SCHÜSSE AUS DEM GEIGENKASTEN

Schüsse aus dem Geigenkasten
Schüsse aus dem Geigenkasten | Deutschland/Frankreich | 1965
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Eigentlich erstaunlich, dass zwischen der Veröffentlichung des ersten Jerry Cotton-Hefts und der Premiere des ersten Films elf Jahre langen. Immerhin handelt es sich um die erfolgreichste deutsche Reihe von Fortsetzungsromanen und in Deutschland respektive bei der Constantin hatte man ja bereits Erfahrung mit flugs runtergekurbelten Kinoadaptionen und Filmreihen gemacht. 1965 sollte es dann unter der Regie von Fritz Umgelter endlich losgehen und als großen Coup konnte die Constantin den US-Amerikaner George Nader als Hauptdarsteller vorweisen, der qua der Detektiv-Serie SHANNON KLÄRT AUF (1961-1962) Bekanntheit erlangt hatte und der dem deutschen Publikum so einiges an weltmännischem Flair antragen sollte.

Nader bekommt dann noch den deutschen Kollegen Heinz Weiss als FBI-Kollegen Phil Decker an die Seite gestellt und schon kann es losgehen. Georg Hurdalek schreib ein Drehbuch, das eigenständig neben der Heftreihe steht und das die Heroen in New York eine Mörderbande jagen lässt. Sowohl die einleitenden Überfälle (die durch ihre musikalische Untermalung und die daran angepasste Inszenierung entfernt an ein Musical erinnern) als auch die folgenden Ermittlungen nehmen sich dann durchweg konventionell aus. Es scheint fast so, als hätte sich Hurdalek Mühe gegeben, die Groschenroman-Herkunft des Themas bloß deutlich beizubehalten. Es gibt keine Wendungen, keine Überraschungen und keine Gleichzeitigkeiten. Alles läuft wie auf Schienen. Und wenn der am Anfang bereits kurz aufgetretene Strafverteidiger Mr. Hamilton plötzlich – aber freilich nur für wenige Minuten – zum Verdächtigen wird, dann meint man gar, das dünne Papier der Heftchen rascheln zu hören.

Dafür inszeniert Umgelter durchaus launig und abwechslungsreich. Innen- und Außenaufnahmen wechseln sich ständig ab, Luftaufnahmen von New York etablieren die Sets sinnvoll und diverse Trickaufnahmen zeugen vom Herzblut der Beteiligten. Denn dabei wird meist das wenige Material, das ein kleines Team vor Ort im Big Apple gedreht hat, mit den in Hamburg entstandenen Aufnahmen zusammengeführt. Dann klettern Darsteller auf einem hanseatischen Dach umher und unter ihnen leuchten die Straßenschluchten der Ostküstenmetropole. Das klappt erstaunlich gut, bricht lediglich, wenn die befahrenen Straßenzüge und ihre Umgebung dann allzu laut „Bundesrepublik“ rufen. Die damaligen Kinogängerinnen und Kinogänger waren aber wohl auch gut unterhalten und machten mit ihren zahlreichen Kinobesuchen den Weg frei für sieben weitere JERRY COTTON-Filme bis 1969.

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