit würde man missachten, was sich zwischen derartigen Momenten abspielt. Denn der Film nötigt einen durchweg dazu, ihn mit offenem Mund zu verfolgen. Alle Frauen sind durchweg knappst oder nicht bekleidet und posieren immer so, als wären sie auf dem Laufsteg. Die Dialoge sind allesamt wahnwitzig platt oder albern, einige Kalauer funktionieren prächtig. Overacting ist Pflicht, es gibt nichts, was nicht passieren kann und Kleidung, Kostüme und Ausstattung bringen jeden vom 80ies/90ies-Revival befallenen Hipster zum Jubeln. Kampfkunst und Schwertkampf finden auch noch ihren Platz und am Ende kommt man zu der beeindruckenden Erkenntnis, dass es Andy Sidaris wie nur wenigen anderen gelingt, jeden erdenklichen billigen Schauwert in diesen Film zu packen, ohne dass es zur beliebigen Aneinanderreihung verkommt. Der Film wirkt erstaunlich stringent und geschlossen, ob er Quatsch an Blödsinn reiht. Sidaris ist ein Zauberer des exploitativen Kinos!