KIKIS KLEINER LIEFERSERVICE

Kikis kleiner Lieferservice
Majo no takkyûbin | Japan | 1989
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Es ist wahrscheinlich seiner Zugänglichkeit zu verdanken, dass KIKIS KLEINER LIEFERSERVICE (1989) zum ersten großen finanziellen Erfolg des Studio Ghibli wurde, obwohl MEIN NACHBAR TOTORO (1988) und DIE LETZTEN GLÜHWÜRMCHEN (1988) die bei weitem facettenreicheren Filme waren. Denn tatsächlich ist die Coming-of-Age-Geschichte der kleinen Hexe äußerst gradlinig und stringent erzählt, ihr ist einfach zu folgen und das einzige kleine Problem löst sich zügig und restlos auf. Und genau da liegt auch das Problem des Films.

Nach der Exposition braucht der erneut von Hayao Miyazaki geschriebene und inszenierte Film sehr lange, um Kiki in der Stadt zu etablieren. Die Aufnahme ihrer Tätigkeit als Lieferbotin steht der Entwicklung der Geschichte lange im Weg, weder die persönliche Beziehung zu Tombo noch zu anderen Figur nimmt Fahrt auf. Es entwickelt sich auch kein Konflikt, erst sehr spät kommt es zum Frust-bedingten Verlust von Kikis Hexenfähigkeiten. Diesem wird jedoch durch das unvermittelte Auftauchen der Künstlerin sofort begegnet und durch die Rettung Tombos wird das Happy End besiegelt. Es bleibt die kindgerechte Erkenntnis, dass es manchmal im Leben nicht so läuft, es in solchen Fällen aber die beste Idee ist, Ruhe zu bewahren und sich keinen Stress zu machen. Wird schon alles wieder.

Die wirkliche Tragik des Films droht dabei hinter den Ghibli‑typisch tollen Zeichnungen verloren zu gehen. Kiki kann in der großen Stadt nicht ihrer wirklichen Hexen-Profession nachgehen, sie muss viel mehr den Job einer Kurierin annehmen. Darüber zunächst erfreut stürzt sie schnell in Arbeitsstress und schlechte Laune. Sie spricht nur noch von Terminen und hetzt von einem zum nächsten, für Frau Osono oder den freundlichen Tombo bleibt keine Zeit. Selbst die freundliche Künstlerin im Wald hilft Kiki nur für eine Gegenleitung aus der Klemme. Folgerichtig lässt der Burnout nicht lange auf sich warten. Es bleibt zu hoffen, dass all die jungen Gemüter, die diesen Film sehen, verstehen, dass Kiki an all dem Stress und der Einsamkeit erkrankt ist und dass es nun mitnichten hilft, sich kurz eine Pause zu gönnen, um dann genauso weiterzumachen. Dann steht der nächste `Burnout nämlich schon vor der Tür.

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